Mögliche Milliardeninvestition
Volkswagen will bei Suzuki einsteigen

Volkswagen setzt seine milliardenschwere Einkaufstour fort: Die Wolfsburger stehen offenbar kurz vor dem Einstieg beim japanischen Kleinwagenbauer Suzuki. Im Gespräch soll ein Anteil von 20 Prozent sein. Die Beteiligung wäre für Volkswagen von großer strategischer Bedeutung.
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FRANKFURT. Einen Tag nach dem Einstieg bei Porsche bahnt sich im Volkswagen-Konzern offenbar schon die nächste Beteiligung an. Wie das Handelsblatt aus Finanzkreisen erfuhr, prüfen die Wolfsburger, Anteile beim viertgrößten japanischen Autobauer Suzuki zu erwerben. „Es gibt noch keine finale Lösung, aber man steht kurz davor“, sagte ein Insider.

Volkswagen sei bereit, für das Engagement bei den Japanern rund 1,5 bis 1,7 Mrd. Euro auszugeben. Das Geld könne aus der ohnehin geplanten Kapitalerhöhung fließen. Diskutiert werde eine stufenweise Beteiligung bis zu 20 Prozent, auch eine spätere Sperrminorität komme infrage. „Strategisch ist das ein sehr guter Deal“, zumal VW damit erhebliche Synergien erzielen könne, sagte ein Beteiligter. Zugleich verstärke man die Präsenz im Wachstumsmarkt Asien und baue die Produktplattform aus. „VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch macht das, was dem früheren Daimlerchef Jürgen Schrempp nicht gelungen ist“, hieß es. VW und Suzuki lehnten eine Stellungnahme ab.

VW-Aufsichtsratschef Piëch hatte bereits im Oktober signalisiert, dass der Volkswagen-Konzern nach der Integration von Porsche die Aufnahme von zwei weiteren Marken in den Verbund anstrebe. Die Zahl zwölf sei doch viel schöner, meinte Piëch noch am Rande der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt. Nummer elf, das ist bekannt, könnte der Lkw-Bauer MAN werden.

Die Zwölf, so sieht es aus, kommt dagegen aus Japan. Suzuki sei eine für VW interessante, „waschechte Marke“, befeuerte der VW-Patriarch zuletzt entsprechende Spekulationen. Einige Monate zuvor hatte er öffentlich gelobt, die Japaner bauten kleine Autos zu günstigen Preisen mit hoher Qualität. Suzuki baut vor allem Klein- und Geländewagen sowie Motorräder. Allerdings hatte Suzuki-Vorstandschef Osamu Suzuki noch Anfang November den Wolfsburgern öffentlich die kalte Schulter gezeigt.

VW will sich an Suzuki beteiligen, um die eigene Schwäche auf Wachstumsmärkten wie Indien und Südostasien auszugleichen. Piëch schätzt die technologische Stärke der Marke. Der Suzuki Swift gilt in Wolfsburg als gelungenes Beispiel für ein weltweit zu unterschiedlichen Preisen und Ausstattungsqualitäten erfolgreiches Auto. Konzernkreisen zufolge will Volkswagen vorerst an Suzuki eine Minderheitsbeteiligung erwerben. Allerdings gibt es weitere Interessenten wie den französischen Hersteller Renault. Suzuki hatte wegen guter Geschäfte in Indien seine Gewinnprognose für das bis Ende März dauernde Geschäftsjahr jüngst vervierfacht. Operativ rechnet der Konzern nun mit einem Überschuss von 40 Mrd. Yen (300 Mio. Euro) statt zehn Mrd. Yen.

Mit Suzuki als Partner könnte VW sein Angebot im Kleinstwagenbereich abrunden. Die Japaner bieten außerdem einen guten Zugang zum wachsenden indischen Markt, wo das Unternehmen stark vertreten ist. Für die Japaner wiederum wären die Dieselmotoren von VW interessant. Der ehemalige Suzuki-Partner General Motors hatte seinen Anteil von 20 Prozent an Suzuki in den Jahren 2006 bis 2008 an den japanischen Autobauer zurückgegeben, der sie nun als eigene Aktien hält. Mit den Wolfsburgern solle nun „eine Art Technologie-Transfer-Übereinkunft geschlossen werden“, sagte ein Insider. VW interessiert sich Kreisen zufolge besonders für die kleinen Modellplattformen von Suzuki, da der Konzern hier Nachholbedarf sieht.

VW-Boss Martin Winterkorn forciert damit den Ausbau des Wolfsburger Autokonzerns, der bis 2018 den japanischen Branchenprimus Toyota an der Weltspitze ablösen will. Mit einer Suzuki-Übernahme wäre das Ziel sofort erreicht. Piëch strebt einen Mega-Konzern an, der vom sparsamen Kleinstwagen bis zum Schwerlaster alles im Angebot haben soll.

Europas größter Autobauer hatte erst Anfang der Woche Fakten für den geplanten Zusammenschluss mit Porsche geschaffen. Der Konzern beteiligte sich wie angekündigt in einem ersten Schritt mit 49,9 Prozent an der Porsche AG, in der das Sportwagengeschäft der Stuttgarter geführt wird. Den Preis von 3,9 Mrd. Euro zahlte VW nach eigenen Angaben aus den Barmitteln. Ende September verfügte der Konzern dank weltweit guter Geschäfte über eine mit 13,4 Mrd. Euro gefüllte Konzernkasse.

VW hatte sich vergangene Woche von seinen Aktionären grünes Licht für die Ausgabe von bis zu 135 Mio. Vorzugsaktien bis zum Jahr 2014 geholt, um den in mehreren Stufen geplanten Zusammenschluss zu finanzieren. Die neuen Papiere sollen in der ersten Jahreshälfte 2010 ausgegeben werden. Durch die Ausgabe von stimmrechtslosen Vorzugspapieren soll das fein austarierte Machtverhältnis zwischen den Stammaktionären nicht angetastet werden.

Bei maximaler Ausschöpfung der Ermächtigung durch die Aktionäre könnte VW zu aktuellen Kursen mit der Kapitalmaßnahme 8,7 Mrd. Euro einsammeln. Die Unternehmensberatung Deloitte geht davon aus, dass im Jahr 2020 nur noch zehn Hersteller 90 Prozent des Weltmarkts abdecken. Derzeit sind es fast doppelt so viele.

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