Nach Übernahme durch Investor
Preisfrage bei Märklin

Jetzt, da die Investorengruppe Kingsbridge Capital das Traditionsunternehmen Märklin übernommen und die Rettung des Unternehmens zugesagt hat, atmen die Freunde von Märklin-Bahnen europaweit auf. Doch richtet sich das Hauptinteresse der Modellbahner immer noch auf das Thema Preise.

HB GÖPPINGEN. Mit großer Sorge hatten viele deutsche Modellbahner in den vergangenen Wochen nach Göppingen geblickt. In Clubs und unter einzelnen Miniatureisenbahnern ging die bange Frage um: Wohin steuert Märklin, was wird aus dem Traditionsunternehmen, wenn es von der Investorengruppe Kingsbridge Capital übernommen wird. Jetzt, da der neue Investor aus London, seine Unterschrift zur Rettung des Unternehmens geleistet hat, atmen die Freunde von Märklin-Bahnen europaweit etwas auf. „Das Unternehmen scheint gerettet“, sagt ein Stuttgarter Märklin-Fan.

Die Frage ist nun, wie der Investor die das Problem der hohen Preise lösen kann. Wird der neue Besitzer Lokomotiven, Wagen, Schienenmaterial und Zubehör künftig preiswerter anbieten können - und wenn ja, wie?

In den vergangenen Jahren hat es nicht nur bei Märklin ständige Preissprünge nach oben und finanzielle Probleme gegeben. Dies galt unter anderem auch für die Modellbahnfirmen Roco (Österreich), Lima und Rivarossi (Italien) und Jouef (Frankreich), alle mit relativ hohem Marktanteil in Deutschland in allen Spurweiten von Z bis I wurden die kleinen Fahrzeuge teurer und für so manchen Modellbahner nicht mehr zu bezahlen. Welcher Vater kann seinem Sohn schon eine Modellbahn-Anfangspackung zum Preis von 700 Euro schenken, ganz davon abgesehen, dass es kaum noch junge Menschen gibt, die sich dem Modelleisenbahn-Bau widmen wollen. Darum wird immer mehr auf Börsen und Spielzeugmärkten zum einen nach besonderen Sammlerstücken und zum andern nach preiswerten gebrauchten zumeist „rollendem Material“ Ausschau gehalten. Doch die Investoren haben am Freitag zugesagt, alles daran zu setzen, die Marke Märklin wieder mehr an junge Leute heranzuführen.

Rolf Theurer, der europaweit in Böblingen die größten Spielzeugmärkte betreibt und ständig auf nationalen und internationalen Messen vertreten ist, kann diesen Trend nur bestätigen. Er betrachtet wie einige seiner Kollegen das Thema Märklin gelassen. Die Übernahme durch den neuen Investor dürfte das Modellbahngefüge nur unwesentlich beeinflussen. Allerdings werde Märklin wahrscheinlich nicht darum herumkommen, seine Produktpalette zu reduzieren, ist sich der 65-Jährige sicher. Eine Frage nach Ersatzteilen stellt sich für ihn nicht. Nachdem Märklin schon seit langem keine Ersatzteile früherer Jahre produziert, hat Theuer Fachkräfte an der Hand, die jedes Ersatzteil fertigen können - und dies für Modelle bis ins Jahr 1900 zurück. Ähnliches gilt für Ersatzteile anderer Modellbahn-Hersteller.

Die meisten Modellbahner sehen die hohen Preise auch als Folge eigener Ansprüche. Wer nur auf digital gesteuerte Modelle und Anlagen und nur auf hundertprozentige Wiedergabe vom Original schwört, der darf sich nicht wundern, wenn Hersteller darauf eingehen und entsprechend mehr Geld verlangen: etwa wenn die Nietenzahl am Modellbahn-Tender völlig mit der großen Original-Bahn übereinstimmen muss. Oder wenn es digital möglich ist, über 1000 Adressen Lokomotiven zu steuern und bei ihnen etwa Licht und Rauch ein- und auszuschalten. Ganz abgesehen vom Fahren mit Geräusch, wenn Lokomotiven über kleine Lautsprecher aus ihrem Inneren heraus pfeifen, fauchen, rattern und schnaufen. Alle diese Wünsche in die Tat umgesetzt, kosten Geld

Auf der anderen Seite stehen die Praktiker, jene Modellbahner, bei denen es rollen muss, die nicht über den Computer ihre Anlage betreiben, sondern noch per Hand und Knopfdruck Weichenstraßen stellen sowie Wagen und Lokomotiven an- und abkuppeln. Diese Miniaturbahner wollen keine digitalen Fahrgeräusche in ihrem Modellbahnkeller - wenn eine Lokomotive raucht, dann eben solange bis das Rauchöl im Schornstein der kleinen Dampflokomotive verbraucht ist. Und ihr Argument gegen ausufernden digitalen Betrieb: Wenn auf einer etwa 16 Quadratmeter großen Anlage mehr als fünf Züge gleichzeitig fahren, sind diese Züge ohnehin nicht ohne Unfälle einzeln digital zu steuern, sondern müssen über Blocksysteme gelenkt werden - der Mensch hat eh nur zwei Hände.

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