Privatfliegerei
Tiefenentspannt in luftigen Höhen

Der Trend zur Privatfliegerei nimmt zu: Die Reise im Privatflugzeug, einst nur wenigen Superreichen vorbehalten, findet weltweit immer mehr Anhänger. Nun erfährt die Branche durch die beiden reichsten Männer Nordamerikas, Warren Buffett und Bill Gates, werbewirksame Unterstützung – beide sind führende Investoren in der Businessjet-Branche.

NEW YORK. Der Laptop ist zugeklappt und zur Seite gelegt, Spielkarten liegen offen auf dem Tisch, für den Gaumen sind Trauben, Käse und Kekse serviert. Bilder von Warren Buffett in Hosenträgern kennt man zur Genüge, aber Bill Gates im offenen Hemd und schwarzen Socken, der Körper tiefenentspannt im Sofa versunken, der rechte Fuß auf den Tisch gestützt, daran muss sich das Auge erst gewöhnen. Wenn sich die beiden reichsten Männer Nordamerikas für Werbeaufnahmen im Flugzeug ihrer Schuhe entledigen, ist das zunächst nicht viel mehr als ein netter PR-Gag. Machen sie aber darüber hinaus gemeinsame Sache, besitzt das hohe Symbolkraft.

In der Businessjet-Branche sind Buffett und Gates nicht nur prominente und gern gesehene Gäste, sondern auch führende Investoren. Der eine, Buffet, lässt fliegen: 1998 übernahm er die US-Firma Netjets, den weltgrößten Betreiber von Privatflugzeugen. Der andere, Gates, lässt bauen: Gemeinsam mit anderen Investoren hat der Microsoft-Gründer den Start des Flugzeugherstellers Eclipse mit mehr als 400 Mill. Dollar finanziert. Die Firma produziert im US-Bundesstaat New Mexico den kleinsten und billigsten Jet der Welt (Listenpreis 1,3 Mill. Dollar). Das sechssitzige Leichtflugzeug namens Eclipse 500 wurde bereits mehr als 2 500 Mal bestellt und könnte über extrem günstige Betriebskosten das Geschäftsmodell des fliegenden Taxis weltweit in Schwung bringen.

Ob Miniflieger, eine Cessna für den Firmenchef oder der noble Gulfstream-Jet für den ganzen Vorstand – der Trend zur Privatfliegerei verstärkt sich. In einer aktuellen Studie rechnet der Systemzulieferer Honeywell damit, dass in den nächsten zehn Jahren rund 14 000 Businessjets im Volumen von 233 Mrd. Dollar ausgeliefert werden. Die Prognose, die in der Vorwoche auf der US-Branchenmesse NBAA für Aufsehen sorgte, wurde im Vergleich zum Vorjahr um 20 Prozent nach oben angepasst. Damit ist offenkundig: Die Reise im Privatflugzeug, einst ein superteurer Spaß für US-Stars aus Film, Sport und Wirtschaft, findet weltweit Anhänger. Kunden von Privatjet-Anbietern könnten ihre Termine flexibel, diskret und unabhängig von Flugplänen absolvieren, heißt das Hauptverkaufsargument der Branche. Das überzeugt zusehends Topmanager, die ihre wertvolle Zeit nicht länger mit Flughafentransporten, Umsteigeflügen und in Wartehallen vertrödeln wollen.

Schon jetzt läuft die Produktion auf Hochtouren: Cessna will im laufenden Jahr 380 Businessjets ausliefern und die Schlagzahl 2008 auf 470 erhöhen. Jack J. Pelton, Chef des 80 Jahre alten US-Herstellers, meldet einen Rekord-Auftragsbestand von knapp 2 700 Flugzeugen. Auch bei Anbietern wie Bombardier, Embraer, Dass1ault und Gulfstream brummt das Geschäft. Das „beispiellose Wachstum“ werde getrieben von starken Volkswirtschaften und Firmengewinnen sowie von der sich rapide beschleunigenden Globalisierung, sagte Pelton dem Handelsblatt. Insbesondere die jüngsten Aufträge aus Asien seien ein klares Signal, „dass der Business-Flugverkehr auch dort in Schwung kommt“.

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