Milliardenstrafe in USA droht
Volkswagen gibt massive Abgas-Manipulation zu

Von wegen „Clean Diesel“: Die US-Umweltbehörde wirft VW vor, die Abgaswerte von Diesel-Wagen manipuliert zu haben. Eine Milliardenstrafe steht im Raum. Jetzt äußert sich Konzernchef Martin Winterkorn.

Washington/WolfsburgDas US-Geschäft ist das große Sorgenkind von Volkswagen – und jetzt auch noch das: VW drohen in den USA Strafen in Milliardenhöhe und ein nicht absehbarer Imageschaden. Und der könnte auch dem Ansehen der deutschen Vorzeigeindustrie insgesamt erhebliche Dellen zufügen. Die US-Umweltbehörde EPA wirft dem Autobauer vor, die Ermittlung von Abgaswerten seiner Diesel-Fahrzeuge manipuliert zu haben.

Für den Konzern könnten sich die Anschuldigungen zu einem ziemlich teuren Albtraum auswachsen. Dabei hatte der mächtige VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh das Geschäft in den USA schon ohne diesen Skandal einst als Katastrophenveranstaltung bezeichnet.

VW soll eine spezielle Software eingesetzt haben, um die Messung des Schadstoffausstoßes zu manipulieren, teilte die Laut EPA am Freitag in Washington mit. Das ermögliche, das Abgas-Kontrollsystem nur bei offiziellen Emissionstests zu aktivieren – und damit bessere Messwerte zu liefern, als sie im Alltag erreicht würden. Der Vorwurf wiegt schwer, am Ende geht es aus Sicht des EPA um Betrug. „Solche Mittel zu benutzen, um die Klimaschutzstandards zu umgehen, ist illegal und eine Bedrohung für die öffentliche Gesundheit“, sagte EPA-Vertreterin Cynthia Giles.

Am Sonntag gab der Konzern die massiven Abgas-Manipulationen zu. Ein Firmensprecher sagte: „Wir haben das gegenüber der Behörde eingeräumt. Der Sachverhalt trifft zu. Wir arbeiten aktiv mit der Behörde zusammen.“ VW-Chef Martin Winterkorn kündigte am Sonntag eine externe Untersuchung der Vorgänge an. „Ich persönlich bedauere zutiefst, dass wir das Vertrauen unserer Kunden und der Öffentlichkeit enttäuscht haben“, erklärte er.

Der größte deutsche Autobauer war zuvor nicht nur wegen der Manipulationen, sondern auch wegen des Umgangs mit dem Fall kritisiert worden. „Da ist etwas fundamental schiefgegangen bei VW“, sagte Stefan Bratzel von der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach. Der Autoexperte fordert strukturelle Änderungen beim Wolfsburger Konzern. „VW muss den Fall zum Anlass nehmen, um die internen Prozesse zu überprüfen“, sagte Bratzel.

Es sei sehr verwunderlich, dass die Machenschaften der amerikanischen US-Tochter nicht längst an Wolfsburg gemeldet worden seien und das Durchgreifen der Konzernspitze nach sich gezogen hätte, sagt der Experte. „Das muss jetzt ein Weckruf zur Einhaltung der Compliance-Regeln sein.“

Compliance-Regeln legen fest, wie sich Konzerne verhalten müssen, damit ihre Geschäfte im Einklang mit geltendem Recht stehen. Bratzel vermutet, die VW-Tochter in den USA sei mit ihren dortigen Geschäftspraktiken gewissermaßen aus dem Ruder gelaufen. „In Wolfsburg ist man sich doch im Klaren, dass man Regeln nicht einfach aushebeln darf.“

Die Abgas-Affäre wird wohl länger eine Baustelle bleiben – und damit auch eine große Herausforderung für Konzernchef Martin Winterkorn, dessen Vertrag erst kürzlich nach dem Sieg im Machtkampf mit Ferdinand Piëch verlängert worden war. Am Samstag hatte VW lediglich mitgeteilt, der Umweltschutz gehöre zu den strategischen Unternehmenszielen.

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