Norddeutsche Affinerie
Von lieben Freunden und Kupferstechern

Mirko Kovats, Gründer und Chef des österreichischen Mischkonzerns A-Tec, geht auf Tuchfühlung mit dem Aufsichtsrat der Norddeutschen Affinerie. Der Österreicher will vielleicht die Macht bei NA, vielleicht aber auch nicht.

FRANKFURT. Der Mann ist ein Pokerspieler, keine Frage. Ruhig sitzt er da, keine Falte im Anzug, keine Schweißperle auf der Stirn. Im Stakkato prasseln die Fragen nieder, die Journaille versucht sich in Bluffs, in Provokationen. Doch Mirko Kovats, Gründer und Chef des österreichischen Mischkonzerns A-Tec, lächelt nur, lässt sich nicht in die Karten schauen.

Groß waren die Erwartungen, als Kovats und sein Aufsichtsratschef Freimut Dobretsberger gestern zu einer eiligst einberufenen Pressekonferenz luden. Schließlich wusste mittlerweile jeder: An diesem Mittwoch sollten sie sich treffen, die beiden Österreicher mit Ernst J. Wortberg, dem Aufsichtsratschef des deutschen Rivalen Norddeutsche Affinerie (NA). Es geht um viel: etwa um die von A-Tec blockierte Übernahme der belgischen Kupferhütte Cumerio durch NA, aber auch die Furcht in Hamburg, A-Tec könne NA feindlich übernehmen, schlimmstenfalls als Strohmann für den russischen Oligarchen Viktor Wechselberg.

Der Fall ist komplex: NA hatte im Sommer angekündigt, Cumerio für 777 Mill. Euro in bar kaufen zu wollen. Kurze Zeit später hatte A-Tec über die Börse 25,1 Prozent der Cumerio-Anteile erworben, die Sperrminorität. Gleichzeitig ist A-Tec mit 15 Prozent auch größter Aktionär bei NA. Deren Chef Werner Marnette hatte daraufhin versucht, Kovats ins Boot zu holen. Die Idee: Kovats gibt seine Cumerio-Anteile an NA und erhält im Gegenzug zwei Sitze im Aufsichtsrat der Hamburger. Doch der kippte die Vereinbarung, fürchtet eine völlige Vereinnahmung durch den Österreicher.

Ein Gespräch auf höchster Ebene sollte den gordischen Knoten lösen – machte am Ende aber wohl eher deutlich, wie dick die Bretter sind, die noch gebohrt werden müssen. Gleich zu zweit war der Aufsichtsrat von NA aufgelaufen, neben Wortberg auch Peter von Foerster. Vor allem er soll kritisch zu A-Tec stehen, so ist zu hören.

Von einer „angenehmen und konstruktiven Atmosphäre“ berichtet Kovats lächelnd, während sein Chefkontrolleur mit schmalen Lippen beifällig nickt. Doch mehr, mehr haben die beiden nicht. „Wir konnten deutlich machen, dass wir ein langfristiger Investor bei NA sind und haben vereinbart, das Gespräch kurzfristig fortzusetzen“, versucht sich Kovats erneut.

Der Rest ist Rückschau, wenig hilfreich. Nein, er habe niemals geplant, Druck auf NA über eine außerordentliche Hauptversammlung auszuüben, so Kovats. Und Herrn Wechselberg, den kenne er gar nicht. „Wir wollen nichts blockieren. Wir wollen aber, dass unsere Interessen als Aktionär berücksichtigt werden“, diktiert er in die Blöcke. Was das heißt, das behält er freilich für sich. Natürlich sei es vorstellbar, bei NA aufzustocken, anderseits sei es auch denkbar, die Cumerio-Anteile doch an NA zu verkaufen. Die Karten – sie bleiben wohl vorerst noch verdeckt.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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