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Bauindustrie setzt auf Vater Staat

Dem Baugewerbe brechen die Aufträge in Rekordtempo weg. Im Januar gingen die Order preisbereinigt um 24,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat zurück. Das war laut des Statistischen Bundesamtes das stärkste Minus seit der Wiedervereinigung. Der Verband reagiert mit offenen Worten.

DUISBURG. Die beiden großen deutschen Baukonzerne Hochtief und Bilfinger Berger setzen auf ihren hohen Auftragsbestand und zusätzliche Milliarden-Aufträge von der öffentlichen Hand, um ohne größere Blessuren durch die Finanzkrise zu kommen. Sowohl Hochtief-Chef Herbert Lütkestratkötter als auch Bilfinger-Chef Herbert Bodner erwarten in diesem Jahr bei niedrigeren Umsätzen ein Ergebnis auf Vorjahresniveau. Eine genaue Prognose wagen sie aber nicht. Das sei angesichts der nur schwer abzuschätzenden Auswirkungen der Finanzkrise kaum möglich. Kurzarbeit wollte Hochtief nicht ausschließen, sollte es in großem Stil zu Stornierungen von Aufträgen kommen. Doch rechnen beide Konzernchefs ab 2010 mit einer Stabilisierung der internationalen Finanz- und Kapitalmärkte und damit, dass es zu keinem anhaltenden rezessiven Konjunktureinbruch der Weltwirtschaft kommen wird.

Ihre Zuversicht begründen die Baukonzerne zum einen mit einem hohen Auftragsbestand, der ihnen in der Krise ein sattes Polster verschafft. Hochtief steigerte den Auftragsbestand im Jahr 2008 um 3,4 Prozent auf knapp 31 Mrd. Euro. Bilfingers Auftragsbücher waren mit 10,7 Mrd. Euro etwa so voll wie im Vorjahr. Beide Konzerne profitieren dabei von ihrer starken Stellung im asiatisch-pazifischen Raum. Hochtief erzielt dort ein Drittel des Konzernumsatzes.

Mit dem Aufbau eines Standbeins im Dienstleistungsgeschäft, das sich noch relativ stabil in der Krise zeigt, haben sich beide überdies von dem stark zyklischen Baugeschäft und den Risiken im Projektgeschäft unabhängiger gemacht. Bilfinger erzielt inzwischen bereits über zwei Drittel des operativen Gewinns (Ebit) mit Baudiensten.

Doch vor allem setzen die international tätigen Bauunternehmen auf staatliche Milliarden-Aufträge, die die Konjunktur in vielen Ländern über Wasser halten sollen. Dabei profitiert Hochtief stark von seiner Präsenz in den USA. Etwa 40 Prozent des Konzernumsatzes entfallen auf die Sparte Americas. Hochtief werde in den USA schneller von Konjunkturmaßnahmen profitieren als in Deutschland, da die USA viel entschlossener zur Sache gingen, ist Lütkestratkötter sicher. Als einer der Top-Ten-Anbieter für Infrastrukturprojekte werde dies vor allem der Tochter Flatiron möglicherweise sogar im Verbund mit der Tochter Turner nützen. So errichten beide Firmen beispielsweise gemeinsam das neue Terminal des Flughafens Sacramento. Bilfinger hat sich dagegen aus dem Baugeschäft in den USA verabschiedet.

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