Neues Werk in Osteuropa
Daimler auf der Zielgeraden

Noch einen Tag bis zur Entscheidung: Das Rennen um ein neues Werk in Osteuropa ist in der Schlussrunde, drei Standorte sind in der engeren Auswahl. So will der Stuttgarter Konzern die Profitabilität seiner Kompaktwagen-Sparte erhöhen.

FRANKFURT. Der Stuttgarter Autobauer Daimler steht vor dem Abschluss seiner monatelangen Standortsuche für sein erstes Mercedes-Werk in Osteuropa. Nach Informationen aus Konzernkreisen wird der Daimler-Vorstand am morgigen Dienstag voraussichtlich die Endauswahl für die Produktionsstätte treffen. Drei Standorte sind demnach noch im Rennen: Neben Polen und Rumänien sei auch ein Werk in Ungarn im Gespräch, hieß es aus dem Führungszirkel des Unternehmens. Ein Daimler-Sprecher wollte die Angaben nicht bestätigen.

Der Autokonzern hatte bislang nur angekündigt, dass die Entscheidung über das Werk in der ersten Jahreshälfte fallen werde. In dem neuen Produktionsstandort sollen neue Varianten der nächsten Generation der Mercedes-Kompaktwagen der A- und B-Klasse gefertigt werden. Daimler-Boss Dieter Zetsche hatte am Freitag in Bremen betont, dass der Produktionsstandort noch offen sei. "Es gibt noch keine Standortklärung für Osteuropa", sagte er. Bisher wird die A- und B-Klasse lediglich im deutschen Werk Rastatt gefertigt.

Nach jüngsten Angaben der rumänischen Regierung rechnet sich die westrumänische Stadt Timisoara in der Region Timis an der Grenze zu Ungarn und Serbien gute Chancen für einen Zuschlag von Daimler aus. Neben Timisoara ist laut dem Wirtschaftsmagazin "Wirtschaftswoche" auch das polnische Wroclaw (Breslau) noch in der engeren Wahl. Erst vor wenigen Tagen hatte Serbiens Wirtschaftsminister Mladen Djinkic noch seinen Hut in den Ring geworfen und erklärt, dass seine Regierung Daimler angeboten habe, 75 Mill. Euro aus der Staatskasse zu zahlen, wenn der Autobauer mindestens 300 Mill. Euro in Serbien investiert.

Mercedes ist einer der wenigen PKW-Hersteller, die bisher kein eigenes Werk in Osteuropa haben. Die Region gilt sowohl als großer Absatzmarkt als auch kostengünstiger Produktionsstandort. In dem neuen Daimler-Werk soll mindestens eine neue Variante der nächsten Generation der A- und B-Klasse von Mercedes gebaut werden, die voraussichtlich im Jahr 2012 starten soll. So sind für die Kleinwagenserien künftig auch ein kleiner Geländewagen sowie eine Coupé-Version vorgesehen. Daimler betont jedoch, dass es bei dem Werk nur um zusätzliche Kapazitäten ginge und die Produktion in Rastatt davon unberührt sei.

Daimler reagiert mit dem Werksneubau auf den anhaltenden Trend zu Kleinwagen. Hintergrund sind die immer neuen Rekordpreise für Benzin sowie die von der Politik geplanten Auflagen für den Schadstoffausstoß der Fahrzeuge. Die EU-Kommission will den CO2-Durchschnittswert pro Flotte eines Anbieters ab 2012 auf 120 Gramm senken. Mehr verbrauchsarme Kleinwagen in der Modellpalette würden den Stuttgartern dabei helfen.

Das neue Werk in Osteuropa soll zudem dafür sorgen, die Profitabilität der Mercedes-Kompaktwagen zu erhöhen. Daimler folgt mit der Produktion in Osteuropa dem Weg der Konkurrenten Audi und BMW. Die VW-Tochter Audi fertigt längst im ungarischen Györ und in Bratislava in der Slowakei. BMW betreibt im russischen Kaliningrad ein Montagewerk. Laut der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers wird die Fertigungskapazität in Ost- und Mitteleuropa von derzeit 3,2 Millionen auf 4,2 Millionen Fahrzeuge im Jahr 2013 steigen.

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