Millionen von Jobs bedroht
Autobranche sucht Rettung bei Obama

Die leidende amerikanische Auto-Industrie sucht Hilfe bei der Politik – insbesondere bei Barack Obama. Denn die 25 Milliarden Dollar, die GM, Ford und Chrysler bisher bekommen haben, reichen nicht aus. Doch das Verhältnis zwischen den Autobossen und dem zukünftigen Präsidenten ist nicht ungetrübt.

TOKIO/NEW YORK/DÜSSELDORF. Unmittelbar nach seiner Wahl sieht sich der künftige US-Präsident Barack Obama bereits Hilfsforderungen des heimischen Autobauers General Motors ausgesetzt. Die Staatshilfen für die kriselnde Branche müssten über das bereits bestehende Kreditpaket von 25 Milliarden Dollar hinausgehen, sagte GM-Nordamerikachef Troy Clarke am Mittwoch vor Autozulieferern. Die Situation in der Branche, an der jeder zehnte Arbeitsplatz in den USA hänge, sei dramatisch.

Es werde weitere Einsparungen geben müssen. "Die bittere neue Wahrheit ist, dass es (mit den Einsparungen) nicht mehr aufhört. Die Zeiten sind vorbei, in denen man einen Plan umsetzte und danach war es gut." Die Autoindustrie stehe vor kritischen 100 Tagen. GM will am Freitag Quartalszahlen vorlegen.

Um die Bedeutung der Lage zu unterstreichen, sollten die Verantwortlichen der Branche zusammenarbeiten, sagte Clarke. "Der Einbruch beim Verbrauchervertrauen in Kombination mit den Schwierigkeiten, Kredite zu bekommen, hat in den vergangenen Monaten fast zu einem Kollaps des Automarktes geführt."

Fast zeitgleich veröffentlichte das industrienahe Center for Automotive Research eine Studie, die 2,5 Millionen Arbeitsplätze für bedroht hält, falls nur einer der drei großen US-Autobauer in Konkurs gehen sollte. Die Gefahr ist akut: GM, Ford und Chrysler steuern auf einen Finanzkollaps zu, weil ihre Fahrzeugverkäufe dramatisch einbrechen und die Konzerne im Zuge der Kreditklemme keinen Zugang mehr zu frischem Kapital haben. Aktien des Marktführers GM gingen heute erneut auf Tauchstation und drückten den Börsenwert des Dow-Jones-Schwergewichts um zeitweise 14 Prozent auf unter drei Mrd. Dollar.

Ein weiteres sichtbares Zeichen der Nervosität: Der frühere US-Finanzminister John Snow, heute Chairman des Private-Equity-Imperiums und Chrysler-Eigners Cerberus, sprach sich im Fernsehsender CNBC offen für Staatshilfen aus: Man müsse sicherstellen, „dass uns die Autoindustrie, die so einen großen Teil der Gesamtwirtschaft ausmacht, nicht in einen noch tieferen Abschwung führt“, betonte Snow.

Detroits Konzernführer pilgern geschlossen nach Washington und verhandeln mit der Sprecherin des US-Repräsentantenhauses, der Demokratin Nancy Pelosi, über die Ausweitung milliardenschwerer Staatshilfen. Zwar hat Obama im Wahlkampf versprochen, die Arbeiter der Autoindustrie nicht allein zu lassen, und Hilfen für Detroits Konzerne ganz oben auf seine Agenda gesetzt.

Ungetrübt ist das Verhältnis zwischen dem designierten US-Präsidenten und den Konzernführern der „Big Three“ jedoch nicht. Mehrfach hat Obama den Firmen in der Vergangenheit vorgeworfen, Lobbyarbeit gegen verbrauchsärmere Fahrzeuge zu betreiben und trotz anhaltender Milliardenverluste hohe Vorstandsboni auszuzahlen. Branchenexperten schließen daraus, dass Obama die heimischen Autoindustrie am Laufen halten dürfte, ohne dabei die Konzernführer und Aktionäre zu schonen.

Die US-Regierung hat erst unmittelbar zuvor den Weg für die Milliarden-Hilfen an die heimischen Autobauer endgültig frei gemacht. Sie genehmigte am Mittwoch 25 Milliarden Dollar zinsgünstiger Kredite, die vor allem den drei Autobauern General Motors, Ford und Chrysler bei der Umstellung auf verbrauchsärmere Fahrzeuge helfen sollen. Die Konzerne hatten aber angesichts einer Ausweitung ihrer Probleme in Folge der Konjunkturflaute aber bereits weitere Hilfen gefordert.

So war im Oktober der Auto-Absatz in den USA um etwa ein Drittel eingebrochen. Es wird erwartet, dass GM und Ford bei Vorlage ihrer Quartalszahlen am Freitag erneut enttäuschende Ergebnisse ausweisen werden. Zahlreiche Politiker aus der Auto-Region Detroit, dem Sitz der drei Hersteller - haben bereits Regierungshilfen auch für Zulieferer und Händler gefordert.

Zahlreiche Politiker aus der Auto-Region Detroit, dem Sitz der drei Hersteller - haben zudem bereits gefordert, die Regierung müsse die Hilfen ausweiten. Zudem müsse auch Zulieferbetrieben und Händlern geholfen werden. Die EU-Kommission hat auch der Autoindustrie in Europa günstige Kredite für Investitionen in die Produktion umweltfreundlicher Fahrzeuge in Aussicht gestellt. Die Industrie fordert ein Kreditvolumen von 40 Milliarden Euro.

Außerdem gab es für die weltweite Autobranche heute schlechte Nachrichten aus Tokio: Der japanische Autohersteller Toyota hat wegen schlechter Verkaufszahlen seinen Gewinnausblick für das laufende Jahr gesenkt. "Die Automärkte weltweit schrumpfen rapide, zumal in den entwickelten Ländern", sagte Toyota-Vizepräsident Mitsuo Kinoshita in Tokio. Einen solchen Rückgang habe er noch nicht erlebt, doch sein Unternehmen sehe dem Trend nicht tatenlos zu.

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