Produktions-Kooperation
Smart könnte zum Volkswagen mutieren

Nach dem Abgang von Daimler-Chrysler-Chef Jürgen Schrempp zählt für seinen Nachfolger Dieter Zetsche die Tochter Smart zu den größten Baustellen. Nun blickt sich der Stuttgarter Autobauer nach weiteren Partnern für Smart um. Erst vor wenigen Monaten hatte der Konzern mit den japanischen Herstellern Mitsubishi Motors und Nissan eine neue Motorenkooperation für Smart vereinbart.

hz STUTTGART. Ein Mitglied des Daimler-Chrysler-Aufsichtsrats sagte dem Handelsblatt: "Bei der Smart-Produktion müssen wir versuchen, neue Kooperationspartner zu finden". Informationen aus Unternehmenskreisen führt der deutsch-amerikanische Konzern bereits erste Gespräche mit anderen Herstellern. Einer der Kandidaten sei Volkswagen. Daimler-Strategievorstand Rüdiger Grube habe schon vor dem überraschenden Führungswechsel im Konzern Kontakt mit Wolfsburg aufgenommen. Offiziell wollten die Unternehmen die Informationen nicht kommentieren.

Die Kleinwagenschmiede hat seit ihrer Gründung nur Verluste angehäuft, allein im vergangenen Jahr soll ein Minus von über 500 Mill. Euro aufgelaufen sein. Um im Kleinwagensegment profitabel arbeiten zu können, sind nach Meinung von Experten Kooperationen in der Branche von großem Vorteil, da mit höheren Stückzahlen die Produktionskosten erheblich sinken. So kommt kaum ein Volumenhersteller um Allianzen herum. Peugeot-Citroën baut Kleinwagen mit Toyota in einem Werk in Tschechien, Nissan arbeitet mit Renault zusammen, und selbst BMW kooperiert beim Mini mit Peugeot und Toyota.

Auch Daimler hat für den Smart Fortwo bereits vor Jahren eine enge Zusammenarbeit mit Mitsubishi geknüpft, die bisher jedoch die Erwartungen beider Seiten auf dem hart umkämpften Markt nicht erfüllte. So verzeichnete der Smart-Absatz nach Angaben von Mercedes im Juli ein Minus von 11,6 Prozent. Das niederländische Werk Born, wo sowohl der Mitsubishi Colt als auch der Smart Forfour gefertigt werden, musste bereits mehrfach seine Produktionsplanungen nach unten revidieren.

Das große Sorgenkind der Stuttgarter ist dieser Smart-Viersitzer, der noch weit von der Gewinnschwelle entfernt ist. Der neue Smart-Chef Ulrich Walker strebt allerdings an, mit dem Forfour schon in der ersten Generation positive Deckungsbeiträge zu erzielen. Ein neuer Kooperationspartner könnte ihm da gerade recht kommen. Bislang ist unklar, wie Smart vor allem mit dem Viersitzer Forfour auf dem heiß umkämpften Kleinwagen-Markt bestehen will. Beobachter sehen daher weiteren Handlungsbedarf.

Walker hatte es bei seinem ersten großen Auftritt vor der Öffentlichkeit im Juni offen gelassen, ob das Unternehmen das Kooperationsprojekt mit Mitsubishi nach Ende des Lebenszyklus’ der ersten Generation des Viersitzers fortführen werde. „Über einen Nachfolger denken wir erst 2007/08 nach“, sagte er damals. Der Manager betonte jedoch, wie wichtig das Klein- und Mikroautosegment weltweit für die Autobranche sei. Allein das Kleinwagensegment werde 2010 rund 50 Prozent des Weltfahrzeugmarktes ausmachen. Da müsse Daimler-Chrysler schon aus strategischen Gründen mit dabei sein.

Doch bereits mehrfach musste Daimler in den vergangenen Jahren das zeitliche Ziel für ein Erreichen der Gewinnschwelle bei Smart nach hinten verschieben. Angesichts dieser Schieflage hatte das Management Anfang April einen drastischen Sanierungsplan vorgelegt. Demnach fallen 700 Jobs weg, Vertrieb, Entwicklung und Service übernimmt in großen Teilen Mercedes, der Roadster wird eingestellt, der geplante Geländewagen gar nicht erst gebaut. Künftig beschränkt sich die Marke allein auf den klassischen Smart Fortwo und den Viersitzer Forfour. Mit den harten Schnitten will die Mercedes-Gruppe bis 2007 Smart aus den roten Zahlen bugsieren.

Wegen der Sanierungskosten von Smart in Höhe von 1,2 Mrd. Euro war die Mercedes Car Group im ersten Quartal allerdings tief in die Verlustzone geraten

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