Minderheitsgesellschafter bereiten Klage vor
MTU wird zum Spielball der Einzelinteressen

Der Streit um den Verkauf der Daimler-Tochter MTU Friedrichshafen hat sich weiter zugespitzt. Nachdem Großaktionär Daimler-Chrysler ein Liquidationsverfahren durchsetzte, bereiten sich die Minderheitsgesellschafter auf eine Klage gegen den Konzern vor.

hz FRANKFURT/M. Der Streit um den Verkauf der Daimler-Tochter MTU Friedrichshafen hat sich weiter zugespitzt. Nachdem Großaktionär Daimler-Chrysler ein Liquidationsverfahren durchsetzte, bereiten sich die Minderheitsgesellschafter auf eine Klage gegen den Konzern vor. „Wir müssen unsere Position wahren und werden unsere Rechte wahrnehmen“, sagte MTU-Aufsichtsrat Albrecht Graf von Brandenstein-Zeppelin als Vertreter der Minderheitsaktionäre dem Handelsblatt. Ein Daimler-Sprecher betonte, der Konzern sei zuversichtlich, aus einem möglichen Rechtsstreit als Sieger hervorzugehen. Bundeskanzler Gerhard Schröder mahnte unterdessen nach einem Gespräch mit dem MTU-Betriebsrat erneut eine langfristige industrielle Lösung für die Firma an.

Ungeachtet des anhaltenden Zwists erneuerten die Gründerfamilien, die zwölf Prozent an MTU halten, ihre Gesprächsbereitschaft mit dem Autokonzern. „Wir gehen nach wie vor davon aus, konstruktiv eine Vereinbarung mit Daimler-Chrysler erzielen zu können.“ Es sei nun am Autokonzern, die „ausgestreckte Hand anzunehmen“, sagte Graf Brandenstein. Zuvor war es in mehreren Schlichtungsgesprächen indes nicht gelungen, eine Verständigung zwischen den zerstrittenen Eignern zu finden.

Der Konflikt zwischen den MTU-Gesellschaftern belastet seit Monaten den geplanten Verkauf der Daimler-Tochter, für die es zahlreiche Interessenten gibt. MTU gilt als Spezialist für große Dieselmotoren, die in Schiffen oder Baustellenfahrzeugen eingesetzt werden.

Anfang Juli war bereits der Münchener Mischkonzern MAN wegen des Hickhacks aus den Verhandlungen ausgestiegen. Das Verfahren ist kompliziert, weil alle Beteiligten, also Daimler-Chrysler und zwölf Gesellschafter aus den Familien Schmid-Maybach und von Brandenstein-Zeppelin, ein Vetorecht haben. Zum Eklat kam es schließlich, als die Familien einen Exklusivvertrag mit dem US-Finanzinvestor Carlyle abschlossen. Daimler stoppte daraufhin vorläufig den Verkauf, weil der Automobilkonzern mit mehreren Bietern verhandeln möchte.

Daimler hatte auf einer außerordentlichen Gesellschafterversammlung Ende vergangener Woche mit seiner Mehrheit von 88 Prozent gegen den Willen der Familien ein Liquidationsverfahren für MTU Friedrichshafen beschlossen, um das Unternehmen als Ganzes an einen Investor zu verkaufen. Nur Irmgard Schmid-Maybach, die weniger als ein Prozent der Anteile hält, hatte sich bei der Abstimmung enthalten. Graf von Brandenstein betonte aber, zwischen den Familienmitgliedern herrsche in dieser Angelegenheit völliges Einvernehmen.

Als so genannte Liquidatoren, die den Veräußerungsprozess leiten, wurden die MTU-Geschäftsführer von der Gesellschafterversammlung ernannt.

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