Opel/GM
„Wir bereiten die Trennung von GM vor“

Der Europachef des US-Autokonzerns General Motors und Opel-Aufsichtsratschef Carl-Peter Forster spricht im Interview über die Hängepartie bei der Entscheidung über die Zukunft von Opel, die Auswirkungen auf das operative Geschäft, die Folgen einer möglichen Insolvenz und seine persönliche Perspektiven.

Handelsblatt: Herr Forster, die IAA steht vor der Tür, sie präsentieren den neuen Astra, aber alle Welt redet nur vom Tauziehen um die Zukunft des Unternehmens. Schieben Sie Frust?

Carl-Peter Forster: Natürlich hoffen wir auf eine Entscheidung über einen neuen Opel-Eigner noch vor der IAA.

Die Hängepartie kann Ihnen nicht gefallen. Spüren Sie Auswirkungen im operativen Geschäft?

Im Privatkundengeschäft spüren wir bisher keine negativen Auswirkungen. Da halten sich die Effekte Solidarisierung und die Nachrichten über die ungeklärte Unternehmenssituation ungefähr die Waage. Anders ist es im Flottengeschäft, in dem wir Marktanteile verloren haben. Viele Geschäftsleute zögern momentan angesichts der anhaltenden Diskussionen um einen neuen Opel-Eigner.

Das Geld aus dem Überbrückungskredit reicht nur bis Jahresende. Wie gehen Sie jetzt operativ vor?

Natürlich halten wir derzeit das Geld zusammen. Wir haben zum Beispiel die Lagerbestände drastisch runtergefahren. Auch in Großbritannien haben wir Marktanteile abgegeben, weil wir aus unrentablen Flottengeschäften bewusst ausgestiegen sind und mit Kaufanreizen sehr vorsichtig umgehen. Wir tun alles, damit der Cash möglichst lange reicht.

Was tun Sie, damit bald Klarheit herrscht?

Wir tun momentan alles, um den Kollegen in den USA näher zu bringen, dass auch GM geholfen wäre, wenn noch in diesem Monat eine Entscheidung fällt.

Und wenn nicht?

Für mich gibt es jetzt zwei Szenarien. Entweder gibt es auf der nächsten GM-Verwaltungsratssitzung eine Vorfestlegung: Dann könnte eine Lösung für Opel noch bis Ende September in Grundzügen stehen. Oder die Entscheidung wird noch einmal vertagt: Dann kann sich die Hängepartie aber leicht weit über die Bundestagswahl hinaus ziehen.

Ist Opel für den Tag X der Entscheidung vorbereitet?

Ja, wir haben unsere Hausaufgaben gemacht. Das Management hat alle Vorbereitungen für den Einstieg eines neuen Investors getroffen, die uns möglich waren. Wir haben den Anlauf von neuen Modellen wie dem Astra eingeleitet und alle Restrukturierungsmaßnahmen mit einer Laufzeit von maximal sechs Monaten aufgelegt. Wir tun also alles, was in der Phase der Investorensuche möglich ist. Ein Abfindungsprogramm können wir allerdings noch nicht starten, dafür brauchen wir erst eine solide Finanzierung, da sich solche Programme in der Regel erst nach zwei Jahren auszahlen. Vorbereitet sind aber auch schon solche Maßnahmen. Wir können mit der Umsetzung beginnen, sobald ein Investor gefunden ist.

Sie gehen also weiter von einer Ablösung von GM aus?

Wir treiben – wie mit allen Parteien verabredet – die organisatorischen und strukturellen Maßnahmen weiter voran, um Opel aus dem Konzerngeflecht von GM zu lösen. So haben wir den Vertrieb in Europa auf neue Füße gestellt und arbeiten an der Trennung der GM-Marken Saab und Chevrolet von Opel in allen funktionalen Bereichen. Wir haben alle Vorbereitungen getroffen, um die GM-Europazentrale in Zürich aufzulösen und die GM-Powertrain-Organisation unter das Dach von Rüsselsheim zu holen. Chevrolet wird den Sitz der Europazentrale in Zürich belassen, während Opel künftig aus Rüsselsheim gelenkt wird. Dafür ist nur noch ein Knopfdruck nötig, wenn die Investorenfrage geklärt ist.

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