Nach Swiss Steel gelingt dem Familienunternehmen zweite große Übernahme
Schmolz+Bickenbach kauft Thyssen-Krupp-Tochter

Die Düsseldorfer Unternehmensgruppe Schmolz + Bickenbach (S+B) übernimmt zum 1. Oktober 2004 die Krupp Edelstahlprofile GmbH (KEP) in Siegen. Der größte deutsche Stahlhersteller Thyssen-Krupp setzt damit die Fokussierung auf Flachstahl fort.

DÜSSELDORF. Der Profilstahlhersteller KEP stand seit gut einem Jahr auf der Verkaufsliste des Konzerns. KEP hat im abgelaufenen Geschäftsjahr 2003/2004 (30. September) mit 1 300 Mitarbeitern 370 Mill. Euro umgesetzt. Der Zulieferer für die Automobil- , Schmiede- und Maschinenbauindustrie erzielte einen operativen Gewinn , heißt es in Verhandlungskreisen. Über den Kaufpreis haben beide Seiten Stillschweigen vereinbart. Das Bundeskartellamt hat den Verkauf ohne Auflagen freigegeben.

„Mit dem Kauf von KEP können wir die Wertschöpfung in der Gruppe weiter steigern“, sagte der Vorsitzende der S + B-Geschäftsführung, Benedikt Niemeyer, dem Handelsblatt. Für das Familienunternehmen ist dies bereits die zweite spektakuläre Übernahme innerhalb von 18 Monaten. Ende Mai 2003 hatte S + B – zum aus heutiger Sicht günstigen Preis von 10,8 Mill. Schweizer Franken (8,4 Mill. Euro) – die börsennotierte Swiss Steel AG von den Schweizer Großbanken Credit Suisse und UBS mehrheitlich übernommen. Der Zukauf machte sich bereits im Jahr der Übernahme bezahlt, denn Swiss Steel erzielte 2003 mit mehr als 20 Mill. Franken ein Rekordergebnis. Auch 2004 profitiert der einzige Stahlhersteller des Landes vom Boom in der Branche. Im ersten Halbjahr erreichte der Gewinn 16 Mill. Franken.

Die S + B-Gruppe ist ein Hersteller und Händler hochwertiger Stähle. „Unsere Strategie zielt darauf ab, den Anteil der Eigenproduktion zu erhöhen und die Kapazitäten in den Stahlwerken besser auszulasten“, erklärte Niemeyer. Dies habe bei Swiss Steel funktioniert und soll es nun auch bei KEP, hofft der S + B-Chef. Die KEP-Kapazitäten von 600 000 Tonnen waren zuletzt nur zu drei Vierteln ausgelastet.

Mit KEP erreicht der Umsatz der europaweit tätigen S + B-Gruppe jetzt 2,2 Mrd. Euro. 2002 lag er noch bei 850 Mill. Euro. Die Zahl der Mitarbeiter hat sich mit 4 800 gegenüber damals fast verdoppelt. „Wir denken aber nicht an Personalabbau“, betonte Niemeyer. Die Finanzierung der KEP-Übernahme wird geteilt. Die Tochter Swiss Steel bezahlt 25 Prozent der Anteile aus dem Cash Flow. Woher die Mutter das Geld nimmt verrät Niemeyer nicht: „Das ist ein Betriebsgeheimnis.“

Markus Hennes
Markus Hennes
Handelsblatt / Redakteur
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