Opel und kein Ende
Bund glaubt weiter an Verkauf von Opel

Das Verwirrspiel um Opel findet kein Ende: Nachdem es am Samstag in einem Medienbericht hieß, General Motors wolle von einem Opel-Verkauf abrücken, weist das die Bundesregierung nun zurück. In dem Bericht heißt es, GM habe Sorge vor einem Technologieabfluss nach Russland. Unterdessen machte Finanzminister Steinbrück bei seinem US-Amtskollegen Druck.

HB FRANKFURT/BERLIN/LONDON. Weiter keine Klarheit für Opel: Der Mutterkonzern General Motors (GM) will seine deutsche Tochter nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" nun doch behalten. Der GM - Verwaltungsrat werde sich auf seiner nächsten Sitzung in der kommenden Woche dafür aussprechen, Opel nicht zu verkaufen, berichtete die Zeitung am Samstag. Regierungssprecher Ulrich Wilhelm sagte dagegen der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung", die Bundesregierung habe dafür keine Hinweise. Wirtschaftsminister Karl- Theodor zu Guttenberg (CSU) bekräftigte, die Bundesregierung stehe zu ihrer Präferenz für den österreichisch-kanadischen Zulieferer Magna. Auch der belgische Investor RHJI buhlt nach wie vor um Opel.

Guttenberg sagte der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung", er erwarte vom GM-Verwaltungsrat, der am kommenden Dienstag und Mittwoch in Detroit tagen soll, eine klare Entscheidung über den Verkauf. Die betroffenen Arbeitnehmer und ihre Familien hätten es verdient, dass das Hin und Her endlich ein Ende finde. Er bekräftigte, die Bundesregierung habe nur für den Fall, dass Magna den Zuschlag bekomme, Zusagen über Staatshilfen gemacht. Neben dem Bund hatten sich auch die vier Bundesländer mit Opel-Standorten und der Opel - Betriebsrat für Magna ausgesprochen. Auch GM-Europa-Chef Carl-Peter Forster bevorzugt diese Variante.

Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) sprach nach eigenen Angaben am Rande des Treffens der G20-Finanzminister am Samstag in London mit dem US-Finanzminister Timothy Geithner über Opel. "Ich habe ihm die Haltung der Bundesregierung klar gemacht und auch deutlich gemacht, dass wir großen Wert darauf legen, dass das derzeitige Vakuum mit Entscheidungen gefüllt wird", sagte Steinbrück. Sein Eindruck sei, dass die US-Regierung als GM-Haupteigner die Entscheidung über Opel "ziemlich klar" in die Hände des GM-Verwaltungsrates gelegt habe und dass es dort keine große politische Einflussnahme gebe.

Nach Angaben der "Süddeutschen Zeitung" will der US-Konzern verhindern, dass eigene Technologie nach Russland abfließen könnte. Den Amerikanern bereite an dem Magna-Konzept Sorgen, dass die russische Sberbank und der ebenfalls russische Autobauer Gaz beteiligt sind. GM wolle verhindern, dass in Russland in den kommenden Jahren ein neuer Wettbewerber entstehen könnte. Zuvor hatte das "Wall Street Journal" berichtet, GM wolle angeblich mehr als eine Milliarde Dollar in den deutschen Autohersteller investieren.

Opel-Betriebsratschef Klaus Franz sprach von sechs Mrd. Euro, die für die Restrukturierung von Opel/Vauxhall und neue Modelle notwendig seien. Analyst Aleksej Wunrau von der BHF Bank sagte der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX, die Summe könnte bei einem Verbleib von Opel im Konzern wesentlich geringer ausfallen: "Da geht die Tendenz eher in Richtung zwei bis drei Mrd. Euro." GM versuche, die europäischen Regierungen gegeneinander auszuspielen und Subventionen im Tausch gegen Standortgarantien einzusammeln.

Der hessische IG Metall-Chef und Opel-Aufsichtsrat Armin Schild forderte Klarheit über die Zukunft von Opel bis zur Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA), die am 17. September beginnt. Überlagere die Debatte um die Zukunft von Opel die IAA, "wäre dies für das Unternehmen eine Megakatastrophe", sagte er der "WirtschaftsWoche". "Wer das in Kauf nimmt, betreibt die bewusste Schädigung der Marke." Der Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Michael Sommer, sagte der "Passauer Neuen Presse" (Samstag), GM müsse endlich entscheiden. Auf die Frage, ob bei Opel eine weitere Hängepartie drohe, sagte er: "Die Situation ist mehr als schwierig."

Bliebe Opel bei GM, müssten die Amerikaner nach den Worten von Opel-Betriebsratschef Klaus Franz die deutsche Brückenfinanzierung von 1,5 Mrd. Euro sofort zurückzahlen. Nach Forsters Angaben reicht der staatliche Überbrückungskredit bis Januar. Bislang sei rund die Hälfte verbraucht. Der italienische Autobauer Fiat verabschiedete sich derweil endgültig aus dem Bieterrennen um Opel. "Der Grund dafür ist, dass General Motors seine deutsche Tochtergesellschaft Opel gar nicht mehr verkaufen will", sagte "eine Person aus Kreisen des italienischen Konzerns" der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

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