Pharma-Fusionsfieber
Fresenius blättert Milliarden für Akorn hin

Erst im September hat Fresenius mit Quironsalud die größte Übernahme seiner Geschichte in Angriff genommen. Nun macht der Gesundheitskonzern für Akorn erneut Milliarden locker – und kauft gleich noch eine weitere Firma.
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FrankfurtDer neue Fresenius-Chef Stephan Sturm gibt beim hessischen Gesundheitskonzern ein hohes Tempo vor. Neun Monate nach seinem Amtsantritt tütete der ehemalige Investmentbanker in der Nacht auf Dienstag eine zweite Milliarden-Übernahme ein. Die Hessen schlucken den US-Konkurrenten Akorn für 4,75 Milliarden Dollar (rund 4,4 Milliarden Euro) und stärken damit ihr Geschäft mit Nachahmer-Medikamenten in den USA. Es ist die zweitgrößte Akquisition in der Fresenius-Geschichte nach dem kürzlich besiegelten Kauf des spanischen Klinikbetreibers Quironsalud für 5,8 Milliarden Euro.

Zudem kauft die Fresenius-Generika-Sparte Kabi dem Darmstädter Pharmakonzern Merck dessen Geschäft mit Biosimilars ab, also mit Nachahmer-Medikamenten von Biotech-Arzneien. „Mit diesen Akquisitionen stellen wir bei Fresenius Kabi die Weichen für ein noch breiter angelegtes und dauerhaft kräftiges Wachstum über das laufende Jahrzehnt hinaus“, sagte Sturm. Bei Analysten kamen die Zukäufe gut an. „Der Akorn-Deal macht für Fresenius finanziell und strategisch Sinn, weil der Konzern damit sein bestehendes Geschäft ausbaut“, erklärten die Analysten von Berenberg. Noch spannender sei allerdings die Übernahme der Biosimilars von Merck, weil Fresenius damit in einen völlig neuen Markt einsteige.

Der Konzern hat viele Jahre einen Bogen um dieses Geschäft gemacht, sieht nun jedoch den richtigen Zeitpunkt für einen Markteintritt gekommen. „Wir haben immer gesagt, das regulatorische Umfeld muss sich klären, bevor wir in Biosimilars investieren“, sagte Sturm der Nachrichtenagentur Reuters. „Da hat sich in der jüngeren Vergangenheit eine ganze Menge getan.“

Fresenius zahlt Merck für seine Geschäftssparte anfänglich 170 Millionen Euro. Abhängig vom Erreichen von Entwicklungszielen können in den kommenden Jahren weitere 500 Millionen Euro fließen. „Biosimilars sind ein schnell wachsendes Segment des Pharma-Markts“, erklärte Fresenius-Manager Mats Henriksson. „In den nächsten Jahren werden einige der größten Marken-Biopharmazeutika ihren Patentschutz verlieren.“

Merck will sich bei Investitionen auf andere Geschäftsbereiche konzentrieren und hatte sein Biosimilars-Geschäft deshalb zum Verkauf gestellt. Beide Unternehmen wollen die bestehenden Produkte zusammen weiterentwickeln. Wenn es Nachahmer-Medikamente am Ende auf den Markt schaffen, winkt Merck eine Umsatzbeteiligung im einstelligen Prozentbereich.

Bis Fresenius in dem Bereich schwarze Zahlen schreibt, wird es aber noch einige Zeit dauern. Erst ab 2023 rechnet der Konzern mit einem deutlich positiven Ergebnisbeitrag und Umsätzen im hohen dreistelligen Millionen-Euro-Bereich. Bis dahin sollen in die Entwicklung der Biotech-Nachahmer-Medikamente bis zu 1,4 Milliarden Euro fließen - Kaufpreis und Meilensteinzahlungen bereits eingerechnet.

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