Planwirtschaft Energie
Warum unser Strom wirklich so teuer ist

Auf der Handelsblatt-Energietagung sprechen ab heute die wichtigsten Vertreter der Branche über die Höhe des Strompreises. Denn der Verbraucher zahlt mit für die Unfähigkeit der Politik, den Wandel richtig zu managen.
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DüsseldorfDer Versuch ist ehrenhaft, aber zum Scheitern verurteilt. Um die erneuerbaren Energien aus der permanenten Förderung endlich an den Markt zu bringen, führte die Bundesregierung Anfang des Jahres ein Instrument mit dem passenden Namen „Marktprämie“ ein.

Das Urteil von Branchenvertretern ist aber schon jetzt vernichtend. Die Marktprämie sei ungeeignet – und koste die Verbraucher noch einmal mehrere hundert Millionen Euro. Und das Urteil kommt sowohl von den etablierten Konzernen, als auch von Vertretern der erneuerbaren Energien.

Seit das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) im Jahr 2000 eingeführt wurde, hat Strom- aus Wind, Sonne, Wasser oder Biomasse Vorfahrt. Die Betreiber der Anlagen dürfen ihren Strom vorrangig ins Netz einspeisen – und bekommen dafür einen festen Preis, der die Kosten deckt und in den meisten Fällen höher als der Strompreis an der Börse liegt.

Jetzt wollte die Bundesregierung mit der Marktprämie einen Anreiz setzen, dass die Firmen ihren Strom über die Börse verkaufen, statt die Netzgesellschaft zwischen zu schalten. Wenn sie dabei mehr Geld einnehmen als sie über die EEG-Einspeisevergütung erhalten würden, machen sie ein gutes Geschäft. Wenn nicht, sind sie abgesichert: Die Betreiber können bei Misserfolg am Markt monatlich wieder auf die EEG-Umstellung umstellen.

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Es ist für die Betreiber also absolut risikolos, sich am Markt zu versuchen. Aber nicht nur das: Versüßt wird ihnen der Versuch durch eine „Managementprämie“. Bei Windenergie sind das 1,2 Cent je Kilowattstunde (KWh) zusätzlich zum EEG-Preis von neun Cent je KWh für Anlagen an Land und zusätzlich zu 15 Cent für Offshore-Windstrom. Auch die Prämie wird auf die Strompreise umgelegt.

„Natürlich nehmen wir die Prämie dankbar mit“, sagt Fritz Vahrenholt, Vorstandschef von RWE Innogy, der Grünstromtochter des Energiekonzerns. Den Produzenten bringt sie zusätzliche Rendite,  den Verbrauchern aber zusätzliche Kosten, wie Vahrenholt kritisiert. Auf rund 500 Millionen Euro zusätzlich schätzt Vahrenholt die Belastung durch die Marktprämie alleine bei Windstrom. Und ein Problem sieht er zusätzlich: Der Strom aus den Windrädern wird jetzt gemeinsam wie Kohl- und Atomstrom an der Börse verkauft – und ist nicht mehr als grüner Strom erkennbar. Damit verliere er aber ein wichtiges Verkaufsargument.

Kommentare zu " Planwirtschaft Energie: Warum unser Strom wirklich so teuer ist"

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  • Die Lösung wäre so einfach: Die Politiker, inklusive die Ex-Marktwirtschaftler der FDP, müssten endlich aufhören sich in die Martkwirtschaft einzumischen und den Markt zu verzerren. Der Markt is schlauer,gerechter ("sozialer") und erfinderischer als jeder Politiker. Lässt man den Energiemarkt in Ruhe, hört auf mit Ökosteuern, Stromsteuern, EEG-Umlagesteuer, Subventionen, EE-Ausbauzielen usw., dann hätte man in 5 bis 10 Jahren wieder normale Preise, also etwa 10 Cent pro Kilowattstunde.

    Was wir stattdessen haben, und dazu noch von der scheinheiligen "kapitalistischen" CDU/CSU/FDP, ist wie richtig im Artikel erkannt, "Planwirtschaft". Planwirtschaft führt immer in den Ruin, ganz einfach deshalb weil man nicht mit dem eigenen Geld verplant, sondern mit dem Geld anderer Leute. Merkel und Schäuble, die Milliarden und Abermilliarden den "erneuerbaren" hinterherwerfen, haften nicht mit auch nur 1 Cent ihres Vermögens für die Folgen. Wenn CO2 tatsächlich schädlich ist, dann sind Emissionszertifikate gerechtfertigt, und der Markt wird dann entscheiden wie man CO2 am besten vermeidet. Gut, dann werden sich aber Atomkraftwerke am Markt durchsetzen, denn diese haben Null Emissionen, und das muss die Politik dann eben auch akzeptieren, und nicht willkürlich Steuern "erfinden" wie Schäuble's "Brennelementesteuer" mit der man aus dem Nichts einfach Gewinne "abschöpft" die doch völlig legitim sind - wenn ein Kraftwerk keine Emissionen hat, muss es auch belohnt werden. Es muss auch das Recht auf Freiheit und Besitz gewahrt bleiben, und dazu gehört auch, daß mann nicht einfach von oben herab AKW, die im Privatbesitz sind, abschalten darf, nur weil man Merkel heisst. Das scheint aber der Fall zu sein, und die kommunistische Planwirtschaft inklusive 75% Gesamtsteuerbelastung für Berufstätige sind bei den deutschen Zipfelmützen jetzt der Normalzustand.

  • Also ich kann User Energieelite nur beipflichten. Solange wir nichts besseres haben, können wir uns nicht unserem Wunschdenken hingeben. Da wird hier oft alles ein bisschen zu rosig gesehen. "Wir brauchen dich nur intelligente Stromspeicher" oder "Wir brauchen doch nur einen besseren Netzausbau" oder "Wir brauchen dezentrale Stromerzeugung". Wunderbare Erkenntnisse. Wer von euch, der beim Hausbau damals Geld sparen wollte und auf einer Fundamentbodenplatte gebaut hat, denkt jetzt darüber nach einen Keller nachzurüsten? Dafür muss leider erst das Haus abreißen. Und dann am Besten noch bei allen Nachbarn darum bitten, dass alle dafür ihr Geld zusammenlegen. Wenn eine Struktur über einen sehr langen Zeitraum gewachsen ist, dann kann man doch nicht in kürzester Zeit alles über den Haufen werfen. Welcher Möbel-Fabrikant auf einer Werksfläche von 20.000 qm kann heute nachdem er feststellt, dass seine Gewinne schrumpfen, morgen alle seine Maschinen abreißen, sich dann neu ausstatten und dann ab übermorgen Schokoladenbonbons herstellen? Die Kosten kann er so kurzfristig nicht stemmen. Warum soll der Privatmann nicht nach betriebswirtschaftlich logischen Berechnungen handeln? Was sich nicht rechnet, wird nicht gemacht. Warum soll das bei den sogenannten Erneuerbaren Energien plötzlich sinnvoll sein?

  • @Energieelite
    Finde ich auch immer lustig, wenn die Allesnachplapperer immer sagen: "Wir brauchen doch nur intelligente Stromspeicher." Die gibt es zwar noch nicht, aber wir können ja schonmal so tun als ob. Ist halt wie die deutsche Politik. Immer erst den zweiten Schritt vor dem Ersten machen.

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