Neue Kostenprognose gefährdet Rettungsplan
Alstom-Sanierung wird deutlich teurer

Die Sanierung des angeschlagenen französischen Industriekonzerns Alstom wird erheblich teurer als erwartet. Damit ist der Rettungsplan des vergangenen Jahres wieder in Frage gestellt

HB PARIS. Mit der Ankündigung schockte Alstom am Mittwoch die Anleger und löste einen Kursrutsch der Aktien um zeitweise fast 20 % aus. Händler sprachen von der Gefahr einer erneuten Vertrauenskrise.

Der Hersteller von TGV-Hochgeschwindigkeitszügen, Kreuzfahrtschiffen und Gasturbinen erwartet nun Aufwendungen für die Umstrukturierung für das laufende Geschäftsjahr bis zum 31. März von 650 Mill. €. Die bisherige Schätzung belief sich auf 450 Mill. bis 500 Mill. €. Auch bei einer wichtigen Kenngröße für die Liquidität - dem Cash-Flow - geht die Industriegruppe mittlerweile von schlechteren Zahlen aus. Wenn diese Prognosen einträfen, müsse Alstom das im vergangenen Jahr vereinbarte Rettungspaket mit den Gläubigerbanken neu verhandeln, erklärte das Unternehmen. Analysten äußerten sich besorgt über die langfristigen Aussichten für den Konzern, hielten einen Ausstieg der Banken aber für unwahrscheinlich.

Sonderbelastungen seien auch wegen Verzögerungen bei Aufträgen in den USA zu erwarten, hieß es in der Konzernmitteilung weiter. Wenn diese trüberen Prognosen im Jahresergebnis bestätigt würden, werde es nötig, mit Zustimmung der Gläubigerbanken die Vereinbarungen aus dem vergangenen Jahr anzupassen. Alstom war im September dank eines staatlich unterstützten Rettungspaketes in Höhe von 4,7 Mrd. € nur knapp dem Bankrott entgangen. Technische Probleme im Gasturbinengeschäft hatten den Konzern in existenzielle Finanznöte gebracht.

Die Alstom-Aktien konnten zuletzt jedoch zulegen, nachdem sie von Analysten heraufgestuft worden waren und sich eine Erholung der Stromsparte des Konzerns abgezeichnet hatte. Doch die neue Kostenprognose bescherte den Titeln am Mittwoch an der Pariser Börse einen Kurseinbruch. Zeitweise notierten sie 18 % tiefer bei 1,80 €. Am Nachmittag lagen sie noch mit knapp 13 % im Minus bei 1,92 €. „Sie taumeln einfach von einer Krise zur nächsten bis sie dies in Ordnung gebracht haben“, sagte ein Analyst in London.

Branchenexperten zufolge ist auch eine weitere Kapitalerhöhung nun fraglich. „Das hat eindeutig ihre Glaubwürdigkeit beschädigt und Investoren werden sich fragen, ob eine weitere Kapitalerhöhung oder die Emission einer Wandelanleihe zu erwarten ist“, sagte ein Experte. „Sie stehen auf des Messers Schneide.“ Alstom hat rund fünf Mrd. € Schulden. Mit dem Verkauf von Vermögenswerten, der Ausgabe weiterer Aktien und der Streichung von Arbeitsplätzen versucht der Konzern frisches Kapital einzunehmen beziehungsweise Kosten zu sparen.

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