Mischkonzern mit Tempo
Evonik baut Vorstand radikal um

Wenige Wochen vor dem Wechsel an der Unternehmensspitze verkleinert der Essener Mischkonzern Evonik seine Führungsmannschaft. Wie das Handelsblatt aus Aufsichtsratskreisen erfuhr, wird die Zahl der Vorstandsmitglieder mit Jahresbeginn 2009 gleich um vier Posten reduziert.

DÜSSELDORF. Obendrein ungewöhnlich an diesem Vorgang ist, dass das Konzept für eine neue Führungsstruktur offenbar maßgeblich von Vorstandschef Werner Müller, 62, der zum Jahresende aus dem Amt scheidet, und dessen Nachfolger Klaus Engel, 52, entwickelt wurde – und selbst von den Managern mitgetragen wird, die jetzt aus dem Evonik-Vorstand ausscheiden. Außerdem soll Wolfgang Colberg, 49, zurzeit Mitglied der Geschäftsführung von BSH Bosch und Siemens Hausgeräte, neuer Vorstand für Finanzen und Controlling werden. Ein Evonik-Sprecher lehnte eine Stellungnahme ab.

Für Beobachter des Unternehmens, das aus dem ehemaligen Bergwerkskonzern RAG hervorging und mit den Geschäftsfeldern Chemie, Energie und Immobilien und 43 000 Mitarbeitern 14,4 Mrd. Euro umsetzt, ist der Schritt zu einem dreiköpfigen, reinen Holding-Vorstand nur folgerichtig. Denn durch die Vermischung von strategischen Steuerungsfunktionen und operativen Verantwortlichkeiten „liefen wichtige Entscheidungsprozesse nicht immer mit dem erforderlichen Tempo ab“, räumte ein Manager gegenüber dem Handelsblatt ein.

Ab 2009 gehören dem Evonik-Vorstand neben dem bisherigen Chemiechef Klaus Engel Personalvorstand und Arbeitsdirektor Ulrich Weber, 58, sowie Finanzvorstand Hans-Joachim Wagner, 61, an. Er werde jedoch ausscheiden, sobald BSH-Manager Colberg spätestens Mitte 2009 nach Essen wechselt, hieß es in Konzernkreisen. Das Präsidium des Evonik-Aufsichtsrats hat der neuen Führungsstruktur am Freitag in Frankfurt zugestimmt, erfuhr das Handelsblatt aus Aufsichtsratskreisen. Dem Präsidium gehören neben Aufsichtsratschef Wilhelm Bonse-Geuking, dem Vorstandschef des Evonik-Mehrheitsaktionärs RAG-Stiftung, auch Steve Koltes vom britischen Finanzinvestor CVC als Vertreter der Anteilseigner an. CVC hatte sich im Sommer für 2,4 Mrd. Euro mit einer Sperrminorität von etwas mehr als 25 Prozent an Evonik beteiligt. Zuvor war der für dieses Frühjahr geplante Börsengang wegen des schlechten Marktumfelds abgesagt worden. Nach dem positiven Votum des Präsidiums gilt die endgültige Zustimmung des Aufsichtsrats zum nächsten Treffen am 18. Dezember als Formsache.

Größter Verlierer der neuen Führungsstruktur ist nach Ansicht von Beobachtern der bisherige Chef der Stromerzeugungstochter Steag, Alfred Tacke. Der 57-jährige einstige Staatssekretär hatte in Vertretung für den damaligen Bundeswirtschaftsminister Werner Müller der kartellrechtlich umstrittenen Übernahme des Gasimporteurs Ruhrgas durch Eon zugestimmt und war Müller wenige Jahre nach dessen Ausscheiden aus dem Kabinett zur RAG gefolgt. Tacke soll sich ebenfalls Hoffnungen auf Müllers Nachfolge gemacht haben, hieß es in Essen. Mit Tacke scheiden noch der frühere Degussa-Vorstand und heutige Technik-Chef Alfred Oberholz, 56, und der bisherige Leiter des Controllings, Peter Schörner, 49, zum Jahresende aus dem Vorstand aus. Kurzfristig spart Evonik durch die Verkleinerung der Führungsspitze nichts. Die Verträge mit Restlaufzeiten bis zu zwei Jahren würden allesamt ausbezahlt, hieß es in Aufsichtsratskreisen.

Markus Hennes
Markus Hennes
Handelsblatt / Redakteur
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