Neue Vorwürfe
ADAC-Funktionäre profitieren von Ehrenämtern

Beim ADAC kehrt keine Ruhe ein: Offenbar profitieren viele ehrenamtliche Funktionäre des Clubs finanziell von ihrem Engagement. Ein Autoexperte fordert nun eine Kartellprüfung aller ADAC-Angebote.
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MünchenEs gibt neue Vorwürfe gegen den ADAC: Etliche ehrenamtliche Funktionäre des Autoclubs erhalten nach einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ lukrative Aufträge. Viele seien beispielsweise als Vertragsjuristen des Clubs tätig, andere als Gutachter oder Geschäftsführer von ADAC-Filialen. Von den Delegierten der Jahreshauptversammlung 2012 profitierten nach Zählung der Zeitung etwa ein Drittel offenbar auch privat vom ADAC. Zudem gerät der Club wegen eines größeren Geschäftes seines Regionalverbandes in Nordrhein-Westfalen unter Druck

Der ADAC in Nordrhein-Westfalen hat 2009 ein größeres Geschäft mit der Firma eines ranghohen Club-Funktionärs abgeschlossen. Eine Sprecherin des ADAC Nordrhein bestätigte am Samstag den Sachverhalt. Das Geschäft sei aber völlig einwandfrei gewesen, versicherte sie. Demnach hatte der von ADAC-Präsident Peter Meyer geleitete Regionalverband dem Unternehmen eines Vorstandskollegen 200.000 Euro „Werbekostenzuschuss“ für ein Fernsehstudio am Nürburgring gezahlt.

Das Unternehmen produziert unter anderem Fernsehbilder von Sportereignissen. Meyers ADAC-Kollege Peter Geishecker saß bei der Muttergesellschaft Wige Media AG damals im Vorstand, er war zudem Großaktionär. Als Gegenleistung wurde für den Autoclub an der Eifelstrecke geworben. Wegen der späteren Pleite der Rennstrecke wurde schließlich die Hälfte der Summe an den ADAC zurückgezahlt.

ADAC-Sprecherin Jacqueline Grünewald betonte, dass es aus Sicht des Clubs ein korrektes Geschäft gewesen sei. „Es war alles klar geregelt und ist durch alle Gremien beim ADAC gegangen“, sagte sie der Nachrichtenagentur dpa. Nach der Insolvenz des Nürburgrings seien nur 100.000 Euro und nicht die ganze Summe zurückgezahlt worden, weil zuvor die vereinbarte Leistung, die Fernsehübertragungen und die Werbung, erbracht worden sei.

Wige betonte am Sonntag in einer Stellungnahme, dass das Unternehmen wegen der Ausrichtung auf den Motorsport „automatisch“ vielerlei Berührungspunkte zum ADAC habe. Alle Geschäfte mit dem Autoclub unterlägen jedoch „einer genauen Überprüfung auf beiden Seiten“.

Der „Spiegel“ berichtet unterdessen, der ADAC habe wiederholt Versicherte hingehalten, die im Ausland schwer erkrankten und einen Ambulanzflug in die Heimat benötigten. Mitarbeiter der Notrufzentrale des Clubs hätten sich zögerlich gezeigt, berichteten Betroffene.

ADAC-Sprecher Christian Garrels nannte es am Sonntag absurd, anhand von Einzelfällen einen Pauschalverdacht zu erheben. „Ausnahmslos alle Ambulanzflüge werden nach medizinischer Notwendigkeit durchgeführt“, sagte er. Dabei müsse auch geprüft werden, ob der Gesundheitszustand der Patienten Flüge zulasse. Letztlich entschieden Ärzte darüber.

Kürzlich war bereits bekannt geworden, dass der ADAC seine Pannenhelfer offenbar zum Verkauf von Autobatterien anspornt. Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer fordert daher, alle Angebote des Autoclubs vom Bundeskartellamt untersuchen zu lassen. Er sagte der Zeitung „Bild am Sonntag“, Kartellamtschef Andreas Mundt sollte „jetzt schnell handeln“. Die Pannenhilfe sei „nichts anderes als eine Versicherung, bei der 19 Millionen Kunden den ADAC in eine Monopolstellung gehoben haben“. Wie bei Monopolen seien Preise wie für Autobatterien und Versicherungen zu hoch.

Der ADAC steht derzeit wegen immer neuer Enthüllungen in der Kritik. Die Debatte begann damit, dass der Club Manipulationen bei der Wahl zum „Lieblingsauto der Deutschen“ einräumen musste. Später bestätigte der ADAC unter anderem auch die Nutzung von vereinseigenen Rettungshubschraubern für Dienstreisen des Präsidiums.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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