Pharmakonzern Pfizer
Stagnierende Umsätze, wachsende Spekulationen

Der US-Konzern Pfizer, die Nummer eins der Pharmabranche, hat die Gewinnprognose für 2017 leicht angehoben. Aber die Umsätze des Pharmariesen sind weiter rückläufig. Das nährt Spekulationen um neue Übernahmepläne.
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FrankfurtPfizer-Chef Ian Read demonstriert Zuversicht. Man sei zufrieden mit dem zweiten Quartal und habe eine starke Pipeline von Medikamenten in der Entwicklung, verkündete er am Dienstag bei Vorlage der Zahlen für das erste Halbjahr. „Für die kommenden fünf Jahre sehen wir Chancen für 25 bis 30 Zulassungen, davon 15 mit Blockbuster-Potenzial.“

Seine Gewinnprognose für 2017 hat der weltweite führende Pharmasteller um zwei Cent je Aktie angehoben. Pfizer rechnet jetzt mit einem bereinigten Gewinn je Aktie von um die 2,57 Dollar, was einem Plus von sieben Prozent gegenüber dem Vorjahr entsprechen würde. Der Umsatz dagegen dürfte mit 52 bis 54 Milliarden Dollar in etwa auf dem Vorjahresniveau stagnieren.

Die Zahlen des Branchenführers sind in vieler Hinsicht exemplarisch für die Big-Pharma-Konzerne. Die meisten Vertreter geben sich optimistisch mit Blick auf die Produktentwicklung und die mittelfristigen Aussichten. Das aktuelle Geschäft indessen entwickelt sich nur mäßig. Denn nach wie vor stehen den wachstumsstarken Neuentwicklungen zu viele Produkte und Segmente mit Preisverfall und Generika-Konkurrenz gegenüber, so auch bei Pfizer.

Das nährt bei Analysten und Branchenbeobachter Spekulationen, der US-Konzern könnte einen neuen Anlauf zu einer großen Übernahme starten. Als mögliche Ziele werden etwa die Konkurrenten Astra-Zeneca und Bristol-Myers Squibb (BMS) gehandelt, die beide in den zurückliegenden Monaten Rückschläge in der Produktentwicklung zu verkraften hatten. Pfizer hatte in den letzten drei Jahren bereits zwei große Transaktionen versucht, zunächst die Übernahme von Astra-Zeneca, später die Fusion mit Allergan. Beide Vorhaben indessen musste man wieder abblasen. Statt dessen begnügte sich Pfizer mit zwei kleineren Zukäufen: der Übernahme des Generikaherstellers Hospira und des Krebsmittel-Spezialisten Medivation.

Gegenüber der damaligen Ausgangssituation hat sich seither im Grunde dennoch wenig geändert: Es fehlt weiter an organischem Wachstum. Im Falle Pfizer schlug sich der Preisdruck bei Altprodukten sowohl im zweiten Quartal als auch im ersten Halbjahr in einem Umsatzrückgang von jeweils zwei Prozent nieder, auf 12,9 Milliarden Dollar im Quartal und 25,7 Milliarden Dollar im Halbjahr.

Der ausgewiesene Nettogewinn verbesserte sich im zweiten Quartal dagegen um die Hälfte auf gut drei Milliarden Dollar und im Halbjahr um ein Fünftel auf 6,2 Milliarden Dollar. Ausschlaggebend dafür waren vor allem geringere Sonderabschreibungen und weniger Aufwand im Zusammenhang mit Akquisitionen. Bereinigt um solche Faktoren erhöhte sich der Halbjahresgewinn laut Pfizer um zwei Prozent auf 8,2 Milliarden Dollar.

Pfizer verbuchte zwar mit einigen seiner jüngeren Produkte, darunter insbesondere das erfolgreiche Brustkrebsmittel Ibrance und der Gerinnungshemmer Eliquis, hohe zweistellige Wachstumsraten. Andererseits büßte das umfangreiche, und überwiegend patentfreie Sortiment an Altprodukten im ersten Halbjahr zusammen rund zehn Prozent an Umsatz ein.

Und diese älteren Produkte, darunter etwa der Cholesterinsenker Lipitor, das Potenzmittel Viagra in Europa und das Antibiotikum Zithromax, repräsentieren noch immer rund 40 Prozent des Konzernumsatzes. Der US-Konzern hatte diesen Bereich 2015 sogar noch gestärkt durch die Übernahme von Hospira. Zudem muss Pfizer in den nächsten Jahren weitere Patentabläufe verkraften. So laufen etwa die Schutzrechte für das umsatzstarke Schmerzmittel Lyrica in den USA aus.

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