Offener Konflikt mit GM allerdings nicht im Interesse der Italiener
GM macht offen Front gegen Verkaufsoption von Fiat

Der größte Autokonzern der Welt, General Motors (GM), hat erstmals offen gegen seine Übernahmeverpflichtung für die krisengeschüttelte Autosparte von Fiat rebelliert: Der US-Konzern stellte die Gültigkeit des Vertragswerks in Frage. GM und Fiat hätten bereits Gespräche über mögliche Alternativen zu dem Rahmenabkommen geführt, sagte eine GM-Sprecherin. Weitere Gespräche seien geplant. Fiat sieht dagegen seine Verkaufsoption weiterhin für gültig an.

mab/hz MAILAND/FRANKFURT. Experten halten es für wahrscheinlich, dass bereits auf der Automesse IAA in Frankfurt im September die Verhandlungen zwischen den Konzernen auf Topebene fortgesetzt werden.

GM hatte im Jahr 2000 rund 20% an Fiat Auto übernommen und dem italienischen Konzern das Recht eingeräumt, dem US-Autohersteller von 2004 bis 2009 sämtliche übrigen Anteile der Autotochter zu verkaufen. Die Amerikaner waren jedoch in den vergangenen Monaten auf Abstand zum Fiat-Konzern gegangen. So wollen sie eine Kapitalerhöhung von Fiat nicht mitmachen. Der Anteil des US-Konzerns würde so auf etwa 10 % sinken.

Nun glaubt GM laut einer Mitteilung an die US-Börsenaufsicht SEC, dass die von den Italienern gehaltene Verkaufsoption möglicherweise nicht mehr ausgeübt werden kann. Ohne ins Detail zu gehen, nennt der US-Konzern als Grund für diese Zweifel „Maßnahmen, die Fiat ergriffen hat oder ergreifen wird“.

Fiat sieht dies anders. Vorstandschef Giuseppe Morchio hat stets die Gültigkeit des Andienungsrechts betont. Seine Hausjuristen verweisen auf einen Passus im Rahmenvertrag zwischen GM und Fiat, der nur für den Fall einer veränderten Kontrolle über den Turiner Konzern vorsieht, dass die Put-Option nichtig ist. Analysten gehen aber davon aus, dass die geplanten Veränderungen der Beteiligungsverhältnisse bei Fiat Auto und der Strategiewechsel des italienischen Konzerns – zahlreiche Tochtergesellschaften sind verkauft worden – von den GM-Anwälten als Hebel angesehen werden, die Option zu kippen.

Die Übernahmeverpflichtung stellt für die Amerikaner inzwischen ein Risiko dar. Denn Fiat Auto ist hoch defizitär und wird nach eigenen Angaben nicht vor 2006 in die Gewinnzone zurückkehren. Für die Turiner Mutter hingegen besitzt die Option den Charakter einer Lebensversicherung: Sollte der jüngste Sanierungsplan des neuen Vorstandschefs Morchio keine Früchte tragen, könnte sich der italienische Konzern auf diese Weise elegant von seinem größten Verlustbringer trennen und sich ganz auf die Herstellung von Lastwagen sowie Land- und Baumaschinen konzentrieren.

Ein offener Konflikt mit GM liegt allerdings nicht im Interesse der Italiener: Denn dies würde die gemeinsamen Projekte beeinträchtigen, die sich bislang erfolgreich entwickeln. So erhält die europäische Zusammenarbeit beim Einkauf und in der Entwicklung und Produktion von Motoren und Getrieben sowohl von GM als auch von Fiat gute Noten.

Auto-Analyst Arndt Ellinghorst glaubt nicht, dass die Amerikaner als Kompromiss zu einer neuen Finanzspritze bereit sein werden. GM habe genug Möglichkeiten, um eine höhere Beteiligung an Fiat Auto zu verhindern. „Die Italiener müssen schon aus eigener Kraft im Autobereich wieder in die schwarzen Zahlen finden.“

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