Offshore-Anbindung
Energiewende überfordert die Netzbetreiber

Die Netzbetreiber fühlen sich von der Regierung alleingelassen. Insbesondere die Anbindung von Offshore-Windparks gestaltet sich schwieriger als geplant - ein Tsunami von Anfragen überfordert die Anbieter.
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BerlinDie Energiewende stellt die Netzbetreiber vor Probleme. Sorgen bereitet ihnen insbesondere die Anbindung der Offshore-Windparks. „Die Errichtung von Anschlussleitungen für Offshore-Windparks lässt sich nicht in der bisherigen Form aufrechterhalten. Es gibt einen Tsunami von Anfragen, die wir unmöglich alle gleichzeitig abarbeiten können“, sagte Lex Hartman, Mitglied der Geschäftsführung bei Tennet, der früheren Eon-Übertragungsnetz-Tochter, dem Handelsblatt. Er will die Herstellung von Offshore-Anschlüssen unternehmensübergreifend an eine neue Gesellschaft auslagern.

Die Übertragungsnetzbetreiber sind gesetzlich verpflichtet, die Windparks auf hoher See in ihrem jeweiligen Netzbereich ans Stromnetz an Land anzubinden. Die Anbindung erfordert je Windpark oft Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe. Bei den vier Übertragungsnetzbetreibern Amprion, Tennet, 50Hertz und EnBW grenzen nur die Versorgungsgebiete von Tennet und 50Hertz an Nord- und Ostsee. Die beiden Unternehmen stehen daher vor besonders großen Herausforderungen.

„Tennet in Deutschland hat einen Wert von einer Milliarde Euro. Wir haben aktuell Investitionsentscheidungen über 5,5 Milliarden getroffen. Es werden voraussichtlich mindestens weitere 15 Milliarden Euro auf uns zukommen. Dieser riesige Kapitalbedarf ist kaum mehr zu bewältigen“, sagt Hartman.

Tennet muss nicht nur die Offshore-Anbindungen stemmen. Die Branche richtet sich außerdem darauf ein, zusätzlich zum bestehenden Stromübertragungsnetz ein sogenanntes Overlay-Netz aufzubauen, das mit der Technik der Hochspannungs-Gleichstromübertragung große Strommengen ohne große Verluste direkt von den Windparks bis nach Süddeutschland transportiert. Die von Hartman geforderte unternehmensübergreifende Netzgesesellschaft soll die Offshore-Anbindung und das Overlay-Netz verantworten.

Mit der Gesellschaft könnte man die Lasten auf mehrere Schultern verteilen, sagte Hartman. „Das geht alle Übertragungsnetzbetreiber an, weil sie alle ein Interesse an einer reibungslosen Anbindung der Offshore-Windparks und an der Errichtung eines Overlay-Netzes haben. Ohne leistungsfähige Netze würde die Energiewende scheitern.“ Der Staat müsse sich an der Gesellschaft nicht beteiligen, sei aber eingeladen, dies zu tun. Auch branchenfremde Investoren könnten mitmachen. Tennet wirbt seit Monaten für neue Konzepte bei der Offshore-Anbindung. Anfang Februar hatte das Unternehmen mit Mitsubishi einen externen Investor für die Beteiligung an zwei Offshore-Hochspannungsleitungsprojekten bekanntgegeben. Er sei davon überzeugt, dass sich dieses Konzept wiederholen lasse. Man könne aber nicht sämtliche Herausforderungen beim Ausbau der Netze auf der Ebene der Projektfinanzierung lösen, sagte der Tennet-Manager.

Hartman fordert außerdem eine verbindliche Langfristplanung für den Bau der Offshore-Parks. Dadurch lasse sich die Netzanbindung kostengünstiger organisieren. Außerdem müsse die Haftungsfrage gesetzlich neu geregelt werden: „Wir sollten die Haftung auf einen vom Versicherungsmarkt tatsächlich bedienbaren Umfang beschränken und die darüber hinausgehenden Risiken sozialisieren.“

Bei 50Hertz hieß es, man sei von dem Tennet-Vorstoß zur Gründung einer eigenen Netzgesellschaft für die Offshore-Anbindung und das Overlay-Netz überrascht. „Die offenen Fragen zu den Offshore-Rahmenbedingungen werden derzeit unter Beteiligung aller Partner sehr konstruktiv in der Arbeitsgruppe „Beschleunigung Offshore“ von Bundeswirtschaftsministerium und Bundesumweltministerium bearbeitet“, sagte ein Sprecher von 50Hertz. Das Unternehmen sehe sich „aufgrund seiner soliden Finanzierung in der Lage, die für 50Hertz relevanten Offshore-Projekte in der Ostsee umzusetzen“, sagte der Sprecher weiter.

Klaus Stratmann berichtet als Korrespondent aus Berlin.
Klaus Stratmann
Handelsblatt / Korrespondent

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  • Die (großen) Versorger mussten sich aufgrund von Forderungen der Bundensnetzagentur von den Netzen trennen. Die Bundesnetzagentur ist nämlich der Auffassung, dass die Netzbenutzung dann kostengünsiger wird. Ist ja auch klar, wenn dann ZWEI Verwaltungen bezahlt werden müssen, alles genau abgerechnet und verrechnet werden muss, wird alles billiger (Ironiemodus aus)

  • Strom kommt aus der Steckdose.
    EE dämpft Energiepreisanstieg.
    Merit Order Effekte senken den Strompreis.
    Die Sonne schreibt keine Rechnung.
    Die bösen Konzerne sind sowieso schuld.
    EE schaffen Jobs.
    Weiter Lügen bitte anfügen!

  • Eine Windmühle liefert durchschnittlich ca. 15% ihrer Nennleistung mit Schwankungen zwischen 0 und 100%. Solarzellen weniger als 10%. Demzufolge sind für diese umweltschädlichen Stromerzeuger überdimensionierte Leitungen erforderlich.

    Die Einspeisung der "Erneuerbaren" Energien erfolgt dem Wetter geschuldet, beliebig. Zahlreiche Kraftwerke müssen kalt, warm, heiss in Bereitschaft gehalten werden, oder im unwirtschaftlichen Teillastbetrieb betrieben werden um das Stromnetz nicht kollabieren zu lassen. Die Bereitschaft wird aus religiösen Gründen nicht kostendeckend vergütet, bzw. eigentlich sollten die Kosten dem EEG bzw. der Oekoreligion zugeschlagen werden.

    Die rotativen Massen der Dampfturboanlagen stellen die kurzfristige Netzstabilität sicher. Solarzellen können dies nicht. Sehr wahrscheinlich müssen die Netzbetreiber Schwungräder, oder dergleichen installieren um die kurzfristige Netzstabilität sicherzustellen.

    Die grossen Versorger wussten gut warum Sie sich in diesem von fundamentalistischer Oekoreligiösität geprägtem Umfeld von ihren Netzen getrennt haben. Die Netze werden sehr teuer werden. Es gilt den Netzbetreibern den Ausbau der Netze attraktiv zu machen. Aus politischen, bzw. religiösen Gründen will man dem Verbraucher nicht die realen Kosten "Erneuerbarer" Energien offenbaren. Mal sehen wo man diese Kosten der Oekoreligion verstecken wird.

    Vandale

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