Misserfolge zwangen zu Strategiewechsel – Größere Spezialisierung
Roche treibt den Umbau zum reinen Pharma-Konzern voran

Mit dem Verkauf seiner Sparte für rezeptfreie Medikamente vollzieht der schweizer Roche-Konzern den letzten großen Schritt auf dem Weg zum reinrassigen Pharma- und Diagnostik-Hersteller.

BASEL. Der Umbau des Unternehmens, der vor vier Jahren mit der Abspaltung des Aroma-Spezialisten Givaudan begann und später auch zum Verkauf der Vitamin-Sparte geführt hat, ist damit nach Angaben von Konzernchef Franz Humer weitgehend abgeschlossen.

Parallel zu den Verkäufen hat sich Roche in den vergangenen Jahren im Pharmageschäft immer stärker auf Spezialbereiche wie die Therapie von Krebserkrankungen und Virusinfektionen ausgerichtet. Das Geschäft mit Produkten für die Allgemeinmedizin, das einst mit Mitteln wie Valium eine tragende Rolle spielte, hat dagegen deutlich an Bedeutung verloren.

Der Richtungswechsel ist nicht ganz freiwillig gekommen. Vielmehr hat Humer aus der Not eine Tugend gemacht und die neue Ausrichtung zur Strategie erklärt. Misserfolge wie beim Herzmittel Posicor, das man Ende der neunziger Jahre vom Markt nehmen musste, oder auch die enttäuschenden Umsätze beim einst hochgelobten Schlankheitsmittel Orlistat haben den Konzern die neue Strategie aufgedrängt - die sich inzwischen als klarer Erfolg erweist.

Wichtigster Motor hinter dem Aufschwung bei Roche ist vor allem die US-Mehrheitsbeteiligung Genentech und deren innovative Krebsmedikamente, darunter das vor kurzem zugelassene Darmkrebsmittel Avastin. Günstige Perspektiven bieten sich darüber hinaus für eine Reihe von Biotechprodukten aus der Forschung von Roche, darunter das Hepatitismittel Pegasys und die Anämiepräparate Neorecormon und Cera. Mit Steigerungsraten von zuletzt 15 Prozent gilt der Baseler Konzern als eines der wachstumsstärksten Unternehmen unter den großen Pharmakonzernen. Analysten von Goldman Sachs rechnen für das erste Halbjahr 2004 mit einem weiteren Umsatzplus von 13 Prozent auf 11,4 Mrd. Schweizer Franken (7,5 Mrd. Euro) in der Pharmasparte und mit einer Steigerung um knapp zehn Prozent auf 2,9 Mrd. Franken im Diagnostika-Geschäft.

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