Nach drastischer Restrukturierung
Die Tata-Gruppe sucht Wachstum im Ausland

Kein Konzern verdeutlicht Indiens Aufstieg ins Rampenlicht der wirtschaftlichen Weltbühne besser als die Tata-Gruppe. Das traditionsreichste Industrie-Konglomerat des Landes erwirtschaftet 17,6 Mrd. Dollar Umsatz und hat sich auf eine Einkaufstour ins Ausland aufgemacht, die den Namen auch im Westen bekannt gemacht hat.

BOMBAY. Anfang des Monats etwa übernahm Tatas Festnetztochter VSNL das weltumspannende Datennetz der in Bermuda beheimateten Telekomfirma Teleglobe für 239 Mill. Dollar. Der Kauf der Nutzfahrzeugsparte von Daewoo und des spanischen Busherstellers Hispano Carrocera verschafften Tata Motors Zugang zu moderner Technologie. Und Tatas Teesparte gelang mit der Übernahme der britischen Tetley Tea für 432 Mill. Dollar Indiens bislang größte Auslandsakquisition – erstmals fiel eine führende westliche Marke in indische Hände. Für weitere Zukäufe kann Tata Tea eine Mrd. Dollar ausgeben.

Mit der Expansion in neue Märkte will Ratan Tata, der rastlose Chairman der Holding Tata Sons, das Konglomerat gegen Konjunkturschwankungen auf dem Heimatmarkt absichern. Dort seien viele Tata-Firmen so dominant, dass sie kaum noch Marktanteile gewinnen können. „Wir müssen daher im Ausland expandieren“, sagt Tata. Aber „Globalisierung“ ist ihm dafür ein zu großes Wort: „Wir wollen in ausgesuchten Schwellenländern wachsen, wo wir Chancen auf eine starke Marktposition haben.“

Bevor die Internationalisierung möglich wurde, hat Tata die Gruppe in den vergangenen 15 Jahren so umgebaut, dass sie kaum wiederzuerkennen ist. „1991 wurde ich Chairman eines losen Zusammenschlusses halbautonomer Firmen“, erinnert er sich. An vielen war die Holding nur mit ein paar Prozent beteiligt. Indien hatte sich im selben Jahr der Marktwirtschaft geöffnet, aber der schläfrige Konzern war auf Wettbewerb nicht eingestellt. „Er war selbstgefällig, widersetzte sich dem Wandel und hatte Jahrzehnte in einem kontrollierten Verkäufer-Markt gewirtschaftet.“

Vor allem produzierten die rund 300 Tata-Firmen von Kosmetik über Langspielplatten, Seife, Software und Zement bis zu LKWs fast alles, und viele waren ertragsschwach. Der neue Chairman verordnete einen harten Restrukturierungskurs und konzentrierte die Gruppe auf sieben Kernfelder. An deren Firmen hält die Holding nun zumindest eine Sperrminorität von 26 Prozent. Bei den wichtigsten Töchtern Tata Motors, Tata Steel und Tata Consultancy Services (TCS) sind es weit über die Hälfte der Anteile. 2,3 Mrd. Dollar Umsatz machen TCS zu Asiens größtem Softwarehaus. Mit satten Margen aus dem Outsourcing-Geschäft, das im Vorjahr 500 Mill. Dollar Reingewinn erwirtschaftete und in Europa besonders schnell wächst, finanziert die Gruppe einen großen Teil ihrer Expansion. 1,2 Mrd. Dollar schwemmte 2004 der Börsengang von TCS in die Kasse – Indiens bislang größter.

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