Öffentliche Gelder für Studien gefordert
EMEA-Chef fordert mehr unabhängige Pharmastudien

Der Chef der europäischen Arzneimittel-Zulassungsbehörde EMEA, Thomas Lönngren, fordert vor dem Hintergrund der jüngsten Serie von Negativmeldungen aus der Pharmabranche mehr unabhängige Arzneimittelstudien.

HB FRANKFURT. „Wir brauchen mehr unabhängige Studien, die mit öffentlichen Mitteln finanziert werden“, sagte Lönngren der Tageszeitung „Financial Times Deutschland“ in einem Interview. Aus finanziellen Gründen würden solche Studien derzeit auf große Volkskrankheiten wie Herz-Kreislauferkrankungen, Diabetes und Rheuma beschränkt. „Deren Ergebnisse liefern zusätzliche Erkenntnisse zu den von der Industrie erhobenen Daten“, sagte er.

Derzeit kommen aus der Pharmabranche fast jeden Tag negative Schlagzeilen. Am Freitag hatte das US-Pendant der EMEA, die US-Gesundheitsbehörde FDA, wegen eines erhöhten Risikos für Herzkreislaufkomplikationen schwere Bedenken gegen das Arthritis-Mittel Celebrex des US-Branchenprimus Pfizer geäußert. Zuvor hatte der US-Wettbewerber Merck & CoEnde September das ähnliche Schmerzmittel Vioxx wegen eines erhöhten Herzkreislaufrisikos weltweit vom Markt genommen. Am Montag geriet erneut ein Schmerzmittel in das Visier der FDA. Die Behörde warnte vor einem erhöhten Herzrisiko bei dem Medikament Naproxen, das unter anderem auch von Bayer in den USA vertrieben wird.

Nach Einschätzung von Lönngren ist die Kontrolle eines Medikaments nach der Zulassung derzeit verbesserungswürdig. „Ein intensives Monitoring von Produkten nach deren Zulassung ist nötig, um bei neuen Produkten das Risiko früher bewerten zu können,“ sagte Lönngren. Der EMEA-Chef forderte in dem Interview vor dem Hintergrund des überraschenden Marktrückzugs von Vioxx Ende September zudem eine bessere Informationspolitik der Unternehmen „Wir wollen von einem Unternehmen so schnell wie möglich informiert werden“, sagte Lönngren. „Ich bin damit nicht zufrieden,“ ergänzte er.

Die EMEA ist gegenwärtig dabei, eine Risikobewertung für alle in der EU zugelassenen so genannten Cox-2-Hemmer zu erstellen. Zu dieser Medikamentenklasse gehören auch Vioxx und Celebrex.

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