Nach gescheiterter Fusion
EADS-Verwaltungsrat stellt sich hinter Enders

EADS-Chef Thomas Enders ist es nicht gelungen, die Politik von seinen Fusionsplänen mit BAE zu überzeugen. Dafür wird der Konzernchef nun öffentlich angegriffen. Doch der EADS-Verwaltungsrat gibt ihm Rückendeckung.
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Berlin/ParisEinen Tag nach dem Scheitern der geplanten Fusion der europäischen Luftfahrt- und Rüstungskonzerne EADS und BAE Systems hat der EADS-Verwaltungsrat Konzernchef Tom Enders das Vertrauen ausgesprochen. Die Mitglieder des Verwaltungsrates hätten sich bei einer Sitzung "zufrieden" darüber geäußert, dass Enders versucht habe, das vor fünf Jahren beschlossene Strategieprojekt Vision 2020 umzusetzen, erklärte ein Unternehmenssprecher am Donnerstag. Der Verwaltungsrat habe Enders erneut seine "volle Unterstützung" zugesichert.

EADS und BAE Systems hatten am Mittwoch ihr Vorhaben aufgeben müssen, zum größten Rüstungsunternehmen der Welt zu fusionieren. Insbesondere Deutschland soll laut Insidern eine Fusion blockiert haben, was Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) aber zurückwies. Die Fusionsverhandlungen waren von einem Streit zwischen Deutschland, Frankreich und Großbritannien unter anderem über staatliche Beteiligungen blockiert worden.

Enders schrieb am Mittwoch in einem Brief an die EADS-Mitarbeiter, eine Fusion mit BAE Systems hätte in Einklang mit der Vision 2020 gestanden. In dem Brief machte auch Enders in erster Linie Berlin für ein Scheitern der Fusion verantwortlich.

In Berlin wird dieser Vorwurf scharf kritisiert. „EADS-Chef Tom Enders muss sich an die eigene Nase fassen,“ sagte Martin Lindner, wirtschaftspolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion dem Handelsblatt (Freitagausgabe).

Die Fusion sei einfach schlecht vorbereitet gewesen. „EADS ist mit seiner Rüstungssparte kein Unternehmen wie jedes andere. Da muss der Staat ein Auge darauf haben, auch wenn das einem Manager nicht passt“, sagte Lindner. EADS habe staatliche Anteilseigner und zuhauf Kunden wie Fluggesellschaften oder aus der Luft- und Raumfahrtindustrie, die in staatlicher Hand seien. „Wenn einem da die Politik lästig ist, muss man sich überlegen, ob man an der richtigen Stelle arbeitet“, sagte Lindner.

Der FDP-Politiker fordert Enders nach der geplatzten Fusion auf, die Hochtechnologie nicht aus Deutschland abzuziehen. „Enders soll eine überzeugende Strategie vorstellen, bei der die Technologie vor allem im Wehrbereich in Deutschland verbleibt. Dann mache ich mir um die Zukunft des Unternehmens keine Sorgen“, sagte Lindner.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Der Autor ist Ressortleiter Wirtschaft und Politik.
Thomas Sigmund
Handelsblatt / Ressortleiter Politik und Leiter des Hauptstadtbüros

Kommentare zu " Nach gescheiterter Fusion: EADS-Verwaltungsrat stellt sich hinter Enders"

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  • Enders soll eine überzeugende Strategie vorstellen, bei der die Technologie vor allem im Wehrbereich in Deutschland verbleibt. Dann mache ich mir um die Zukunft des Unternehmens keine Sorgen“, sagte Lindner.

    Wer ist eigentlich Herr Lindner, mit diesem Statement zugunsten des Wehrbereiches, bleibt die zivile Seite ungedeckt. Dort wird Geld verdient.

    Diese Doppelzüngigkeit macht es so schwierig mit Politikern umzugehen.

  • Der König ist tot! Es lebe der König!
    L' etat ce moi ...oder wie man bei der ENA besser sagt,
    gut ist nur was Frankreich nützt!
    Ein Deutscher im Dienst Frankreichs, voila'. Merci!
    Et aurevoir!

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