Partnerschaften sollen Produktpipeline füllen
Roche setzt aufneue Akquisitionen

Der Schweizer Pharmakonzern Roche sucht nach neuen Allianzen. Mehr als 40 Firmen hat der Basler Konzern im vergangenen Jahr gekauft und 350 Mill. Schweizer Franken (230 Mill. Euro) dafür ausgegeben. Ähnlich viele sollen es in diesem Jahr werden, sagte der Leiter der für die Partnersuche im Pharmabereich zuständigen Abteilung, Peter Hug, gestern in Basel.

BASEL. Der Schwerpunkt der Partnersuche dürfte dabei weiter in den USA liegen, wo die Basler bereits mit mehr als 20 Firmen zusammenarbeiten. Aber auch Deutschland, wo Roche mit Cardion, Morphosys und Phenex schon drei Unternehmen mit ins Boot geholt hat, gehört zu den Gebieten, die Hug im Auge hat. „Der Fokus liegt auf dem Aufspüren von Firmen, die über eine ausgewiesene und nachhaltige wissenschaftliche Plattform, ein engagiertes Managementteam sowie den Willen verfügen, ihr Geschäft auf kooperativer Basis weiter zu entwickeln“, sagte Hug. Namen nannte er gestern nicht.

Hug ist damit einer der wichtigsten Mitspieler von Konzernchef Franz Humer, der mit allen Mitteln versucht, das Wachstum des Unternehmens über dem Marktdurchschnitt zu halten. In diesem Jahr hatte er dabei Erfolg: Das Pharmageschäft von Roche ist im ersten Halbjahr 2004 mit 16 Prozent mehr als doppelt so schnell wie der Markt gewachsen. Auch die Division Diagnostik, das zweite Standbein der Basler, hat weit überdurchschnittlich zugelegt. Dank dieser Entwicklung übertrifft der Konzern sein Ziel einer operativen Marge von 22 Prozent, das er ursprünglich 2006 erreichen wollte, schon in diesem Jahr. Damit sticht Roche auch den örtlichen Konkurrenten Novartis aus, dessen Entwicklung anders verläuft: Zwar wächst auch bei Novartis das Pharmageschäft überdurchschnittlich, doch seit 2001 nehmen die Zuwachsraten ab. Im ersten Halbjahr stieg der Novartis-Pharmaumsatz um elf Prozent.

Eine Erklärung für die dynamischere Entwicklung bei Roche liegt in der Akquisitionspolitik. Roche zählt mit 45 Prozent derzeit zu den Spitzenreitern, was den Anteil der Produkte anbelangt, die in Lizenz verkauft werden. Konkurrenten wie Novartis, Pfizer oder Aventis weisen hier Werte um die 30 Prozent vor. Für Roche ist der hohe Prozentsatz eine Garantie dafür, auch in Zukunft eine gut gefüllte Pipeline mit neuen Produkten vorweisen zu können. Mehr als zwölf pharmazeutische Produkte nannte der Konzern gestern, von denen er sich auch in Zukunft Umsätze von mehr als einer Milliarde Franken verspricht. Mit einem Umsatz von 1,62 Mrd. Franken im ersten Halbjahr gehört das Krebsmedikament Mabthera bereits dazu. Die meisten dieser so genannten Blockbuster seien in Zusammenarbeit mit anderen Firmen entstanden, erklärte ein Sprecher.

Auch in der Branche gilt die Akquisitionspolitik der Basler als erfolgversprechend. Giusep Demont, Pharmaanalyst bei der Zürcher Privatbank Vontobel, hebt besonders den Spielraum hervor, den Roche seinen Partnern lässt und nennt das Beispiel Genentech. Anfang der neunziger Jahre begann Roche in das amerikanische Biotechnologieunternehmen zu investieren. 1999 stockten die Schweizer ihre Beteiligung auf 100 Prozent auf. Inzwischen ist Genentech neben der japanischen Chugai der wichtigste Know-How-Lieferant für den Basler Konzern.

Den Spielraum, den Demont positiv hervorhebt, versuchen Hug und sein Team durch flexible Verträge mit den Partnerunternehmen herzustellen. Als Alternative zum herkömmlichen Lizenzvertrag, in dem es um ein einzelnes Produkt geht, bevorzugen die Basler die „strategische Allianz“. Sie berücksichtige über Produkte und Technologien hinaus Firmenkultur und Businesspläne, heißt es. Die Partner sind damit nicht unzufrieden: Vor allem bei Marketing und Vertrieb sei die Partnerschaft mit dem Pharmariesen von Vorteil, meinte Gardiner Smith, Forschungschef beim auf Alzhei- mer-Medikamente spezialisierten US-Arzneimittelhersteller Memory.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
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