Ohne die Kostensenkung von deutlich mehr als eine Milliarde Euro wäre die Lage in Wolfsburg dramatisch
Sparprogramm rettet das Ergebnis von Volkswagen

Der Wolfsburger Volkswagen-Konzern korrigiert seine Gewinnerwartung für das laufende Jahr nach unten, hat aber gerade noch rechtzeitig die Reißleine gezogen, um nicht in die roten Zahlen zu rutschen.

hof FRANKFURT. Ohne die Effekte aus dem im Frühjahr eingeleiteten Sparprogramm „For Motion“ hätte sich Europas größter Autobauer in diesem Jahr gefährlich nahe der Nulllinie bewegt.

Insgesamt will der Konzern 2004 im Vergleich zum Vorjahr deutlich mehr als eine Milliarde Euro einsparen. Das teilte das Unternehmen am Freitag bei der Präsentation der Halbjahresergebnisse mit.

VW erwartet nun statt eines operativen Gewinns auf Vorjahresniveau von 2,5 Mrd. Euro für 2004 nur noch 1,9 Mrd. Euro. Sondereffekte von 400 Mill. Euro, die zum Teil auf die Installation von „For Motion“ zurückzuführen sind, werden das Ergebnis weiter schmälern. Die Frage, ob das eigentliche Sparziel in diesem Jahr sogar bis zu 1,7 Mrd. Euro betragen soll, verneinte VW-Finanzchef Hans Dieter Pötsch nicht.

Die Börse hatte mit einer Gewinnwarnung in der nun veröffentlichten Höhe bereits gerechnet. Da die Zahlen für das zweite Quartal nach Angaben von HypovereinsbankAnalyst Albrecht Denninghoff „sogar wesentlich besser als erwartet“ waren, reagierten die Anleger positiv. Die VW-Aktie legte nach der Veröffentlichung rund drei Prozent zu und gehörte damit zu den wenigen Gewinnern im Deutschen Aktienindex Dax. Autoexperte Patrick Juchemich von Sal. Oppenheim geht daher davon aus, dass der Aktienkurs „den Boden nun gefunden zu haben scheint“.

Für 2005 stellte VW-Konzernchef Bernd Pischetsrieder eine deutliche Verbesserung der Erträge in Aussicht, ohne jedoch Zahlen zu nennen: „Wir haben dazu die besten Voraussetzungen. Es ist klar, dass wir substanzielle Verbesserungen bei den Kosten erzielen werden, wir werden neue Modelle auf den Markt bringen und bei vielen neuen Modellen das erste volle Verkaufsjahr erleben“, sagte der Vorstandsvorsitzende. Er schränkte jedoch ein, dass die Marktentwicklung weiter instabil sei. Das angepeilte ergebniswirksame Sparziel für das kommende Jahr bezifferte Pötsch auf „mindestens drei Mrd. Euro“. Drei Viertel der dazu erforderlichen Maßnahmen seien bereits identifiziert, die Hälfte schon entschieden, sagte er.

Trotz des relativ guten zweiten Quartals mit einem operativen Ergebnis von 650 Mill. Euro nach 616 Mill. Euro im Vorjahresquartal lag das Ergebnis nach sechs Monaten rund ein Fünftel niedriger als 2003. Und das, obwohl der Umsatz um 7,3 Prozent auf knapp 46 Mrd. Euro und der Absatz um 1,7 Prozent auf 2,472 Millionen Autos gestiegen ist.

Sowohl die Finanztochter als auch die Markengruppe Audi konnten die Erträge steigern und verdienten jeweils mehr als eine halbe Mrd. Euro, während die VW-Markengruppe trotz des ersten vollen Verkaufsjahres des neuen Golf fast nichts mehr zum Konzernergebnis beitrug. Auch die Situation bei den Nutzfahrzeugen hat sich – erwartungsgemäß – weiter verschlechtert. Der Verlust verdoppelte sich auf 134 Mill. Euro. Rote Zahlen schrieb der VW-Konzern wegen des harten Preiskampfes und des schwachen Dollars vor allem in den USA.

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