Milliardenübernahme
Pharmakonzern Glaxo auf Einkaufstour

Mit dem Kauf der US-Firma Reliant Pharmaceuticals erweitert der britische Pharmakonzern Glaxo-Smithkline (GSK) sein Angebot an Herz-Kreislauf-Medikamenten – und greift dafür tief in die Tasche. Ein typisches Beispiel für den Drang großer Pharmahersteller, schwaches internes Wachstum durch die Übernahmen zu kompensieren.

FRANKFURT. Der britische Konkurrent Astra-Zeneca etwa verstärkte sich im Zuge dieser Strategie vor wenigen Monaten mit der US-Biotechfirma Medimmune, Pfizer kaufte vor wenigen Tagen die kleine Firma Coley. Auch GSK hatte in den letzten beiden Jahren mehrere kleinere Unternehmen übernommen, darunter den Impfstoffhersteller ID Biomedical sowie die Biotechfirma Praecis.

GSK muss derzeit mehrere Patentabläufe verkraften und verbucht zudem deutliche Umsatzeinbußen bei seinem Diabetesmittel Avandia, das wegen möglicher Nebenwirkungen in die Schusslinie geraten ist. Im dritten Quartal sank der Umsatz um drei Prozent auf 5,5 Mrd. Pfund.

Da derzeit etliche große Pharmahersteller unter Schwächen in den eigenen Forschungspipelines und verschärfter Generikakonkurrenz leiden, rechnen Branchenkenner mit weiteren Transaktionen dieser Art – zumal die Aktienkurse vieler Biotechfirmen in jüngerer Zeit nachgegeben haben. „Der Zeitpunkt für Übernahmen in diesem Sektor ist insofern relativ günstig“, schätzt Markus Metzger von der Bank Vontobel.

Im Falle Reliant ,das GSK für rund 1,65 Mrd. Dollar übernommen hat, handelt es sich allerdings nicht um ein typisches Biotechunternehmen, sondern um einen vertriebsorientierten Pharmaspezialisten mit zuletzt 367 Mill. Dollar Jahresumsatz und 15 Mill. Dollar Betriebsgewinn. Reliant wurde erst Ende der 90er-Jahre gegründet und hat das eigene Geschäft durch den Erwerb von Nischenprodukten von Firmen wie Eli Lilly, Abbott und Novartis aufgebaut. Hauptprodukt ist ein Medikament, das auf Omega-III-Fettsäuren basiert und gegen überhöhte Cholesterinwerte eingesetzt wird. Darüber hinaus vertreibt das Unternehmen Mittel gegen Bluthochdruck und Herz-Rhythmusstörungen.

Das Unternehmen stand unmittelbar vor einem Börsengang. Dem ist Glaxo-Smithkline nun zuvor gekommen. Die Nummer zwei der Pharmabranche muss dafür allerdings relativ tief in die Tasche greifen und zahlt immerhin mehr als das 30-Fache des Gewinns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda), etwa die Hälfte mehr als bei vergleichbaren Transaktionen im Pharmabereich. Dafür erwirbt er allerdings ein Geschäft mit derzeit sehr starkem Wachstum. In den ersten neun Monaten 2007 steigerte Reliant den Umsatz um 62 Prozent auf 341 Mill. Dollar.

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