Produktfälschung
Der Vize-Weltmeister im Abkupfern

Gerne klagt man in Deutschland über Produktpiraterie aus China - dabei kommt die Bundesrepublik selbst auf Rang zwei eines internationalen Plagiat-Rankings. Insgesamt entstehen so acht Milliarden Euro Schaden.
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HannoverSeit Jahren klagt der deutsche Maschinenbau über die wachsende Zahl von Plagiaten. Kaum ist eine neu entwickelte Maschine auf dem Markt, finden sich wenige Monate später Produktfälschungen im Katalog eines Wettbewerbers wieder – häufig in schlechterer Qualität, dafür aber erheblich billiger. Und meist aus Asien.
„China wird mit Abstand am häufigsten genannt“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), Hannes Hesse. Die Überraschung: Nach dem Spitzenreiter aus dem Reich der Mitte belegt Deutschland den zweiten Platz im Plagiatoren-Ranking des VDMA.

Die deutschen Maschinenbauer brauchen damit nicht weit zu schauen, um die unlauteren Nachahmer zu lokalisieren. Rund ein Viertel aller nachgebauten Maschinen kommen von heimischen Wettbewerbern. „Der Preiswettbewerb ist so hart geworden, dass auch deutsche Unternehmen sagen: Wir probieren das jetzt mal“, sagte Hesse. Er beklagt „einen Verfall der Sitten“ – auch im Inland.

In China scheint der Trend zum Ideenklau dagegen nun gebrochen zu sein: Im vergangenen Jahr gingen die Plagiate aus dem diesjährigen Partnerland der Hannover Messe erstmals leicht zurück.

Nach Einschätzung des Branchenverbandes VDMA ein erster Erfolg der chinesischen Regierung, ernsthaft gegen Produktpiraterie im eigenen Land vorzugehen. „China unternimmt große Anstrengungen, dagegen vorzugehen“, sagte Hesse. Allerdings bleibt noch viel zu tun, denn weiterhin kommen über 70 Prozent aller nachgebauten deutschen Maschinen und Anlagen aus dem Reich der Mitte.

Auf knapp acht Milliarden Euro beziffert der VDMA den Gesamtschaden, der der deutschen Branche im vergangenen Jahr durch Plagiate entstanden ist, eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr um knapp ein Viertel. Ein Umsatz in dieser Höhe entspricht rund 37 000 Arbeitsplätzen. Neun von zehn Unternehmen mit mehr als 1000 Mitarbeitern haben mit Plagiaten zu kämpfen, bei kleineren Firmen bis zu 250 Mitarbeitern ist rund die Hälfte betroffen. Kopiert wird nahezu alles, an der Spitze stehen Komponenten mit 52 Prozent, dahinter folgen ganze Maschinen oder auch Ersatzteile. Betroffen sind vor allem die Hersteller von Textil und Kunststoffmaschinen, Kompressoren sowie Druck- und Papiertechnik.

Auch viele chinesische Firmen sind inzwischen unter den Opfern. Einige haben sich zu international agierenden Wettbewerbern entwickelt, forschen und halten Patente – und werden inzwischen selbst kopiert, zum großen Teil von heimischen Konkurrenten.

Hesse ist sich sicher, dass es zumindest Klagen über Plagiate aus China auf der diesjährigen Hannover Messe nicht geben wird. China stellt sich in Hannover als innovatives High-Tech-Land vor und nichts würde dieses Image mehr torpedieren als ein Skandal über Plagiate.

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