Neue Verhandlungen
MAN-Arbeiter fürchten um ihre Jobs

Nach dem zwischenzeitlichen Patt im Übernahmepoker zwischen den LKW-Herstellern Scania und MAN bereiten sich beide Seiten intensiv auf eine Verhandlungslösung vor. Scania-Chef Östling will bei den kommenden Gesprächen aus einer besonders starken Position verhandeln – und schürt die Furcht vor einem möglichen Stellenabbau beim Rivalen.

fas / hof / hst STOCKHOLM / MÜNCHEN. Im Übernahmepoker um den schwedischen LKW-Konzern Scania fürchten nun die Mitarbeiter um ihre Arbeitsplätze. „Es gibt kaum einen Zusammenschluss, aus dem nicht personelle Überhänge resultieren“, sagte der Vorsitzende des MAN-Konzernbetriebsrates, Lothar Pohlmann. Zahlen, nach denen bis zu 5 000 Arbeitsplätze bei einer Fusion wegfallen könnten, bezeichnete der Betriebsrat aber als zu hoch gegriffen. MAN verwies am Mittwoch darauf, dass das Fusionskonzept mit Scania „auf Wachstum“ ausgerichtet sei.

Produktivität, Rendite, Marktmacht: Im Übernahmepoker um den schwedischen LKW-Hersteller Scania werben die Kontrahenten mit ihren industriellen Stärken. Während MAN Meldungen über eine mögliche Erhöhung des Übernahmeangebotes am Dienstag nicht kommentieren wollte, bereiten sich beide Seiten intensiv auf eine Verhandlungslösung vor. Scania-Chef Leif Östling hatte am Montag Gespräche mit MAN-Chef Håkan Samuelsson für kommende Woche in Aussicht gestellt. MAN- und Scania-Großaktionär Volkswagen hatte am Wochenende beiden Kontrahenten eine Frist von vier Wochen gesetzt, zu einer einvernehmlichen Lösung zu kommen.

Scania-Chef Östling will aus einer Position der Stärke heraus verhandeln und schürt die Angst vor Arbeitsplatzverlusten bei MAN. „Während bei uns ein Mitarbeiter im Jahr sechs LKW produziert, schafft ein MAN-Mitarbeiter nur vier“, sagte Östling, der sich vehement gegen die feindliche Übernahme durch den deutschen Kontrahenten wehrt. Der Schwede attackiert die Deutschen hart: MAN habe in Sachen Produktivität ihre Hausaufgaben nicht gemacht, sagt der Scania-Chef. Experten geben Östling recht: Scania ist seit Jahren Maßstab bei Produktion und Entwicklung. „Sie haben früh mit der Effektivierung begonnen, viel früher als alle Konkurrenten“, sagt ein Analyst in Stockholm, der aber dennoch eine industrielle Logik in einem Zusammengehen beider Konzerne sieht.

Der Konzern aus Södertälje südlich von Stockholm verringerte bereits Mitte der neunziger Jahre die Anzahl der verbauten Komponenten in einem Brummi drastisch: Während viele Konkurrenten damals mehr als 30 000 Komponenten für einen LKW benötigten, kam Scania schon mit 19 000 aus. Heute gibt es Modelle bei den Schweden, für die nicht mehr als 13 000 Komponenten benötigt werden, der Schnitt liegt allerdings bei rund 19 000. Volvo braucht etwa 25 000 bis 27 000 Komponenten, ein Wert bei dem auch MAN liegen dürfte. Und der Prozess ist noch nicht abgeschlossen: Östling rechnet auch in den kommenden Jahren mit einer Produktivitätssteigerung von sechs bis acht Prozent im Jahr.

„Östling steht unter dem Zwang, sachorientierte Argumente gegen die Übernahme anzuführen. Er versucht nun, unannehmbare Forderungen zu stellen, um die Hürde möglichst hoch zu hängen“, sagt Albrecht Denninghoff, Analyst der Commerzbank. So verweist MAN auf die unterschiedliche Produktpalette. Anders als Scania produzieren die Deutschen auch mittelschwere LKW-Baureihen. Zum anderen habe MAN Großaufträge für Militärlastwagen, bei denen viel Handarbeit anfällt und die Produktivität drückt. Doch auch beim Lohnkosten-Vergleich verbucht Scania Punkte: Sie liegen um rund 20 Prozent niedriger als in Deutschland, die Schweden haben weniger Ferien und Feiertage.

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