Pharmaforschung
Umkämpfte Revolution in der Krebstherapie

Die Immuntherapie verspricht einen Paradigmenwandel im Kampf gegen Krebs und ein Milliardengeschäft für Pharmakonzerne. Im Wettkampf um diesen neuen Markt baut der Roche-Konzern die Forschung auf dem Gebiet massiv aus.

BaselDer Pharmariese Roche will seine Position als weltweit größter Hersteller von Krebsmedikamenten mit aller Macht verteidigen und in den nächsten Jahren auch auf dem neuen, heißen Feld der Krebsimmuntherapie eine Führungsrolle übernehmen. Das machten Manager des Schweizer Konzerns auf einer Präsentation zur Krebsforschung deutlich. Firmenchef Severin Schwan spricht mit Blick auf die Fortschritte in der Immuntherapie gegen Krebs von einem Paradigmenwechsel und einer revolutionären Entwicklung: „Ohne Zweifel wird in fünf bis zehn Jahren die Behandlung von Krebs ganz anders aussehen als heute.“

Was die Entwicklung marktreifer Wirkstoffe angeht, liegt Roche bislang allerdings noch deutlich zurück gegenüber den US-Konkurrenten Bristol-Myers Squibb (BMS) und Merck & Co,  die seit 2011 bereits drei solcher Medikamente durch die Zulassung gebracht haben, die unter den Namen Yervoy, Opdivo (BMS) und Keytruda (Merck) vermarktet werden. Das bisher gegen Haut- und Lungenkrebs zugelassenen Mittel Opdivo von BMS bewerten Analysten derzeit als Wirkstoff mit dem höchsten Umsatzpotenzial im Onkologiemarkt. 

Um den Vorsprung der US-Konkurrenz aufzuholen, hat Roche ein massives Forschungsprogramm auf dem Gebiet der Immun-Onkologie initiiert, mit inzwischen mehr als drei Dutzend klinischen Studien. Insgesamt arbeitet der Baseler Konzern an rund 20 neuartigen Wirksubstanzen auf dem Gebiet, wovon sieben bereits klinisch getestet werden. Fast die Hälfte von insgesamt 45 Wirkstoffkandidaten in der Onkologie-Pipeline des Konzerns entfällt damit  auf den neuen Forschungsansatz.

Allein seit Jahresbeginn startete Roche zehn neue zulassungsrelevante Phase-3-Studien mit seinem am weitesten fortgeschrittenen Krebsimmun-Wirkstoff Atezolizumab; vier weitere Studien laufen bereits seit 2014. Der Wirkstoff wird von der US-Zulassungsbehörde FDA als potenzieller Therapiedurchbruch im Bereich Blasenkrebs und Lungenkrebs eingestuft und von Roche darüber hinaus auch gegen Brust- und Nierenkrebs getestet. Die ersten Zulassungen erwartet der Konzern für 2016.

Gemessen an der großen Zahl an Produktkandidaten in den frühen Forschungsphasen dürfte der Baseler Pharmakonzern inzwischen über das breiteste  Entwicklungsprogramm auf dem Feld verfügen. Und Daniel O’Day, der die Pharmasparte von Roche leitet, ist überzeugt: „Wir werden auch auf diesem Gebiet der führende Anbieter sein.“ Was neue Immuntherapien angehe, habe man bisher letztlich nur die Spitze des Eisbergs gesehen. „Das ist ein Marathonlauf.“

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