Modekonzerne
Tom Tailor treibt Expansion aggressiv voran

Der Modekonzern Tom Tailor will den deutschen Marktführern im Segment der jungen und mittelpreisigen Mode - Esprit und S’Oliver - ihre Vormachtstellung streitig machen. Bis Ende 2008 will der von einem Finanzinvestor geführte Konzern seine Präsenz im Einzelhandel durch neue Läden sowie durch eine breitere Kollektion massiv ausweiten.

HAMBURG. „In diesem und im kommenden Jahr werden wir unseren Umsatz um je 20 Prozent auf 370 Millionen Euro steigern“, sagte Vorstandschef Dieter Holzer dem Handelsblatt. Der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) soll sich von 14 Mill. Euro im Jahr 2006 auf 30 Mill. Euro in diesem Jahr erhöhen. „Wir wollen uns als Brücke zwischen Esprit und Marc O’Polo etablieren“, sagte Holzer.

Geplant ist, das eigene Ladennetz von derzeit 23 eigenen Filialen in 1-A-Lagen wie an der Düsseldorfer Königsallee bis Ende 2008 auf weltweit 73 Filialen mehr als zu verdreifachen, und durch ein neues Ladenbaukonzept qualitativ aufzuwerten. Daneben sollen weitere Franchisenehmer gefunden werden, die die Zahl der Filialen in mittleren und kleineren Städten von 234 auf 344 erhöhen sollen. Die Investitionen in Höhe von acht bis zehn Mill. Euro im laufenden Jahr und weiteren 15 bis 20 Mill. Euro im kommenden Jahr sollen komplett aus dem Cash-Flow bestritten werden. Die flüssigen Mittel beliefen sich im vergangenen Jahr auf 17 Mill. Euro und soll in diesem Jahr bei rund 26 Mill. Euro liegen. Entsprechend soll die Expansion aus eigener Kraft vorangetrieben werden. „Unsere Perspektive ist langfristig. Wir arbeiten auf einen Börsengang zu“, sagte Thomas Schlytter-Henrichsen, geschäftsführender Gesellschafter der Beteiligungsgesellschaft Alpha, dem Handelsblatt.

Die Expansionsstrategie ist für den deutschen und europäischen Modemarkt ambitioniert, und kann nur auf Kosten anderer gelingen, da auf dem Markt Verdrängungswettbewerb herrscht. Der Einzelhandelsumsatz mit Bekleidung stagniert seit Jahren. Im ersten Quartal 2007 stiegen die Umsätze nach Angaben des Statistischen Bundesamtes leicht um 2,9 Prozent. Zweistellige Zuwachsraten verzeichnen im mittleren Preissegment seit Jahren der börsennotierte Modekonzern Esprit sowie S’Oliver.

Branchenexperte Alfred Haar von der Unternehmensberatung Hachmeister ist jedoch optimistisch: „Die Chancen für Tom Tailor, sich in der gehobenen Mitte zu positionieren, sind gut.“ Allerdings dürfe sich Tom Tailor keine Ausflüge mehr in das untere Preissegment erlauben wie 2004 durch die Kooperation mit der Schweizer Genossenschaft Migros.

Tom Tailor gehört seit Februar 2005 mit 57 Prozent mehrheitlich der Beteiligungsgesellschaft Alpha, die seit vergangenem Jahr auch die Hemdenmarke Eterna aus Passau vorantreibt. Der im Jahr 1962 gegründete Modekonzern Tom Tailor hat sich unter dem Einfluss des Finanzinvestors professionalisiert und ist heute straffer organisiert. Neuer alleiniger Geschäftsführer ist seit vergangenem September Dieter Holzer, der von Tommy Hilfiger abgeworben wurde und fünf Prozent der Anteile hält. Sein Vorgänger war der Mitgründer von Tom Tailor, Uwe Schröder. Der 65-Jährige hält mit der Investmentgesellschaft Morgan Finance noch 38 Prozent der Anteile.

Seit seinem Amtsantritt hat Holzer die Struktur umgestellt. Der Modekonzern ist jetzt in sechs Divisionen unterteilt, um schneller auf Modetrends reagieren zu können: Herren-, Damen-, Kindermode, zwei junge Linien sowie Lizenzen. Zwölf Kollektionen gibt es pro Jahr. Auch der Vertrieb wird reorganisiert. Eigene Büros werden in Deutschland die freien Handelsvertreter ersetzen. In der Produktion wurde die Komplexität reduziert. Die Zahl der Lieferanten in Osteuropa und Asien – Tom Tailor unterhält keine eigenen Produktionsstätten mehr – wurde auf 120 halbiert.

Tanja Kewes
Tanja Kewes
Handelsblatt / Chefreporterin
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