Modekonzern
Benetton will Aktionäre rauskegeln

Die Familie des italienischen Modehauses will das Parkett der Mailänder Börse verlassen und im Konzern wieder alleine das Sagen haben. Das Unternehmen plant, den Aktionären ein öffentliches Kaufangebot zu machen.
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MailandDie Familie Benetton will wieder alleine das Sagen bei dem italienischen Modekonzern haben. Das Unternehmen plane, den übrigen Aktionären, die rund 33 Prozent der Unternehmensanteile halten, ein Kaufangebot zu machen, teilte die Gruppe am Dienstag mit. Für Mittwoch wurde eine Sitzung des Führungsgremiums einberufen. Die Aktien des bekanntesten italienischen Modeherstellers, der Geschäfte in 120 Ländern unterhält, wurden vom Handel ausgesetzt. Für das abgelaufene Jahr geht das Unternehmen jetzt von einem Gewinnrückgang um 30 Prozent aus - auch für 2012 ist Benetton nicht allzu zuversichtlich.

Der Wert der Aktien, die nicht im Besitz der Familien-Holding Edizione sind, wird auf rund 200 Millionen Euro geschätzt. Vor der Aussetzung vom Handel kletterte das Papier um neun Prozent. Händler verwiesen auf einen italienischen Medienbericht, wonach der größere spanische Rivale Inditex bei Benetton einsteigen will. Der Bericht wurde umgehend von Benetton dementiert.

Offen ließ die Benetton-Familie, wann das Kaufangebot gemacht werden soll und welche Strategie damit verfolgt wird. Analysten zufolge würde die Familie freie Hand bei Unternehmensentscheidungen erhalten, ohne allzu viel dafür bezahlen zu müssen. Vergangene Woche fiel der Wert der Aktie unter drei Euro, weit entfernt von den 15 Euro, die das Papier einmal 2006 wert war.

Mangelnde Kaufkraft bei den Verbrauchern, steigende Preise und Sparmaßnahmen im Gefolge der Euro-Krise setzen dem Einzelhandel in Europa zu. In der Bekleidungsindustrie kommen für Ketten wie Benetton steigende Rohstoffpreise sowie die Auswirkungen des bislang ungewöhnlich warmen Winterwetters hinzu.

Für das vergangene Jahr rechnet Benetton nun noch mit einem Nettogewinn von knapp über 70 Millionen Euro nach 102 Millionen Euro im Vorjahr. Auch die Aussichten für das laufende Jahr werden eher skeptisch eingeschätzt. Benetton betreibt zwar rund 6400 Geschäfte in aller Welt, hängt aber vor allem vom Erfolg auf seinem Heimatmarkt ab. Gegründet wurde das Unternehmen 1965 von Luciano Benetton und seinen Geschwistern. An die Börse ging es 1986.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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