Patentschutz
Niederlage für Bayer im Streit um Antibabypille

Das Pharma-Unternehmen Bayer erleidet einen Rückschlag: Ein Berufungsgericht in Washington hebt den Patentschutz für Bayers Antibabypille Yaz auf. Konkurrent Actavis kündigt den Marktstart einer Nachahmerversion an.
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WashingtonBayer hat im Streit über den Patentschutz für seine Antibabypille Yaz in den USA eine Niederlage einstecken müssen. Ein Berufungsgericht in Washington entschied am Dienstag, dass das Patent teilweise nichtig ist. Die Richter hoben damit ein Urteil eines Gerichtes in Nevada aus dem vergangenen Jahr auf, das den Patentschutz für gültig erklärt hatte. Der Generika-Hersteller Actavis kündigte nun an, seine Nachahmerversion der Pille ab sofort wieder auf den US-Markt zu bringen. Actavis hatte im Januar 2012 damit begonnen, seine Yaz-Kopie zu verkaufen, nahm sie aber nach dem Richterspruch in Nevada wieder vom Markt.

Das Urteil des Berufungsgerichts drückte am Mittwoch auf den Kurs der Bayer-Aktie: Die im Dax notierten Anteilsscheine verloren 2,3 Prozent auf 79,20 Euro.

Bayer streitet sich in den USA mit mehren Generikaherstellern, die Nachahmerpräparate von Yaz in den USA verkaufen wollen. Neben Actavis wollen auch die Novartis -Tochter Sandoz und der indische Hersteller Lupin Yaz-Kopien auf den Markt bringen. Die Firmen hatten argumentiert, das Patent sei ungültig. Das Berufungsgericht gab ihnen nun Recht. Eine Bayer-Sprecherin erklärte, das Unternehmen sei anderer Auffassung und prüfe, wie es sich verhalten werde. Eigentlich wäre der Patentschutz erst am 30. Juni 2014 abgelaufen.

Yaz ist eine Variante der Antibabypille Yasmin. Die Produktfamilie, die Bayer vom zugekauften Schering-Konzern übernommen hatte, brachte dem Unternehmen 2012 weltweite Umsätze von 1,045 Milliarden Euro ein. Die Erlöse sanken aber, da in Europa bereits Generika auf dem Markt sind. Zudem gibt es in den USA wegen potenzieller Nebenwirkungen milliardenschwere Rechtsstreitigkeiten. Zwar erhöhen alle Antibabymittel das Risiko von Blutgerinnseln. Nach Ansicht der US-Aufsichtsbehörde FDA könnte die Gefahr bei neueren Präparaten aber höher sein, weil darin das künstliche Hormon Drospirenon verwendet wird. Die gerichtliche Auseinandersetzung um Thrombose-Gefahren von Antibaby-Pillen, die Drospirenon enthalten, währt schon Jahre. Bis zum 12. Februar hatte sich Bayer ohne Anerkennung einer Haftung insgesamt mit 4800 Klägerinnen verglichen und dafür rund eine Milliarde Dollar gezahlt. Insgesamt waren seinerzeit in den USA noch etwa 13.600 gerichtliche und außergerichtliche Ansprüche offen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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