Porsche mit Umsatzrekord
Volkswagens Seelentröster

Porsche erweist sich als wichtiger Gewinnbringer für den kriselnden VW-Konzern. Im vergangenen Jahr verzeichnete der Sportwagenbauer Rekordergebnisse. So legte der Umsatz um 25 Prozent auf 21,5 Milliarden Euro zu.

StuttgartDie Volkswagen-Tochter Porsche hat Umsatz und Gewinn im vergangenen Jahr auf neue Rekordhöhen gesteigert. Bei einem Absatzplus von fast einem Fünftel kletterte der Umsatz 2015 um 25 Prozent auf 21,5 Milliarden Euro, teilte das Unternehmen mit. Der operative Gewinn legte ebenso viel auf 3,4 Milliarden Euro zu. Das Ergebnis nach Steuern kletterte um sechs Prozent auf 2,34 Milliarden Euro. Porsche-Chef Oliver Blume erklärte, selbst für Porsche-Maßstäbe sei das ein außerordentliches Ergebnis. Porsche ist neben Audi die wichtigste Ertragsperle des Volkswagen-Konzerns.

Erstmals berichtete Porsche wegen der im Zuge des Diesel-Skandals verschobene Bilanzpressekonferenz von VW vor der Konzernmutter über ihre Zahlen. Und es war die Premiere von Oliver Blume. Zum ersten Mal stellte der neue Porsche-Chef, der im vergangenen September Nachfolger von Matthias Müller wurde, die Bilanz des Unternehmens vor. Müller wiederum war an die VW-Spitze gerückt, nachdem Martin Winterkorn im Skandal um die Manipulation von Dieselabgasen zurücktreten musste.

Blume wehrt sich gegen mögliche Investitionskürzungen infolge des Diesel-Abgasskandals bei Volkswagen. „Porsche kann dem Volkswagen-Konzern am besten mit guten Ergebnissen helfen - das geht aber nur, wenn wir investieren“, sagte Blume zuletzt.
Der Volkswagenkonzern berät derzeit, wie die finanzielle Last getragen werden soll. Porsche investiert derzeit eine Milliarde Euro in den neuen Elektro-Sportwagen „Mission E“, den das Unternehmen in keinem Fall auf der Streichliste sehen will.

Mit weltweit 225.121 ausgelieferten Fahrzeugen erzielte Porsche 2015 einen neuen Rekord und übertraf damit die Bestmarke von 189.849 Autos aus dem Jahr 2014 um 19 Prozent. Säule des Wachstums ist der kleine Geländewagen Porsche Macan mit mehr als 80.000 Auslieferungen. Auch der große Bruder Cayenne verkaufte sich besser.

Bei der Limousine Panamera war der Absatz dagegen rückläufig. In den ersten beiden Monaten lieferte Porsche 14 Prozent mehr aus als im Vorjahreszeitraum. Porsche-Finanzvorstand Lutz Meschke bleibt nach fünf Rekordjahren in Folge dennoch vorsichtig beim Ausblick auf das laufende Jahr. „Wir gehen davon aus, im Geschäftsjahr 2016 den Umsatz leicht zu steigern und ein Ergebnis auf Vorjahresniveau zu erreichen.“

Porsche-Chef Blume rechnet für die nächsten Jahre mit einer Konsolidierung. „Wir erwarten keine zweistelligen Zuwächse, sondern ein moderates, wertschaffendes Wachstum.“ Das sei nur logisch, schließlich habe Porsche in dieser Zeit keine neue Baureihe geplant. Es gehe darum, das Unternehmen für die Zukunft wetterfest zu machen. „Wir werden große Investitionen anpacken“, sagte Blume zuletzt in einem Interview mit der Wirtschaftswoche. „Damit das funktioniert, müssen wir jetzt die Organisation an das schnelle Wachstum der vergangenen Jahre anpassen.“

Einen Rückschlag erfuhr Porsche im Sportsponsoring, da die als Markenbotschafterin engagierte Tennisspielerin Maria Scharapowa zu Wochenbeginn ein Doping-Geständnis ablegte. Porsche legte die Aktivitäten mit der Russin auf Eis, kündigte aber den Vertrag noch nicht. Die Schwaben haben mit der im vergangenen Jahr verpflichteten Angelique Kerber bereits einen Ersatz in der Hinterhand. Die überraschende Gewinnerin des Grand-Slam-Turniers in Australien wurde für das von Porsche ausgerichtete Stuttgarter Grand-Prix-Spektakel im April auf Nummer 1 gesetzt. Erstmals in der Geschichte des Turniers ist damit eine Deutsche als Siegerin gesetzt.

Martin-Werner Buchenau
Martin-W. Buchenau
Handelsblatt / Korrespondent
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