Produktion erreicht weltweit und in Deutschland die bisher höchsten Werte – Rohstoffe bleiben knapp und teuer
Stahlindustrie erwartet erneut Rekordjahr

Der Stahlboom wird auch im kommenden Jahr anhalten. Die Wirtschaftsvereinigung Stahl erwartet für 2005 in Deutschland eine Rohstahlproduktion von 47 Mill. Tonnen gegenüber 46,5 Mill. Tonnen im laufenden Jahr. Dieter Ameling, der Präsident der Wirtschaftsvereinigung, begründet diesen Rekordwert mit der anhaltend hohen Nachfrage.

DÜSSELDORF. „Die wichtigsten inländischen Kunden der Stahlindustrie werden mit Ausnahme der Bauindustrie im Jahre 2005 ihre Produktion ausweiten“, heißt es in einer Mitteilung des Verbandes. Dies gelte besonders für die Autoindustrie, den Maschinenbau und die Röhrenwerke. Bereits 2004 wird die Stahlproduktion um rund vier Prozent steigen und den höchsten Wert seit 20 Jahren erreichen.

Auch weltweit rechnet der Verband nicht damit, dass die hauptsächlich durch China verursachte hohe Nachfrage nachlässt. Er erwartet einen weiteren Anstieg der Stahlproduktion auf 1,1 Mrd. Tonnen, was ein Plus von zehn Prozent bedeuten würde. „Der Weltstahlmarkt wird wegen des Wachstums in China auch 2005 auf hohem Niveau stabil bleiben“, erklärt Ameling. In China werde es nicht zu der teilweise befürchteten harten Landung kommen. Die hohe Nachfrage aus China nach Stahl und den Vorprodukten Kohle, Koks, Eisenerz und Schrott hatte für die weltweite Knappheit und für die hohen Preise in diesem Jahr gesorgt.

Etwas weniger optimistisch ist Analyst Hermann Reith von der ING BHF-Bank. Er erwartet 2005 lediglich ein Plus von sechs Prozent für die weltweite Stahlproduktion. Ein Anstieg von zehn Prozent lasse sich wegen der weltweit knappen Kapazitäten nicht verwirklichen. Zudem sinke die Nachfrage in China bereits wieder leicht. Für Deutschland hält Reith aber eine Produktion von 47 Mill. Tonnen für möglich, da Salzgitter einen neuen Hochofen in Betrieb genommen habe und daher mehr Kapazität verfügbar sei.

Angesichts der weiter hohen Nachfrage werden die Preise für Stahl auch im kommenden Jahr weiter steigen. Die Wirtschaftsvereinigung Stahl äußert sich hierzu nicht direkt, geht aber davon, dass auch die Lage bei den Rohstoffen weiterhin angespannt sein wird. „Eine kurzfristige Entspannung bei den Rohstoffpreisen ist leider nicht in Sicht“, so Stahlpräsident Ameling. 2004 hatten fast alle Stahlkonzerne ihre Preise zum Teil drastisch erhöht. Für 2005 sind die Jahreskontrakte mit Kunden wie der Autoindustrie neu verhandelt worden, und die höheren Preise werden zum Jahreswechsel in Kraft treten. Für die kürzerfristigen Verträge erwartet Analyst Reith bis Jahresmitte noch einmal Aufschläge von vier bis sieben Prozent. Er erwartet erst Anfang 2007 ein Ende der weltweiten Engpässe bei Kohle und Stahl. „Es wird eine sehr lange Periode mit hohen Stahlpreisen geben“, sagt Reith.

Die Stahlknappheit hat besonders bei der japanischen Autoindustrie bereits zu Produktionsausfällen geführt. Suzuki Motor und Nissan hatten erklärt, wegen fehlenden Stahls die Produktion kürzen zu müssen. Nissan hatte angekündigt, wegen der Knappheit würden eventuell bis zu 15 000 Autos weniger gebaut als geplant. Jetzt will offensichtlich der größte europäische Stahlkonzern, Arcelor, zusätzliche Mengen an Nissan liefern. Die japanische Zeitung Nihon Keizai meldet, Nissan werde eine nicht näher bezifferte Stahllieferung von Arcelor erhalten.

Trotz des derzeitigen Booms sind die Stahlkonzerne vorsichtig bei Investitionen in neue Kapazitäten. Thyssen-Krupp prüft ebenso wie der koreanische Konzern Posco den Bau eines neuen Werkes in Brasilien, weil dort billiges Erz vorhanden ist. Arcelor wird zum Jahresende den brasilianischen Hersteller CST übernehmen. Lediglich in China werden mehrere neue Stahlwerke gebaut, um Importe zu ersetzen.

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