Neue Vorwürfe gegen Ex-Betriebsratschef
VW-Affäre schlägt immer höhere Wellen

In der VW-Korruptionsaffäre um den entlassenen Skoda-Vorstand Helmuth Schuster und den zurückgetretenen Betriebsratschef Klaus Volkert sind nach Medienberichten neue Vorwürfe laut geworden. Die IG Metall fordert eine rasche Aufklärung.

HB HANNOVER. Am Wochenende berichteten mehrere Medien übereinstimmend, Flugkosten für eine Brasilianerin, zu der Volkert ein persönliches Verhältnis habe, seien über VW abgerechnet worden. Für diese Abrechnungen habe ein Mitarbeiter der Personalabteilung gesorgt, berichteten die Magazine „Spiegel“ und „Focus“. Ein VW-Sprecher wollte sich auch am Sonntag zu Einzelheiten nicht äußern und verwies erneut darauf, dass VW die Schmiergeldaffäre bei der Tochter Skoda vom Wirtschaftsprüfer KPMG extern untersuchen lassen werde. Der VW-Gesamtbetriebsrat ging auf Distanz zu Volkert. Die IG Metall Wolfsburg verlangte von Volkert eine rasche Aufklärung der Vorwürfe. Volkert war am Wochenende nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

In der Schmiergeldaffäre hat Volkswagen Strafanzeige gegen den früheren Personalvorstand der VW-Tochter Skoda, Helmuth Schuster, und einen Mitarbeiter des Zentralen Personalwesens in Wolfsburg erstattet. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt wegen des Verdachts auf Untreue und Betrug. Am Montag würden der Staatsanwaltschaft für deren Ermittlungen die nötigen Unterlagen übergeben, sagte ein VW-Sprecher.

Der stellvertretende Vorsitzende der IG Metall Wolfsburg, Frank Patta, sagte, Volkert habe eine Verpflichtung, an der Aufklärung der Affäre aktiv mitzuarbeiten. „Darauf haben vor allem die Mitglieder der IG Metall einen Anspruch, die ihm jahrelang vertraut haben.“ Der designierte Gesamtbetriebsratschef Bernd Osterloh, bislang Stellvertreter Volkerts, forderte der „Braunschweiger Zeitung“ zufolge den VW-Vorstand auf, die „lückenlose und ausnahmslose Aufklärung“ aller Vorwürfe voranzutreiben. „Und das gilt für alle, die in dem Verdacht stehen, wie auch immer geartete scheinbare Unregelmäßigkeiten persönlich zu verantworten“, heißt es in einem Brief Osterlohs an die Belegschaft, der auch Reuters vorliegt.

In der kommenden Woche sollen der neue Betriebsratschef des Werkes in Wolfsburg und der neue Gesamtbetriebsratschef gewählt werden. Diese Posten hatte Volkert in Personalunion inne. Volkert war am Donnerstag nach 15 Jahren im Amt überraschend zurückgetreten. Als Grund nannte er die zu erwartende öffentliche Debatte um „scheinbare Unregelmäßigkeiten“ im Zusammenhang mit seiner Person. Volkert hatte zugleich erklärt, er habe sich keiner kriminellen Handlung schuldig gemacht.

Schuster ist einem Bericht der „Bild am Sonntag“ zufolge auf Veranlassung der Konzernspitze wochenlang observiert worden. Auch Treffen Schusters mit Personalvorstand Peter Hartz seien beschattet worden, berichtete das Blatt unter Berufung auf Ermittlerkreise. Der VW-Sprecher wollte sich zu dem Bericht nicht äußern.

„Spiegel“ und „Focus“ zufolge soll Schuster auch versucht haben, die IG Metall für ein geplantes millionenschweres Vertriebs- und Erlebniscenter der Marke Skoda in Prag zu gewinnen. Die Gewerkschaft habe zuvor Auskünfte über die Gesellschafter der Prager Firma F-BEL gefordert, die sich um den Auftrag von Skoda beworben habe. Die IG Metall habe keine befriedigenden Informationen erhalten und abgelehnt. An der Firma F-BEL sollen Schuster und Volkert indirekt beteiligt sein, hieß es im „Spiegel“.

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