Pharmabranche
Pharma fürchtet um US-Markt

Harte Zeiten für Pharma- und Medizintechnik-Konzerne: Die geplante Gesundheitsreform in den USA engt den Spielraum für Preiserhöhungen drastisch ein. Was auf die Pharmabranche künftig zukommt, und wie die Konzerne versuchen, den drohenden Niedergang des US-Marktes zu kompensieren.

FRANKFURT. Für die Pharmabranche waren die Vereinigten Staaten stets so etwas wie das gelobte Land. Kein anderer Markt bot bislang derart große Freiheit in der Preisgestaltung, so viele Möglichkeiten im Marketing und so hohe Margen wie das US-Geschäft. Im Durchschnitt der vergangenenn zehn Jahre erzielten die großen Arzneimittelkonzerne etwa 45 Prozent ihrer Umsätze und vermutlich mehr als 60 Prozent ihrer Gewinne in den USA.

Doch schon seit zwei, drei Jahren verliert das Pharmaparadies an Glanz. Und nun droht mit der Gesundheitsreform des neuen US-Präsidenten Barack Obama eine weitere Verschärfung der Rahmenbedingungen. Noch sind zwar keine Details geregelt, doch die meisten Branchenbeobachter gehen davon aus, dass Obamas Pläne die Arzneimittelhersteller per saldo mehr belasten als fördern. Anders als bei dem gescheiterten Anlauf der Clinton-Regierung in den frühen 90er-Jahren gilt es diesmal zudem als relativ sicher, dass eine Reform tatsächlich kommen wird - wenn auch eher in kleineren Schritten als in Gestalt einer großen Mega-Reform. "Der Einfluss der Regierung auf die Pharmapreise dürfte zunehmen und die Kontrolle der Pharmabranche intensiviert werden", schätzt Todd Evans, Direktor für den Bereich Pharma und Life Sciences bei der Beratungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers. Pharmawerte verbuchten bereits deutliche Kursverluste, nachdem Obama in seiner Etatrede klarmachte, dass eine Gesundheitsreform nicht mehr warten könne.

Die Entwicklung trifft die Pharmabranche in einer Phase, in der sie ohnehin mit strukturellen Schwierigkeiten kämpft und im US-Geschäft bereits erheblich an Dynamik eingebüßt hat. Nach jüngsten Daten des Marktforschers IMS Health sind die Umsätze auf dem amerikanischen Arzneimittelmarkt 2008 nur noch um 1,3 Prozent gestiegen. Das ist die niedrigste Wachstumsrate seit Jahrzehnten. Preiserhöhungen - in der Vergangenheit stets ein maßgeblicher Faktor für die Umsatzsteigerungen - sind kaum noch durchsetzbar. IMS nennt als wesentliche Gründe: eine höhere Nachfrage nach preiswerten Nachahmerprodukten (Generika), schwächere Verkäufe neuer Produkte und eine geringere Verbrauchernachfrage aufgrund der Konjunkturflaute.

Obamas Initiative dürfte den Druck weiter verstärken, obwohl sie keineswegs nur negative Maßnahmen aus Sicht der Industrie umfasst. So könnte das Vorhaben, allen US-Bürgern eine staatliche Krankenversicherung zu bieten, tendenziell das Kunden- und Absatzpotenzial für die Pharmabranche erweitern. Dem dürfte allerdings steigender Preisdruck gegenübersehen.

Eine der unmittelbarsten Gefahren für Big Pharma sehen Branchenkenner dabei in Plänen, künftig direkte Preisverhandlungen der staatlichen Versicherung Medicare mit den Pharmaherstellern zu erlauben. Bisher sind diese verboten. Werden sie freigegeben, könnte die US-Regierung künftig ihre beachtliche Marktmacht ausspielen und die Preise für im Rahmen von Medicare verordneten Medikamente drücken. Von der staatlichen Versicherung für ältere und behinderte Bürger wird heute bereits rund ein Fünftel des US-Arzneimittelmarkts bestritten. Obama bezifferte das Einsparpotenzial in seinem Wahlkampfprogramm auf 30 Mrd. Dollar.

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