Peugeot-Deal mit GM
Opel-Chef wurde von Übernahmeplänen überrascht

Der mögliche Verkauf von Opel an den Rivalen Peugeot kam für Firmenchef Neumann offenbar überraschend. Er soll ganz andere Pläne für den Autobauer gehabt haben. Die Politik sorgt sich zunehmend um die Arbeitsplätze.
  • 6

Rüsselsheim/Paris/DetroitDie mögliche Übernahme des Autoherstellers Opel durch die französische PSA-Gruppe hat offenbar auch Opel-Chef Karl-Thomas Neumann überrascht. Monatelang soll daran gearbeitet haben, Opel zur Elektromarke umzubauen, berichtet das „Manager Magazin“. Neumann sehe die Gefahr, dass Opel die Investitionen sowohl in Elektroautos als auch in Verbrennungsmotoren nicht stemmen könnte. Über die Verhandlungen mit PSA hat der Mutterkonzern GM die Tochter in Rüsselsheim erst am Dienstagmorgen informiert, wie das „Manager Magazin“ schreibt. Ein Opel-Sprecher wollte den Bericht nicht kommentieren.

Die Spitze des Opel-Mutterkonzerns reiste am Mittwoch nach Rüsselsheim. GM-Chefin Mary Barra und der Opel-Aufsichtsratsvorsitzende Dan Ammann wollten sich am Mittwoch zu Gesprächen treffen, wie ein Opel-Sprecher bestätigte. Er machte aber keine Angaben zu Gesprächspartnern und Inhalt. Es seien anschließend keine Stellungnahmen geplant.

Unterdessen hat der mögliche Opel-Deal der französischen PSA-Gruppe auch die deutsche Politik erreicht. Die Bundesregierung misst nach den Worten von Arbeitsministerin Andrea Nahles dem Erhalt der drei deutschen Opel-Standorte den höchsten Rang bei. „Die Bundesregierung hat heute im Kabinett das Thema Opel intensiv diskutiert“, sagte sie am Mittwoch in Berlin. Sie forderte von der zuständigen Konzernleitung, dringend das Gespräch mit den Arbeitnehmervertretern zu suchen. Es gebe schon Gespräche auf verschiedenen Ebenen mit Opel und deren Konzernmutter GM sowie mit PSA. Oberste Priorität habe die Sicherung der drei Opel-Standorte in Deutschland.

Peugeot teilte in Paris mit, Konzernchef Carlos Tavares suche das Gespräch mit ranghohen deutschen Regierungsvertretern. Medienberichten zufolge strebt er ein Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel an. Zuvor hatte die „Bild“-Zeitung über den Vorstoß berichtet.

Bundesregierung und IG Metall hatten sich von den Verkaufsgesprächen zwischen der Peugeot-Mutter PSA und dem Opel-Eigner General Motors überrascht gezeigt. Die neue Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) hatte die Konzerne kritisiert. Es sei „inakzeptabel“, dass die beiden Unternehmen vorab Betriebsrat, IG Metall sowie Landes- und Bundesregierung nicht von ihren Plänen informiert hätten.

Die Konzerne loten nach eigenen Angaben verschiedene Möglichkeiten zur Expansion und Kooperation aus. Es sei jedoch noch ungewiss, ob eine Einigung erzielt werde. Die beiden Autohersteller arbeiten bereits seit 2012 bei verschiedenen Projekten in Europa zusammen und waren zwischenzeitlich auch auf der Kapitalseite miteinander verbunden. Bei einer Übernahme würde PSA zum zweitgrößten Autoproduzenten in Europa hinter Volkswagen aufsteigen.

Bei Opel stehen nach Einschätzung des Branchenexperten Ferdinand Dudenhöffer Tausende Jobs auf dem Spiel. Vor allem am Stammsitz Rüsselsheim könnten zentrale Einheiten verkleinert oder ganz abgebaut werden, weil ihre Aufgaben im Konzern übernommen werden könnten, betonte Dudenhöffer am Mittwoch. Betroffen wären etwa der Einkauf, der Vertrieb, das Marketing sowie Teile des Entwicklungszentrums. Mindestens ein Drittel der rund 15.000 Jobs in Rüsselsheim stünde bei einer Übernahme zur Disposition.

Die Opel-Produktion würde voraussichtlich in den ebenfalls nicht ausgelasteten PSA-Autobau eingegliedert. Das lasse sich aus der bisherigen Mehrmarken-Strategie der PSA mit Peugeot, Citroen und DS ablesen. „Es gibt keine Markenwerke, sondern nur Konzernwerke, in denen alle Markenprodukte gefertigt werden“, betonte der Direktor des CAR-Instituts der Universität Duisburg-Essen. Die vorhandenen Kapazitäten seien eher zu groß, so dass die Lage für die Opel-Werke in Eisenach und Kaiserslautern über Nacht schlechter geworden sei.

Seite 1:

Opel-Chef wurde von Übernahmeplänen überrascht

Seite 2:

SPD fordert Erhalt deutscher Standorte

Kommentare zu " Peugeot-Deal mit GM: Opel-Chef wurde von Übernahmeplänen überrascht"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Meine erstes eigenes Auto war ein Opel Kadett. Er hat es auf fast 200.000 km gebracht. Der Motor hätte auch noch mindestens weitere 100.000 km locker durchgehalten, ABER: in seinem letzten Lebensjahr stand er mehr Tage in der Werkstatt als bei mir in der Garage. Als dann der Anlasser ausgerechnet an der Schranke eines Parkhauses verreckte, reichte es mir, und er wanderte zum Schrotthändler. Nun fahre ich seit 12 Jahren einen Toyota (älterer Generation, der auch noch in Japan gebaut wurde). Kein Rost keine größeren Reparaturen, nur Ersatz von Verschleißteilen. Opel? Garantiert nie mehr.

  • Erwarten Sie allen Ernstes, daß ein Unternehmen, das ständig Verlust macht, ewig weiterbestehen kann? Erwarten Sie im Ernst, daß ein Unternehmer erst die Erlaubnis der Arbeitnehmer benötigt, bevor er Zukunftslösungen ausloten darf?

  • Der Chef wurde ueberrascht....????
    Whatta a Chef...wohl noch im Winterschlaf(f)-Modus !!
    aber: GM hat auf aehnliche Weise auch die MARKE SATURN in den USA eingestampft... unerwartet und ueberraschend...!
    ..und das war auch gut so, fuer die US Steuerzahler & letztlich auch fier die Aktionaere von GM!
    Die PSA =Group hat ein enges Haendlernetz in GB, so dass die VAUXHALLs auch "geserviced" warden koenen, nach dem Einstampfen der Marke OPEL...!

    R.I.P.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%