Nutzfahrzeugkonzern
Auch der MAN-Finanzvorstand geht

Nach dem Rücktritt von MAN-Chef Hakan Samuelsson nimmt auch Finanzvorstand Karlheinz Hornung seinen Hut. Dieser Schritt erfolge nicht im Zusammenhang mit der Korruptionsaffäre, sondern „aus persönlichen Gründen“, ließ der Konzern wissen.
  • 0

HB MÜNCHEN. Hornung werde sein Amt mit Wirkung zum 11. Dezember niederlegen, teilte der Konzern am Freitag in München mit. Für diesen Tag ist eine Aufsichtsratssitzung angesetzt, bei der interne Ermittler ihren Abschlussbericht zur Schmiergeldaffäre bei MAN vorlegen wollen. Ein Konzernsprecher wollte keine Details nennen. Die Bestellung eines Nachfolgers für Hornung sei Sache des Aufsichtsrats. Eine Sprecherin der Münchner Staatsanwaltschaft sagte, gegen den 58-jährigen Manager werde nicht als Beschuldigter ermittelt.

MAN steht im Verdacht, den Verkauf von Lastwagen und Bussen jahrelang mit Schmiergeldern angekurbelt zu haben. Die Ermittlungen erstrecken sich auf die Zeit zwischen 2002 und 2009. Im Umfeld des Konzerns heißt es, die verdächtigen Zahlungen beliefen sich auf 50 bis 100 Millionen Euro. Die Ermittler sprachen anfangs von einer Million im Inland und rund 15 Millionen Euro im Ausland.

Rund ein halbes Jahr nach Bekanntwerden des Korruptionsskandals hatte MAN-Chef Samuelsson am Montag überraschend sein Amt niedergelegt. Offiziell tat er dies auf eigenen Wunsch, um einen Neuanfang auf höchster Ebene möglich zu machen. Im Umfeld des Konzerns wird aber davon ausgegangen, dass Auto-Patriarch Ferdinand Piech, der sowohl bei MAN als auch beim Großaktionär Volkswagen Aufsichtsratschef ist, Druck ausübte. Die Schmiergeldaffäre sei für ihn ein willkommener Anlass gewesen, sich vom Top-Management zu trennen.

Piech träumt von einem Auto-Imperium, das vom Kleinwagen über den Sportflitzer bis hin zum Schwerlaster alles anbietet, was auf der Straße rollt. Er will das von ihm angepeilte Lkw-Bündnis zwischen MAN und Scania schneller voranbringen. Der schwedische Hersteller gehört mehrheitlich zu VW, an MAN halten die Wolfsburger knapp 30 Prozent. Experten erwarten, dass VW in absehbarer Zeit die Mehrheit an dem Münchner Hersteller übernimmt und ihn dann - ähnlich wie den Sportwagenbauer Porsche - als Marke in den Konzern eingliedert. So könnten MAN und Scania Kosten sparen, etwa bei Einkauf, Entwicklung und Vertrieb. Samuelsson hatte stets auf die Unabhängigkeit von MAN gepocht. Der Schwede war Piech in die Quere gekommen, als er vor rund drei Jahren seinen einstigen Arbeitgeber Scania übernehmen wollte. Er scheiterte - am Widerstand von VW und der schwedischen Industriellenfamilie Wallenberg, die gute Kontakte zu Piech haben soll.

Hornung war seit 2004 Vorstandsmitglied bei MAN und seit Januar 2006 Finanzchef. Der gelernte Kaufmann und Steuerberater hatte seine Karriere bei der Kolbenschmidt AG in Neckarsulm begonnen. Nach Stationen bei einem Autozulieferer und bei der Metallgesellschaft - heute GEA - kam er im Oktober 2004 zu MAN, wo er zunächst die Verantwortung für das Controlling übernahm. Der Manager wird an Heiligabend 59 Jahre alt.

In Aufsichtsratskreisen wird damit gerechnet, dass auch der Chef der Nutzfahrzeugsparte, Anton Weinmann, seinen Posten räumen muss. Der fast 54 Jahre alte Schwabe arbeitet seit 1986 für die Nutzfahrzeugsparte, wo er jahrelang für Buchhaltung und Controlling zuständig war. Seit 2001 ist er Vorstandsmitglied der Sparte, seit 2005 deren Chef. Der bodenständige und bei den Mitarbeitern beliebte Manager, der selbst den Lkw-Führerschein hat, gilt als ausgewiesener Fachmann in der Branche.

Nach Samuelssons Abgang bestellte der Aufsichtsrat MAN-Vorstandsmitglied Georg Pachta-Reyhofen, der bislang die Dieselmotoren-Sparte leitet, zum kommissarischen MAN-Chef. Im Kontrollgremium ist von einer Übergangslösung die Rede. In Medienberichten wurde spekuliert, dass nach einer Eingliederung in den VW-Konzern ein Mitglied des VW-Vorstands die Zuständigkeit für MAN und Scania übernehmen soll. Im Gespräch seien Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch, Produktionschef Jochem Heizmann und der Chef der VW-Transportersparte, Stephan Schaller. Die IG Metall verwies unterdessen auf Piechs Zusage an die Arbeitnehmer, dass MAN nicht zerschlagen werde. „Daran wird nicht gewackelt“, sagte ein Sprecher.

Kommentare zu " Nutzfahrzeugkonzern: Auch der MAN-Finanzvorstand geht"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%