Pharma-Branche
Merck will mit Erbitux im Onkologie-Geschäft vorrücken

Die Merck-Gruppe will ihre Position auf dem Markt für Krebsmedikamente stärken. Das Zugpferd Erbitux darf nun auch bei weiteren Krankheitsbildern verabreicht werden. Neue Studien weisen die Wirkung des Medikaments bei Darm- und Lungenkrebs nach.

FRANKFURT. Der Darmstädter Merck-Gruppe will ihre Position auf dem rund 30 Mrd. Euro großen Markt für Krebsmedikamente deutlich ausbauen. Eine wesentliche Grundlage sieht der Pharma- und Chemiekonzern in positive Studiendaten für das Medikament Erbitux, die er am Wochenende auf der Jahrestagung der amerikanischen Krebsmediziner-Vereinigung (ASCO) vorstellte.

"Wir erwarten uns sowohl im Lungen- wie auch im Darmkrebs eine signifikante Erweiterung der Marktanteile von Erbitux.", sagte Wolfgang Wein, der Leiter der Merck-Onkologiesparte dem Handelsblatt. Die europäische Arzneimittelbehörde Emea gab Erbitux am Freitag eine erweiterte Zulassung für die Behandlung von Darmkrebs. Das Mittel ist mit 470 Mill. Euro Umsatz und 40 Prozent Steigerung im vergangenen Jahr heute bereits wichtigster Wachstumsträger für das 4,5 Mrd. Euro große Pharmageschäft von Merck. Wein geht davon aus, dass Erbitux in absehbarer Zeit zum bisherigen Merck-Spitzenprodukt, dem Multiple-Sklerose-Mittel Rebif (Umsatz 1,2 Mrd. Euro) aufschließen kann.

Analysten sind bisher geteilter Meinung, welches zusätzliches Umsatzpotenzial für Erbitux aus den neuen Daten resultieren könnte. Ihre Schätzungen bewegen sich zwischen mehreren Hundert Mill. Euro und mehr als einer Mrd. Euro. Einige Experten gehen dabei davon aus, dass ein stärkerer Einsatz von Erbitux die Perspektiven des Konkurrenzprodukts Avastin von Roche beschneiden könnte, das bisher in der Darm- und Lungenkrebstherapie dominiert.

Forscher von Merck konnten auf dem diesjährigen ASCO-Meeting, dem weltweit wichtigsten Kongress der Krebsmediziner, gleich zwei Studien präsentieren, die besondere Beachtung fanden. So legte der Konzern zum einen Daten vor, wonach Erbitux bei einer bestimmten Gruppe von Darmkrebspatienten besonders gut wirkt. Dabei handelt es sich um jene Patienten, bei denen ein bestimmtes Gen, das das Signal-Protein KRAS codiert, nicht mutiert ist. KRAS spielt eine wichtige Rolle in der chemischen Informationskette, die vom EGFR-Rezeptor ausgeht und das Zellwachstum steuert. Der Pharmawirkstoff Erbitux wiederum zielt auf eine Blockade der EGFR-Signalkette.

Das KRAS-Gen, so die Erwartung, kann künftig als Biomarker genutzt werden, um die Patienten identifizieren, bei denen Erbitux besonders gut wirkt. Damit dürften sich die Chancen erhöhen, dass der Wirkstoff bei rund 60 Prozent aller Darmkrebspatienten, deren KRAS-Gen nicht mutiert ist, verstärkt zum Einsatz kommt.

Eine solche Selektion wäre auch ein weiterer Erfolg für die so genannte Pharmakogenomik, die darauf zielt, Therapien stärker auf Basis genetischer Eigenschaften der Patienten zu differenzieren. Viele Pharmafirmen suchen inzwischen intensiv nach biologischen Markern, die eine bessere Auswahl von Patienten und damit auch bessere Erfolgsprognosen für neue Wirkstoffe ermöglichen.

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