Operativer Gewinn steigt überraschend deutlich
Merck will Diabetes-Forschung beenden

Der Darmstädter Pharma- und Spezialchemiekonzern Merck hat seinen operativen Gewinn im dritten Quartal unerwartet klar gesteigert. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) verringete sich alllerdings um 30 Prozent. Es gibt Effekte, die Merck zu schaffen machen.

HB DARMSTADT. Merck prüft die Aufgabe der Diabetes-Forschung und -Entwicklung. Merck suche nach Partnern für bestehende Projekte auf dem Gebiet, erklärte das Unternehmen am Mittwoch. Es hat zur Behandlung der Zuckerkrankheit unter anderem das Mittel Glucophage mit dem Wirkstoff Metformin auf den Markt. Im dritten Quartal stiegen die Umsätze mit Glucophage-Produkten um 7,7 Prozent auf 67 Mill. Euro.

Merck will sich auf die Onkologie, auf neurodegenerative Erkrankungen, Autoimmun- und Entzündungskrankheiten und Fruchtbarkeit sowie auf endokrinologische Indikationen wie Hormontherapien konzentrieren. Deshalb seien die Entwicklungsprojekte einer Prüfung unterzogen worden. Derzeit hat Merck 41 Projekte in klinischen Studien oder bereits im Zulassungsprozess. Unter den Projekten, die sich nun in der fortgeschrittenen Entwicklung befinden, sind unter anderem zwei Studien mit dem Krebsmittel Erbitux.

Der Pharma- und Spezialchemiekonzern rechnet angesichts des steigenden Euro mit negativen Währungseffekten auf den Umsatz. Der operative Gewinn habe sich um 56 Prozent auf 292 Mill. Euro erhöht, teilte Merck am Mittwoch mit. Analysten hatten im Schnitt mit 275 Mill. Euro gerechnet. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) ging aber um 30 Prozent auf 108,2 Mill. Euro zurück, unter anderem weil Merck die Vorräte von Serono höher bewerten musste. Damit schnitt Merck aber ebenfalls besser ab, als von Analysten mit 93 Mill. Euro erwartet.

Die Umsätze kletterten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 61 Prozent auf 1,74 Mrd. Euro. Darin schlug sich erneut die Übernahme des Schweizer Biotechunternehmens Serono positiv nieder. „Mercks solide Ergebnisse bestätigen unsere Strategie, uns auf innovative Pharmazeutika und Chemikalien zu fokussieren. Obwohl wir Serono integrieren und die Sparte Generics veräußerten, wuchs unser Geschäft weiterhin“, sagte Merck-Chef Karl-Ludwig Kley.

Für das Gesamtjahr rechnet Merck ohne Währungseffekte weiter mit einem Umsatzwachstum um sieben bis neun Prozent im Vergleich zu den aufaddierten Ergebnissen von Merck und Serono im Vorjahr. Die Wechselkurse würden die Zahlen jedoch stark beeinflussen, da Merck mehr als die Hälfte seiner Erlöse außerhalb Europas erzielt, warnte der Konzern. Einschließlich Währungseffekten geht Merck nur von einem Umsatzplus von vier bis sechs Prozent aus. Das operative Ergebnis soll aber um mehr als 20 Prozent zunehmen.

Im Pharmageschäft, das mit Serono rund 70 Prozent der Erlöse ausmacht, lag der Umsatz im dritten Quartal bei 1,2 Mrd. Euro. Vor einem Jahr hatte er ohne die Biopharmazietochter Merck Serono bei 579 Mill. Euro gelegen. Mit dem Krebsmedikament Erbitux setzten die Darmstädter 118 Mill. Euro um, ein Plus von 36 Prozent. Die Umsätze mit dem Multiple-Sklerose-Mittel Rebif, dem wichtigsten Medikament von Serono, kletterten um vier Prozent auf 306 Mill. Euro.

In der Chemiesparte zog der Umsatz um 8,3 Prozent auf 539 Mill. Euro an. Im lukrativen Geschäft mit Flüssigkristallen, wie sie in Flachbildschirmen, Notebooks und Handy-Displays eingesetzt werden, legten die Erlöse um 15 Prozent auf 238 Mill. Euro zu. Hier machten Merck die Währungseffekte besonders zu schaffen - organisch wäre die Sparte um 26 Prozent gewachsen. Die Umsatzrendite sank auf 50,1 von 55 Prozent im Vorquartal. Analysten fürchten, dass sich das Wachstum in der Sparte mittelfristig verlangsamen könnte.

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