Nach gescheiterter Harman-Übernahme
Finanzinvestoren unter Druck

Die sicher geglaubte Acht-Milliarden-Dollar-Übernahme des US-Elektronikkonzerns Harman durch Finanzinvestoren ist geplatzt. Die beteiligten Unternehmen stritten Zusammenhänge mit der Kreditkrise zwar ab – trotzdem dürfte der Fall das Ansehen der angeschlagenen Branche weiter beschädigen.

HB NEW YORK. Erstmals seit Beginn der Welle großer Firmenkäufe durch Finanzinvestoren vor rund zwei Jahren haben Beteiligungsgesellschaften ein bereits vereinbartes Milliardengeschäft platzen lassen. Kohlberg Kravis Roberts und die Beteiligungskapital-Tochter von Goldman Sachs kündigten die sicher geglaubte Übernahme des US-Elektronikkonzerns Harman auf, wie dieser am Freitag mitteilte. Die Harman-Aktie brach nach dem Scheitern des Acht-Milliarden-Dollar-Geschäfts um über 24 Prozent ein.

Die Absage ist ein weiterer herber Rückschlag für die Branche der Beteiligungsgesellschaften, die derzeit von Finanzierungsproblemen gebeutelt wird. Die Harman-Übernahme scheiterte indes offenbar nicht an mangelnden finanziellen Mitteln der Käufer: Harman zufolge haben KKR und Goldman Sachs eine erhebliche Verschlechterung der Vermögenslage seit Vertragsabschluss ausgemacht und erklärt, der Hersteller von HiFi- und Heimkinogeräten habe damit den Fusionsvertrag gebrochen. Harman bestritt dies und erklärte, seine Vermögensverhältnisse hätten sich seit Vertragsunterzeichnung nicht maßgeblich verschlechtert.

Nach Einschätzung von Analysten hat Harman mit deutlich gestiegenen Lagerbeständen zu kämpfen. Im Februar seien sie 40 um Prozent angewachsen. Dies beeinträchtige den Cash-Flow massiv. „Der Konzern muss dann entweder die Produktion zurückfahren oder die Preise reduzieren, sonst verharren die Lagerbestände auf hohem Niveau“, sagte die Analystin Alisa Guyer Gamperin von der RiskMetrics Group. Zudem herrscht Händlern zufolge Unsicherheit über die Zukunft der Geschäftsbeziehung mit DaimlerChrysler, einem wichtige Umsatzbringer für Harman. Chrysler war kürzlich von dem Finanzinvestor Cerberus übernommen worden.

Mit dem Scheitern des im April vereinbarten Geschäfts wird eine Vertragsstrafe in Höhe von 225 Millionen Dollar fällig. Dass sich Finanzinvestoren aus einem bereits fortgeschrittenen Geschäft zurückziehen, beschädigt nach Ansicht von Marktbeobachtern das Vertrauen in die Branche weiter.

Finanzinvestoren tun sich zunehmend schwer, die oft mit geliehenem Geld finanzierten Übernahmen zu stemmen, da sich die Kreditaufnahme im Zuge der US-Immobilienkrise deutlich verteuert hat. Weil sich die Geldinstitute gegenseitig misstrauen, leihen sie sich gegenseitig kein Geld mehr oder nur zu deutlich höheren Preisen. Das Fusionskarussell hat sich in der Folge deutlich verlangsamt; mehrere Übernahmen stehen wegen der derzeitigen Probleme bei der Kreditbeschaffung auf der Kippe.

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