Präsident tritt zurück
Fukushima-GAU beschert Tepco Rekordverlust

15 Milliarden Dollar - eine Summe, die man sich kaum vorstellen kann: So hoch ist der Verlust von Tepco. Der Fukushima-Betreiber reagiert mit dem Rücktritt von Präsident Shimizu. Doch die riesigen Probleme bleiben.
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TokioMehr als zwei Monate nach dem Atomunglück im japanischen Kraftwerk Fukushima tritt der Chef des Betreibers Tepco zurück. "Ich möchte die Verantwortung übernehmen und einen symbolischen Schlussstrich unter die Sache ziehen", sagte Masataka Shimizu in Tokio. Das Unternehmen tue sein Äußerstes, um die Krise in den Griff zu bekommen, sagte Shimizu bei einer Pressekonferenz. Der 66-jährige Shimizu war seit Mitte 2008 Chef bei Tepco. Er wollte in dem Konzern aufräumen und für mehr Sicherheit in den Kernkraftwerken sorgen - mit dieser Idee ist er gescheitert. Vor der verheerenden Katastrophe hatte der Top-Manager zum Thema Kostensenkung noch gesagt, dass die Inspektionen auf ein angemessenes Maß verringert werden sollten. Was damals wie eine ganz gewöhnliche Management-Position erschien, klingt heute wie eine katastrophale Strategie.

Der Nachfolger steht schon fest: An die Stelle von Shimizu tritt der derzeitige Geschäftsführende Direktor Toshio Nishizawa, teilte das Unternehmen mit. Die Tepco-Führung war für ihr mangelhaftes Krisenmanagement gerügt worden. Ein schweres Erdbeben gefolgt von einem Tsunami hatte im März zur größten Reaktorkatastrophe seit der in Tschernobyl vor 25 Jahren geführt. Bislang ist es nicht gelungen, die havarierten Reaktoren wieder unter Kontrolle zu bringen.

Wegen des Unglücks muss Tepco einen Rekordverlust von umgerechnet 10,69 Milliarden Euro im abgelaufenen Geschäftsjahr vermelden. Die vier zerstörten Reaktoren sollen verschrottet werden - das schlage mit 207 Milliarden Yen (176 Millionen Euro) zu Buche. Tepco werde außerdem bekanntgeben, zwei geplante Atomkraftwerke nicht mehr bauen zu wollen, berichtete die japanische Nachrichtenagentur Kyodo. Noch vor einem Jahr hatte der Kraftwerksbetreiber 134 Milliarden Yen (1,15 Milliarden Euro) Gewinn gemacht. Es ist der höchste Verlust, der jemals von einem japanischen Unternehmen außerhalb der Finanzbranche verzeichnet wurde. Einen Ausblick für das laufende Geschäftsjahr wagte das Unternehmen nicht.

Japan sichert Staatshilfe zu

Der Blick in die Zukunft des Unternehmens ist düster, denn es werden noch wesentlich höhere Verluste erwartet. Tepco muss horrende Entschädigungszahlungen für die Opfer der Katastrophe leisten, die aus dem Gebiet rund um das havarierte Atomkraftwerk evakuiert werden mussten. Ohne die Unterstützung der japanischen Regierung wäre ein finanzieller Zusammenbruch wohl unausweichlich. So soll eine staatliche Finanzierungsgesellschaft gegründet werden. Der Rettungsplan sieht vor, das der Staat dieser Gesellschaft unverzinste Anleihen zur Verfügung stellt, die jederzeit eingelöst werden können, um damit Tepco mit Krediten zu versorgen. Darüber hinaus sollen andere Atombetreiber im Lande ebenfalls Mittel beisteuern. Das Regierungsvorhaben bedarf der parlamentarischen Zustimmung. Es sollen entsprechende Gesetzesanträge noch in der laufenden Sitzungsperiode dem Parlament vorgelegt werden.

Im Gegenzug für die Staatshilfe akzeptierte Tepco die Bedingung der Regierung, harte Sparmaßnahmen zu ergreifen. Zudem soll ein unabhängiger Ausschuss das Finanzgebaren des Konzerns überprüfen.

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  • Na und einem Lügner folgt der nächste.!
    Wer nicht so ganz deppert war, dem war aber auch schon klar, das ein Kraftwerksblock der explodiert einen offenen Kern aufweist. Aber was soll`s der Oberfuzzie ist mit daran Schuld (wegen mangehafter Sicherheitsausstattung die wegen Profitgier eingespart wurde) das eine ganze Region auf mindestens Jahrzehnte unbewohnbar ist, geht dafür aber mit einer guten Pension bestraft in den Ruhestand. Diese und nicht nur diese Gesellschaft ist sehr Krank.

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