Oldenburger Fotolabor-Konzern
Cewe Color wird zum Spekulanten-Spielball

Über dem Oldenburger Fotolabor-Konzern Cewe Color brauen sich dunkle Gewitterwolken zusammen. Wie das Handelsblatt aus Bankenkreisen erfuhr, ist der amerikanische Finanzinvestor Guy Wyser-Pratte mit einem Anteil von mehr als drei Prozent neuer Aktionär des Unternehmens geworden. Dabei schlägt sich Cewe Color bereits mit einem anderen US-Investor herum.

OLDENBURG. Der Hedgefonds Marcap (bisher M2) mit seinem Chef David Marcus hält rund zehn Prozent des Kapitals und kann auf die Unterstützung der Fondsgesellschaft K Capital Partners rechnen, der allerdings weniger als fünf Prozent der Anteile besitzt. Die Erbengemeinschaft der Gründerfamilie hält 27 Prozent und unterstützt das Management.

Marcap-Chef Marcus hatte schon im Dezember 2006 begonnen, das Unternehmen mit der Forderung nach einer Dividende von fünf Euro je Aktie zu bedrängen. Sein Argument: Cewe sei überkapitalisiert und müsse die Aktionäre an der vollen Kasse teilhaben lassen. Im Blick hatte er dabei offenbar die Gewinnrücklagen, die Ende 2006 bei 56 Mill. Euro lagen. Tatsächlich wäre die geforderte Ausschüttung nur mittels Kredit möglich.

Marcus unterstützt seine Forderung mit etlichen Vorwürfen an das Cewe-Management: Es fahre eine falsche Preisstrategie, habe gute Gelegenheiten verstreichen lassen, Gewinnwarnungen wegen mangelnder Planungsqualität herausgeben müssen und unsinnig investiert. Auf diesen Zug will Wyser-Pratte nun anscheinend aufspringen.

Cewe–Chef Rolf Hollander verweist dagegen auf die Position des Unternehmens als europäischer Marktführer und darauf, dass Cewe in der extrem schwierigen Branchensituation, die sich aus dem Übergang von der Film- zur Digitalfotografie ergeben hat, immer noch ganz ansehnliche Gewinne ausweisen konnte – im Gegensatz zu den meisten Wettbewerbern.

Der Einstieg des als zäh und verbissen geltenden Investors Wyser-Pratte schreckt ihn nicht: „Wir haben ein gutes Management, exzellente Mitarbeiter und eine herausragende Marktposition. Und wir wissen die Mehrheit der Aktionäre – auch der institutionellen Investoren – hinter uns.“ Und dann versichert Hollander: „Auch wir sind verdammt zäh und ausdauernd. Das haben wir in unserem Markt längst bewiesen.“

Der US-Investor Wyser-Pratte geht immer nach der gleichen Methode vor: Er beteiligt sich mit relativ geringen Mitteln an Unternehmen, die er für unterbewertet und schlecht geführt hält, und versucht dann über öffentlichen Druck Änderungen zu erzwingen und den Aktienkurs zu steigern. Dann steigt er mit einem Kursgewinn wieder aus.

Zuletzt machte er mit Beteiligungen an dem französischen Autozulieferer Valeo Schlagzeilen, wo er den Kurs des Vorstandes kritisiert und jetzt den Verwaltungsrat umkrempeln will. Beim Handyzulieferer Balda ist Wyser-Pratte im Januar mit knapp über fünf Prozent eingestiegen. Beim Verkehrstechnikkonzern Vossloh hat der US-Investor nach wenigen Monaten mit einem Millionengewinn Kasse gemacht. Das Paket am Maschinenbauer IWKA hält Wyser-Pratte dagegen bereits seit Herbst 2003. Er hat aber Wechsel in Vorstand und Aufsichtsrat erreicht und die von ihm gewünschte Konzentration des Unternehmens auf den Roboterbau.

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