Problematische Festbeträge
Höhere Mehrwertsteuer drückt Pharmapreise

Die Erhöhung der Mehrwertsteuer am 1. Januar 2007 könnte vor allem für mittelständische Arzneimittelhersteller ein böses Erwachen bedeuten. Denn eine höhere Mehrwertsteuer bedeutet zwangsweise Preissenkungen für viele Präparate. Schuld ist die Abrechnungspraxis der Krankenkassen.

HB BERLIN. Denn die Steuererhöhung, die die Industrie normalerweise über Preiserhöhungen an Krankenkasse und Verbraucher weitergeben würd, kollidiert mit den Preisobergrenzen, den so genannten Festbeträgen.

In einem Schreiben an Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) hat der Bundesverband der Arzneimittelhersteller (BAH) deshalb jetzt Kompensation verlangt. Wenn die Politik schon nicht bereit sei, die Festbeträge um drei Prozent zu senken, solle sie wenigstens im nächsten Jahr auf die turnusmäßige Überprüfung der Festbeträge zum 1. April verzichten, um der Industrie weitere Lasten und unnötige Bürokratie zu ersparen, sagte der Vorsitzende des BAH, Hans-Georg Hoffmann dem Handelsblatt. Bei der letzten Mehrwertsteuerlösung 1998 hatten die Krankenkassen bei rund einem Viertel der Festbetragsmedikamente die Höchstpreise erhöht. Die übrigen Hersteller hatten Pech. Sie mussten ihre Preise senken, weil sie sonst Marktanteile an die Konkurrenz verloren hätten.

Die Krankenkassen haben inzwischen Festbeträge für rund 50 Prozent des Umsatzes mit rezeptpflichtigen Medikamenten festgelegt. Medikamente, die teurer als diese Festbeträge sind, werden in der Regel von den Ärzten nicht mehr verordnet. Damit werden Unternehmen, deren Preise knapp unterhalb oder auf dem Festbetrag liegen, durch die höhere Steuer gezwungen, ihre Preise zu senken. Dies gilt auch für die inzwischen über 2000 Medikamente, bei denen die Versicherten keine Zuzahlung mehr zahlen müssen, weil ihre Apothekenpreise inklusive Mehrwertsteuer um 30 Prozent unter Festbetrag liegen.

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