Pharmabranche am aktivsten
Schleppendes Geschäft mit Fusionen

Das für die Wall Street einst so lukrative Geschäft mit Fusionen und Übernahmen liegt derzeit am Boden und dürfte sich auch im zweiten Halbjahr nur schleppend erholen. Experten rechnen außerdem mit weiteren Transaktionen im Pharmabereich, wo sich Großkonzerne durch Zukäufe darauf vorbereiten, dass Patente für umsatzstarke Medikamente auslaufen.

NEW YORK. „Am ehesten werden wir mehr Deals zur Übernahme angeschlagener Firmen sehen“, sagte Adam Sussman von der Beratungsgesellschaft Tabb Group.

Im ersten Halbjahr 2009 fiel die Zahl der Transaktionen in Nordamerika nach Daten von Mergermarket um 47 Prozent auf einen Gesamtgegenwert von rund 351 Mrd. Dollar. Grund für die Misere ist vor allem, dass es durch die Finanzkrise viel schwieriger geworden ist, Fremdkapital für Übernahmen aufzutreiben. In dem Maße, wie der Kreditmarkt wieder aufgetaut ist, erholte sich nach dem Rekordtief im ersten Quartal zuletzt auch das Geschäft mit Fusionen und Übernahmen (M&A). Der teuerste Deal war die Übernahme des Pharmakonzerns Wyeth durch den Konkurrenten Pfizer für 64 Mrd. Dollar. Insgesamt entfielen 47 Prozent des Gesamtvolumens an Deals auf diese im Umbruch befindliche Branche, die sich auf die steigende Bedeutung von patentfreien Nachahmermedikamenten vorbereitet.

Großes Wachstumspotential bescheinigen Experten vor allem Übernahmen von angeschlagenen Firmen. Deren Zahl stieg im ersten Halbjahr 2009 auf 140 mit einem Volumen von 84 Mrd. Dollar nach 20 Mrd. Dollar im gesamten Jahr 2008, wie der Datenanbieter Dealogic ausgerechnet hat. In vielen Fällen kauften sich Hedge-Fonds und Private-Equity-Investoren Anleihen angeschlagener Firmen, um diese dann bei Zahlungsunfähigkeit in Eigenkapital zu wandeln. Diese Strategie wandten etwa die Hedge-Fonds Elliot Management und Silver Point Capital erfolgreich beim insolventen Autozulieferer Delphi an. „Vermutlich wird es demnächst noch mehr solcher Transaktionen geben“, sagte Private-Equity-Berater Frank Grell von der Kanzlei Latham Watkins.

Während die Wall-Street als Ganzes unter der schwachen M&A-Konjunktur in der Krise leidet, gibt es auch einige Gewinner. So konnten eine Reihe von kleineren Investmentbanken von der Krise der Großen profitieren. Die Beraterboutique Greenhill etwa rückte um 20 Plätze auf Position 9 der Branchenhackordnung vor. Unter anderem war Greenhill einer der Topberater bei der Restrukturierung und dem Verkauf des insolventen Autoherstellers Chrysler an eine von Gewerkschaften und der den Regierungen der USA und Kanadas geführten neuen Eigentümergruppe. Auffällig ist auch Blackstones Sprung in der Rangliste von Position 36 auf 17. Firmen wie Greenhill, Evercore, Parella Weinberg Partners und Rothschild hatten nach dem Verschwinden von Investmentbankgrößen wie Lehman Brothers und Bear Sterns deren Experten eingekauft und profitieren nun von deren Kontakten.

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