Opel-Betriebsrat Einenkel
Sein letztes Gefecht

Zehn Jahre stand Rainer Einenkel an der Spitze des Opel-Betriebsrats in Bochum. Bis zuletzt wehrte er sich gegen die Schließung seines Werks. Vergeblich. Nun will er GM noch ein letztes Mal die Stirn bieten.
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BochumEs geht nicht mehr darum, das Werk zu retten. Die Produktionshallen sind längst ausgefegt, der letzte Zafira lief vergangene Woche vom Band, zum Ende des Jahres ist Opel in Bochum Geschichte. So viel steht fest. Rainer Einenkel hat den Kampf, der die letzten zehn Jahre seines Lebens bestimmte, damit verloren. Nun will der 58-Jährige wenigstens Recht behalten.

Vor dem Landgericht in Darmstadt ging am heutigen Freitag ein Prozess in die Verlängerung, den Einenkel in Gang brachte, kurz nachdem ihm und seinen 3000 Kollegen mitgeteilt worden war, dass ihr Werk geschlossen werden würde. Er sei als Aufsichtsrat nicht korrekt informiert worden, die Produktivitätsvergleiche der Werke, die der Vorstand in Umlauf gebracht habe, seien nachweislich falsch gewesen. Es sind Formfehler, mit denen Einenkel dem großen GM-Konzern die Stirn bieten will. Ein letztes Mal.

Einenkel fühlt sich verraten, von der Geschäftsführung, aber auch von den Kollegen im Gesamtbetriebsrat in Rüsselsheim. Ausgerechnet die Rüsselsheimer. Acht Monate hatte sie mit der Geschäftsführung um einen „Deutschlandplan“ verhandelt. „Sie haben Bochum geopfert, um selbst zu überleben“, so sieht es Einenkel. Denn nach dem Plan sollten die Opelaner in Bochum bis 2016 weiter produzieren – bis zum Auslaufen der Zafira-Reihe. Für diese Bestandsgarantie sollten 700 Mitarbeiter gehen, die anderen auf Lohn verzichten – und danach wäre die Produktion eingestellt worden. Einenkel stimmte als einziger im Betriebsrat dagegen und bekam dafür Gegenwind von anderen Arbeitnehmervertretern.

Statt über die Zukunft von Opel zu verhandeln, habe Einenkel „mit Verdrängung und Verschwörungstheorien“ agiert, warf Gesamtbetriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug seinem Bochumer Kollegen in einer Pressemitteilung vor.

Einenkel wehrte sich auf seine Art: er stellte sich stur. Auch wenn Opel drohte, dass man das Werk in diesem Fall schon Ende 2014 schließen würde – das Todesurteil des Werks in Bochum wollte Einenkel nicht unterschreiben. GM werde schon sehen, man werde kreativ protestieren. Ein Streik sei möglich, drohte er.

Mit dem Protest kennen sie sich aus in Bochum. Konzernintern war das Werk immer schon bekannt für seine Kampfeslust.

In seinen 40 Jahren bei Opel hat Einenkel miterlebt, wie die Belegschaft von 20.000 Angestellten auf 3.300 zusammenschrumpfte. Im Jahr 2004, kurz bevor er zum Chef des Betriebsrats gewählt wurde, stand er mit vor dem Werkstor, als die Opelaner mit einem sechstägigen, wilden Streik gegen die Sparpolitik von GM protestierten. Weil Teile aus dem Presswerk in Bochum fehlten, standen die Bänder von Opel europaweit still.

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  • Hätte Opel damals den Vertrag, den die Opelaner damals unterschreiben sollten, einklagbar gestaltet, hätten die Mitarbeiter dem auch (zwar mit der Faust in der Tasche) zugestimmt. Dort waren aber nur schwammige Formulierungen und Absichtserklärungen zu finden, die wie es sich später herrausstellte, nicht das Papier wert waren, auf dem sie gedruckt waren. Opel hatte nie die Absicht, den Zafira Tourer bis zum Ende der Modelllaufzeit (2016) in Bochum zu produzieren und wäre ohne Folgen aus dem "Vertrag" ausgestiegen. Die Mitarbeiter hätten aber auf Teile ihres Lohnes verzichtet und 700 wären gegangen. Auf so etwas sind die Mitarbeiter schon mal reingefallen. Sie verzichteten auf Teile ihres Lohnes (Anrechnung der Tariferhöhung und Verzicht auf Weihnachtsgeld usw.). Dafür sollten sie ein zusätzliches Modell, was die Zukunft des Werkes gesichert hätte,das Nachfolgemodell des Astra (das jetzige Modell) bekommen. Opel brach diesen Vertrag und die Mitarbeiter schauten in die Röhre. Das sollte jetzt nicht nochmal passieren....
    Desweiteren finde ich es nicht verwerflich, das Einenkel versucht, das Recht, was er meint zu haben, auch zu bekommen. Ich hoffe, das ihm das auch zugesprochen wird. Das hat Nix mit sturer Rechthaberei zu tun und ich stehe da (übrigens als Ex-Opelaner) voll hinter ihm, denn er handelt auch in meinem Namen.

  • "Hoch anrechnen muss man ihm noch das er sein Posten im Betriebsrat aufgibt (Kündigungsschutz) und mit in die Transfergesellschaft geht."

    Wäre wohl noch schöner, wenn er als Betriebsrat seinen Posten weiterbehalten würde und seinen Normallohn weiterbeziehen könnte. Wenn eine Firma aus ist, dann sind auch die Pöstchen aus.

  • Man sollte nicht Rückgrat mit Rechthaberei oder Starrsinn verwechseln. Herr Einenkel hat mit seinem Starrsinn nicht nur dem Unternehmen geschadet, das sein Gehalt bezahlt, sondern auch den Mitarbeitern, deren Interessen er vertreten sollte. Sie hätten 24 Monate mehr Zeit zur Verfügung haben können, sich eine neue Arbeit zu suchen. Denen sollte Sympathie und Solidarität gelten, nicht einem sturen Rechthaber, der irgenwann anfing einen Privatkrieg zu führen und sein Ego jetzt juristisch wiederherzustellen versucht. Wer bezahlt eigentlich die Gerichts- und Anwaltskosten?

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