Nach 23 Jahren
Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo tritt zurück

Wechsel an der Spitze von Ferrari: Präsident Luca di Montezemolo erklärt seinen Rücktritt. Er scheint den Machtkampf mit Fiat-Geschäftsführer Marchionne verloren zu haben. Der will den Sportwagenbauer nun zähmen.
  • 0

DüsseldorfNoch am Samstag hatte Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo die Spekulationen über seine Rücktritt ins Reich der Fabeln verwiesen. Ein „übertriebener Wirbel“ seien die Gerüchte, hatte Montezemolo entsprechende Berichte kommentiert. Nur drei Tage später lässt er die Bombe platzen: nach 23 Jahren wird der 67-Jährige Mitte Oktober an der Spitze der Scuderia abtreten. Seine Nachfolge soll der Fiat-Vorsitzende Sergio Marchionne übernehmen. Das gab die Ferrari-Mutter am Mittwochmorgen bekannt.

Es scheint als hätte die Ferrari-Ikone den Machtkampf mit dem Fiat-Chef verloren. Der hatte sich zuletzt über die schwachen Leistungen des hauseigenen Rennstalls mokiert. Seit 16 Monaten wartet Ferrari in der Formel 1 auf einen Sieg - und das obwohl mit Fernando Alonso und Kimi Räikkönen zwei Weltmeister in den eigenen Reihen stehen. Einen Fahrertitel konnte der legendäre Rennwagenbauer zuletzt 2007 einfahren. Die Blamage beim Großen Preis von Italien am Sonntag in Monza scheint Montezemolo nun seinen Posten zu kosten. Alonso schied aus, Räikkönen holte als Neunter nur zwei Punkte.

Am Sonntag gab Fiat-Geschäftsführer Sergio Marchionne dem Ferrari-Präsidenten bereits eine deutliche Warnung mit auf den Weg. Nachdem er betont hatte, dass ein Wechsel auf dem Präsidentenposten momentan nicht auf der Agenda stehe, schob Marchionne den Halbsatz nach „aber niemand ist unverzichtbar“. Für Ferrari sei es wichtig zu gewinnen, und zwar nicht nur in wirtschaftlicher Hinsicht, sondern auch sportlich, betonte Marchionne. „Und da fehlt uns schon seit sechs Jahren der Erfolg.“

Dabei fallen auch etliche Weltmeistertitel unter die Ägide von Montezemolo. Er war es, der einst Jean Todt und Michael Schumacher zu Ferrari geholt hatte.

Er war es auch, der den Autobauer geprägt hat, wie sonst wohl nur Enzo Ferrari selbst. Bereits 1977 kam der studierte Jurist zu Ferrari, übernahm später die Kommunikation für den Fiat-Konzern. 1991 steigt er zum Präsidenten des Sportwagen-Herstellers auf, und als Fiat im Jahr eine seiner schwersten Krisen durchmachte und die Gründerfamilie sowohl Gianni als auch Umberto Agnelli verlor, ernannte man ihn gar zum Präsidenten des gesamten Konzerns.

Seine wirtschaftliche Bilanz kann sich sehen lassen: Trotz eines Rückgangs bei den verkauften Ferraris konnte der Sportwagenbauer im vergangenen Jahr den Rekordgewinn von 2012 nochmals überbieten. 2,3 Milliarden Euro Umsatz und 246 Millionen Euro Gewinn sind die besten Werte der traditionsreichen Unternehmensgeschichte. „In den vergangenen 15 Jahren haben wir in jedem Jahr mehr Autos verkauft als im vorangegangenen“, hatte Montezemolo noch im März im Gespräch mit Handelsblatt Online auf dem Autosalon in Genf betont. Das liegt vor allem daran, dass der Sportwagenbauer in Märkten wie China oder den arabischen Emiraten an Beliebtheit gewinnt. „Wir haben in dieser Zeit sehr viele unserer Autos auf den Weltmarkt gebracht.“ Die sportliche Begründung für seine Rücktritt dürfte darum nur ein Teil der Wahrheit sein.

Seite 1:

Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo tritt zurück

Seite 2:

Das aufbäumende Pferdchen an der Leine

Kommentare zu " Nach 23 Jahren: Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo tritt zurück"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%