Nachgefragt: Erwin Teufel
Teufel: „Alle müssen länger arbeiten“

Der Streit zwischen Industrie und Gewerkschaften zieht immer größere Kreise. Erwin Teufel, Ministerpräsident des Landes Baden-Würtemberg, stellte sich den Fragen von Thomas Sigmund und erklärte, dass längere Arbeitszeiten besser als Lohnverzicht seien.

Herr Ministerpräsident, Mercedes-Chef Hubbert spricht von der „baden-württembergischen Krankheit“. Ist der Standort wirklich so schlecht?

Der Industriestandort Baden- Württemberg ist hervorragend, das zeigt bereits die Tatsache, dass wir in Deutschland die niedrigste Arbeitslosenquote haben. Trotzdem bedarf es Anstrengungen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Ein wesentlicher Kostenfaktor sind die mit den Gewerkschaften ausgehandelten Löhne und Arbeitszeiten. Eine „baden-württembergische Krankheit“ sind allenfalls die vor 30 Jahren festgelegten Steinkühler-Regelungen. Ich bin der Ansicht, dass es eher zumutbar ist, etwas länger zu arbeiten, als auf Lohn zu verzichten. Unternehmen und Beschäftigte vor Ort sowie Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften in der Fläche müssen gemeinsam Lösungen finden, um die Arbeitsplätze im Land wettbewerbsfähig zu halten.

Die Bremer arbeiten aber doch deutlich länger. Was antworten Sie den Unternehmen auf dieses Argument?

Klar ist für mich generell: Wegen der demographischen Entwicklung müssen wir mehr und länger arbeiten! Wir brauchen ein klares Bekenntnis für eine längere Wochenarbeitszeit, eine längere Jahresarbeitszeit und eine längere Lebensarbeitszeit. In welcher Form das dann jeweils umgesetzt wird, sollte möglichst wenig vorgeschrieben werden. Wir brauchen flexible Lösungen, und zwar sowohl für die Arbeitgeber als auch für die Arbeitnehmer.

Was halten Sie von dem Vorschlag, Feiertage zu streichen?

Feiertage sind ein Teil unserer christlich-abendländischen Kultur. Sie dürften deshalb nicht einfach zur Disposition gestellt werden. Ich trete deshalb dafür ein, dass die Wirtschaft in dieser Frage den Dialog mit den Kirchen sucht, um eine tragfähige Lösung zu finden.

Sind die Sparpläne von Daimler-Chrysler aus Ihrer Sicht gerecht?

Wenn das Unternehmen mitteilt, dass die Verlagerung von Arbeitsplätzen durch Kostensenkungen in Deutschland und am Standort Baden-Württemberg vermieden werden kann, müssen alle Beteiligten an einem Strang ziehen, um die Arbeitsplätze zu erhalten. Nichts wäre schlimmer, als wenn bei uns 6 000 Arbeitsplätze verloren gingen.

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